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Mittwoch
Jan022008

"La Table de Joel Robuchon", Paris: Hier stirbt das Essen jung

Ehrfürchtig betrachten wir die gold schimmernde Kugel auf dem Teller. „Was ist das?“, fragt einer in unserer Runde in dem Tonfall, den die Science-Fiction-Fans aus Star-Trek-Episoden kennen, immer dann, wenn die Besatzung von Raumschiff Enterprise einer neuen Zivilisation begegnet. uploaded-file-14626

Er ist ein Dessert, dieser überirdisch anmutende Ball. Eine Zuckerkugel, gefüllt mit zweierlei Crèmes. So anmutig, so elegant, dass man ihn nicht zerstören möchte, weil man weiß: Er ist das Werk eines Meisters der Kochkunst. Doch die Werke von Küchengenies sind nun einmal angelegt auf Endlichkeit und die kommt schnell, werden die Kunstlichkeiten einmal aus dem Reich des Maitre getragen, hinfort zu den gierigen Mäulern der Gäste.

Und ein wahrer Maitre ist hier am Werk. Wenn auch nur als Lehrer, denn Joel Robuchon, einst gefeiert als Jahrhundertkoch und in einer Linie mit Bocuse und Ducasse, steht nicht selbst in der Küche des „La Table de Joel Robuchon“. Er ist längst Gastro-Unternehmer geworden: Müde geworden von den Anforderungen eines Drei-Sterne-Lokals startete er ein Konzept namens „L’Atelier“, wo es Top-Küche zu niedrigeren Preisen als anderenorts gibt. Dafür sitzt ein Großteil der Gäste an einer Theke und Reservierungen werden nur außerhalb der Stoßzeiten entgegen genommen. Die Ateliers gibt es inzwischen in mehreren Metropolen. uploaded-file-68768

Nebenbei führt Robuchon  „La Table“, im Besitz zweier Sterne und scheinbar ein normales Top-Restaurant. Doch auch dieses Haus ist eine kleine Revolte gegen die Sterne-Diktatur: Es gibt ein Menü oder die Bestandteile desselbigen wahlweise in kleiner oder normaler Portion – gelebte Gastfreundlichkeit.

Ebenso entgegenkommend ist  der junge Service. Fröhlich nimmt man den Mantel entgegen und geleitet den Gast ebenso entspannt durch die Sprachklippen der Karte, obwohl unsere nette Bedienung selbst nur gebrochen englisch spricht. Gerade noch kann so die Bestellung einer Kalbszunge verhindert werden (wobei ich sagen muss, dass die Kalbszunge im New Yorker “WD 50” nicht übel war). Ach, die Atmosphäre? Unauffällig. Ein ruhiges Restaurant in zeitloser Ausstattung.

Ausnahmsweise entscheiden wir uns gegen das Menu – es ist schon spät. Die einen in unserer Runde beginnen mit einer großartigen Kürbissuppe, die anderen mit einer üppigen Scheibe Foie Gras feinster Qualität. Anschließend stellen wir fest, dass Robuchons unausgesprochenes Motto wohl ist: „Hier stirbt das Essen jung.“ Die Lammbeinchen sind so klein, dass die Schlachtung noch im Kindergartenalter erfolgte (allerdings hätte die Portion hier ruhig etwas größer sein können),  die zarte Ente deutet auf eine niedrige Zahl von Flugstunden hin. Wunderbar ist auch das Kaninchenragout in Rotweinsoße, umzäunt von einem Nudelring. Ebenfalls eine Art von Anti-Sterne-Küche: Für alle Gäste gibt es Robuchons bekanntes Kartoffelpü als Sättigungsbeilage. Dieses ist so fein, dass hier ein Jungkoch unter dem Risiko einer Schultergelenksarthrose gewerkelt haben muss. Dazu wählten wir einen Cote Rotis Jasmin, den ich hier erwähne um mich selbst daran zu erinnern, für daheim eine Lieferung zu ordern.

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Der Höhepunkt des Mahls aber waren ohne Frage die Nachtische. Nein, nicht nur jene transzendental mundende Zuckerkugel. Ebenso eine Apfel-Kreme serviert in einer Halbkugel, gepaart mit Apfel-Sorbet. Oder das üppige Souflet, dass keineswegs sofort in sich zusammenfiel. Oder die „Chocolat Sensation“: Mousse und Keks gedeckelt von einer Schoko-Platte mit Edel-Smarties.

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Robuchon mag sich noch so sehr wehren gegen all das Brimborium rund um Sterne und Punkte und Kochmützen – wer so gut kocht, der bekommt sie halt, diese Gütezeichen. Dass er es trotzdem schafft, seine eigenen Ideen durchzudrücken, spricht noch mehr für die Qualität der Küche.

Die Video-Kritik – zum ersten Mal mit Vorspann - liefert diesmal Daniela Hinrichs, Kommunikationschefin der Xing AG:


Link: sevenload.com

La Table de Joel Robuchon
16, Avenue Bugeaud
Paris (16. Arrondissement) 

 

Reader Comments (1)

Danke für den Bericht und für das nette Video!

Schade, dass Daniela Hinrichs in der Ecke saß - ich hätte gerne noch etwas von der offensichtlich gut belebten Umgebung des Restaurants gesehen. Das hätte dem Video noch mehr Stimmung gegeben.

Januar 5, 2009 | Unregistered CommenterDavid Zwadlo

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