Ski-Urlaub in Tirol: Ein Kirch-Dorf und viel Schnee
Drei Erkenntnisse nach dem Skiurlaub: 
1. Skifahren verlernt man nicht
2. Ich kann Halbpension nicht ausstehen
3. Mehlspeisen machen dicker als Galadinner.
Dieses Jahr Silvester haben wir einmal nicht unser beliebtes Kochduell mit Freunden veranstaltet. Seit Jahren treffen wir uns dazu in unterschiedlicher Zusammensetzung in unterschiedlichen Wohnungen zum Gala-Glamour-Dinner. Wir schmeißen uns aber so richtig in Schale und stehen dann Paarweise für jeweils einen Gang mit Abendrobe in der Küche um uns gegenseitig mit den allerköstlichsten Köstlichkeiten zu bekochen und dazu literweise Schampus zu trinken. Auf die Idee kamen wir im Jahr 2001, nachdem wir für verschiedene öffentliche Silversterparties mehrfach ziemlich viel Geld für ziemlich wenig Spaß (wegen chronischer Überfüllung) bezahlt haben. Statt dessen haben wir angefangen, einzukaufen was das Zeug hält. Hummer , Kaviar, Foie Gras und so weiter, und festgestellt, dass das nicht nur trotz der Dinge, die wir uns sonst nicht leisten, weniger kostete und viel mehr Spaß machte – bis auf das Jahr, in dem ich die Hummer bisque gekocht habe und Wilhelm dafür den Henker bei vier Hummern machen musste - aber das ist eine andere Geschichte .
In diesem Jahr war es mal wieder etwas anderes. Wir waren über Silvester in Tirol, genauer in Kirchdorf, zum Skifahren. Kirchdorf, nicht zu verwechseln mit Kircherberg neben Kitzbühl, sondern Kirchdorf neben St. Johann (leider haben wir das bei der Buchung nicht alle so richtig mitbekommen).
Kirchdorf sieht so aus, wie es sich anhört. Es gibt eine Kirche, um die herum stehen einige Häuser, drei Gasthöfe und zwei Geschäfte. Und 1.500 Meter weiter steht an einem seichten Hang unser Hotel “Seiwald” vor einem anderen Hotel, das sich wie der Name “Babymio” schon verrät, auf werdende Mütter spezialisiert hat.
Sonst ist da nichts. Nein, wirklich gar nichts. Außer Schnee auf Bäumen, Dächern und Weiten. Und Sonne, die die weiße Pracht zum Glitzern und Funkeln bringt, als wäre Swarowski, das ca. 1 Stunde von hier entfernt ist, mit ein paar Tonnen Kristallen vorbeigekommen, um sie in der Landschaft zu verstreuen. Traumhaft schön.
Noch schöner wäre es, wenn auch ein Skigebiet nebendran wäre. Da ist für unsere drei Anfänger, die mit einem Skilehrer bzw. dem Kids-Skikurs bei der Skischule Total (beides ist hervorragend angekommen) ihre ersten Pistenmeter fahren wollen ein schöner Hang mit einem Schlepp- und einem Sessellift. Die etwas erfahreneren Skifahrer müssen allerdings mit dem Skibus oder Auto zu einem der Skigebiete fahren, was, und das ist ein bisschen schade, gemeinsame Mittagspausen unmöglich macht.
Da ich meine Skier das letzte mal vor sechs Jahren an den Füßen hatte, hatte ich leichte Zweifel, ob es noch klappt. Aber es bewahrheitete sich: Skifahren ist wie Schwimmen oder Fahrradfahren - man verlernt es nicht. Im Gegenteil: Mit den putzigen kurzen Skiern, die mir noch nicht einmal mehr über die Schulter reichen, ist das ja noch viel einfacher als früher. Die Steinplatte, auf der wir den ersten Tag verbrachten, ist allerdings auch ein gutes Gebiet um den Einstig wieder zu finden. Insgesamt gibt es fünf große Skigebiete mit mehr als 668 Pistenkilometern, die allerdings nicht über Skischaukeln sondern nur mit Bussen miteinander verbunden. So fährt man in der Regel an einem Tag in einem Gebiet.
Und am Abend wartet die Halbpension. Im Hotel “Seiwald”.
Nein, ich kann das nicht ausstehen! Hatte ich irgendwie verdrängt. Dieses Immer-am-gleichen-Tisch-neben-den-Leuten-rechts-und-links-die-auch-immer-am-gleichen-Tisch-sitzen-Sitzen. Dann am Abend nach oder wahlweise vor dem Essen in der Speisekarte das Essen für den nächsten Abend aus drei Wahlmöglichkeiten aussuchen müssen. Und hier auch noch aus einer Karte, die obwohl wir doch in Österreich sind, gar nichts Österreichische zu bieten hat. Mich nervt das.
Und besonders nervt dieser Oberkellner. Total locker und gut drauf. Glaubt er. An unserem ersten Abend klärt er uns erst einmal auf:
„Also nur damit das klar ist, Ihr seid hier im Urlaub.“ (Ach ne, was denn sonst?)
„Und im Urlaub da sollt Ihr Euch rundherum wohl fühlen.“ (Das ist nett, das wollen wir auch, dafür haben wir bezahlt. Aber warum duzt der uns die ganze Zeit, wir sind doch nicht bei Ikea?)
„Wir versuchen auch, dass das immer klappt und auch mal Sonderwünsche zu erfüllen. Wenn etwas aber nicht sofort nach Euren Wünschen ist seht uns das bitte nach, wir sind auch nur Menschen“ (Nachtigall… Wir, fast alle im Dienstleistungsbereich, sollten unseren Kunden mal mit Versuchen kommen. Das soll wohl heißen: „Macht lieber alles so, wie es hier vorgesehen ist, sonst gibt es Probleme.“).
Na dann versuchen wir es doch mal mit dem ersten Sonderwunsch. Wir hätten gerne statt zwei Tischen nur einen, an dem wir alle zusammen Platz haben. Wir sollen ja jetzt eine Woche daran sitzen und haben gemeinsamen Urlaub geplant. Und wenn wir schon nicht zusammen Skifahren oder Mittagspausen können, dann wäre doch ein gemeinsames Frühstück und Abendessen eine schöne Sache. Wir schlagen vor, die beiden neben einander stehenden Tische an denen wir platziert wurden zusammen zu schieben.
„Na, das geht nicht so einfach. Da kommt ja keiner mehr durch.“ (Hinter uns ist eine Wand, wo soll denn einer hin?)
„Wir versuchen das anders zu regeln. Setzen Sie doch die Kinder an den anderen Tisch“. (Da die Eltern ihre Kinder aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit nicht sonderlich häufig sehen fällt das aus.)
„Wir versuchen das dann anders zu regeln, vielleicht können wir Gäste die schon ihre Tische haben bitten zu tauschen und andere Tische zusammenschieben. Ich spreche mal mit dem Chef“.
Wir sprechen auch mit dem Chef und ja, hier im “Seiwald” versucht man wirklich die Sonderwünsche zu erfüllen, das dauert zwar einen Tag aber dann sind sie auch ganz stolz und der Oberkellner verkündet uns mindesten acht Mal, dass er es geschafft hat, uns gemeinsam an einen anderen Tisch zu platzieren. 
Nach zwei Tagen ist Silvester und wir sitzen zusammen an unserem Tisch, an den wir alle passen, zum Galadinner das eigentlich keins ist - was wir aber vorher vermutet haben und es darum als nicht ganz so schlimm empfanden. Bleigießen durften wir dann allerdings an unserem Tisch, als das Galadinner um 22 Uhr vorbei war, nicht. Wegen der Rauchmelder, die seien so empfindlich.
Also haben wir mit zwei Flaschen Rotwein (ja, wir durften sie mit auf unser Zimmer nehmen) und dicken Klamotten auf einem unserer Balkone Bleigegossen. Ich habe einen Schuh, genauer, einen Rene Caovilla-Stiletto mit vielen kleinen Strassapplikationen gegossen, für den aber leider keine Deutung im Bleigießenbeilagenheftchen gab. Wer weiß was mir die Zukunft jetzt bringt?
Auf dem Weg zum Feuerwerken auf die Terrasse gab es noch schnell einen Anschiss vom Oberkellner als er uns mit den Rotweingläsern gesehen hat. Nicht, dass er meint wir wären nicht vorsichtig damit, aber das dauert „WOCHEN!“ bis die in Kirchdorf sind und bis der Chef die überhaupt erst genehmigt hatte… Wir lassen uns aber gar nicht beeindrucken und sehen lieber das wirklich wunderschöne Feuerwerk das den Himmel über dem ganzen Tal eine halbe Ewigkeit in einen Farbrausch versetzt.
Am Neujahrsabend haben wir dann das Halbpensionsabendessen geschwänzt und waren statt dessen im wirklich sehr zu empfehlenden “Grander Schupf”. Da haben wir unter anderem den zweitleckersten Kaiserrschmarrn, der einer von verdammt vielen Kaiserschmarrns war, in diesem Urlaub gegessen. Ich vermute, nicht nur dieser war dann am Ende daran Schuld, dass mir bei dem Pumps wäre er denn passend für meine Füße gewesen der Absatz weggesackt wäre. War das dass Omen? Selbst fünf Stunden Ski fahren am Tag verbrennt keine 10.000 Kalorien.


Reader Comments (1)
Hach das leidige duzen. Ich erinnere mich an einen gesponserten Aufenthalt in einem Club Aldiana: Am Empfang neben mir ein älterer Herr, so um die 70, Typ Zahnarzt im Ruhestand.
Das junge Mädchen im Rezeptionsköstüm zu ihm: "Grüß dich! Wie ist dein Tag bisher? Bei dem Wetter solltest du schnell noch eine Runde Golf buchen."
Der Zahnarzt schaut ernst: "Wenn Sie (betont!) so gut wären für die fehlenden Handtücher für mein Zimmer zu sorgen könnte ich auch geduscht golfen. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag."
"Tut mir leid, ich schicke gleich jemanden vom Housekeeping auf dein Zimmer."
Trotz perfekter Zähne lacht der Zahnarzt nicht, nicht mal ein Lächeln kommt.