"Lux 11", Berlin: Coole Mitte
Man könnte das Folgende als Luxusproblem ansehen. Schließlich ist es ja nicht so, dass es Berlin an Hotels mangelt - im Gegenteil, wie die mit Kampfpreisen um jeden Gast ringenden Hoteliers immer wieder beklagen.
Auch schöne, sympathische, metropolig desingte Herbergen gibt es einige. Doch hiermit tasten wir uns an das Problem heran. Denn die Differenz zwischen den Berliner Gegenden, in denen man als Großstadt-Touris seine Stunden verbringt und den Vierteln, in denen jene interessanten Hotels liegen, ist der Haken.
Nehmen wir nur einmal das herrlich überdrehte “Q”, in dessen Frühstücksraum sich Gäste fühlen wie leicht deprimierte Existenzialisten in französischen 70er-Jahre-Filmen. Adresse: Knesebeckstraße, Ecke Kudamm. Kudamm! Bitte! Die Ex-Prachtstraße ist heute nur noch Anlaufstelle für unverbesserliche 80er-Jahre Fetischisten!
Ziemlich weit den Kudamm runter, weg von der Gedächtniskirche und vom munteren Leben liegt das “Kudamm 101” - etwas weniger euphorisch entworfen, aber ein nettes Designhotel, wenn man mal vom kasernenartigen Betonboden der Zimmer absieht. Dafür gibt es einen tollen Frühstücksraum über den Dächern der Hauptstadt mit nicht minder angenehmem Essen.
Und dann das “Bleibtreu”, ein wenig renovierungsbedürftig aber immer noch ein sehr angenehmes Haus, bei dem einem zum Frühstück der omnipräsente Jürgen Vogel serviert wird - kommt anscheinend jeden Morgen hierher, wenn er in der Stadt ist. Und wo liegt es: am Kudamm.
Wer aber in diesen Zeiten Berlin besichtigt, der möchte coole Bars, hippe Restaurants, perfekte Latte Macchiatos. Und die gibt es eben in Mitte oder Friedrichshain. Ausgerechnet dort aber gibt es vor allem anonyme Kettenhotels mit Teppichböden, die allein nach dem Merkmal der Fleckunempfindlichkeit ausgesucht worden sind. Mit einer - so weit mir bekannt - Ausnahme: das “Lux 11”.

Der Name ist Adresse, das lässt sich sogar noch leicht angetrunken merken: Rosa-Luxemburg-Straße 11. Na gut, offiziell 9 bis 13, aber da sind wir jetzt mal nicht so. Wobei die elf von der jungen und stets gut gelaunten Rezeptionscrew “Iläven” gesprochen wird - sehr polyglott. Die Lage ist gut: Die Volksbühne ist nebenan, der Alexanderplatz sorgt für die ÖPNV-Anbindung, bis zu den Hackeschen Höfen sind es fünf Minuten zu Fuß.
Untergebracht ist das “Lux 11” in einem typischen Altbau, was gepaart mit der violetten Lichstimmung eine sehr angenehme Mischung aus Alt und Neu ergibt. Die Zimmer sind bemerkenswert groß und sehr bemerkenswert ausgestattet: Denn neben einem Fax und Flachbildfernseher gibt es auch komplette Küchen. Denn ein so richtiges Hotel soll es eben nicht sein, eher so eine Anwandlung von Boarding House, also möbeliertem Wohnen während eines überschaubaren Zeitraums - weshalb auch ein Mietvertrag ausgefüllt wird und keine Gästeanmeldung. Die Folge: Die Zimmer werden nur alle drei Tage gereinigt. Im Gegenzug sind die Preise moderat: Innerhalb der Woche kann man mit ein wenig Glück für 109 Euro nächtigen.


Vor einem mit Designteppich überlegtem Betonboden sollten man sich allerdings nicht bange machen. Auch nicht vor dem Waschtisch und der Dusche neben dem Bett. So ist das Halt im Lande der Designer. Die leisten sich leider auch einen Faux pas vom Schlimmsten. Denn wer sich die Zähne putzt oder auch nur das Gesicht wäscht, ohne mit dem tief versenkten Wasserhahn zu kollidieren, dem sei hiermit herzlichst gratuliert. Dafür sind die beiden hauseigenen Pflegeserien in aparten pinken oder grauen Tuben lobend zu erwähnen. Wer ein Zimmer in der gehobenen Kategorie nimmt, bekommt dann beide Varianten. Und ich möchte wetten, jeder Gast nimmt noch nicht ganz leere Tuben mit.
Und noch etwas macht das “Lux 11” zu einem guten Nächtigungsort für den Berlin-Trip: Hier wird der Gast nicht mit dem Frühstück arm gemacht. Im angeschlossenen Restaurant “Shiro I Shiro”, einem Traum in Philippe Starck, wird ein zwar wurstloses aber sehr leckeres Frühstück für zehn Euro offeriert - ein fairer Kurs.
Das kann man nur in Grenzen vom Preis für WLan - das nicht in allen Zimmern zu empfangen ist - behaupten: 4 Euro für eine Stunde. Und wer weniger braucht, kann den übrig gebliebenen Rest innerhalb von drei Monaten aufbrauchen. Wenigstens ein Schritt in die richtige Richtung: Irgendwann werden Hoteliers aber sicher auch in Deutschland merken, dass kostenloser Internet-Zugang ein Verkaufsargument sein könnte.


Reader Comments (4)
Komisch, ich kenne in Berlin-Mitte noch mindestens drei weitere nette Design-Hotels. Wie wärs denn mit dem Kunsthotel Luise, da ist zumindest W-Lan komplett kostenlos.
Oh, vom "Luise" habe ich noch nie gehört - das sieht interessant aus. Wird demnächst definitiv mal gebucht. Welche kennen Sie denn noch? Wir waren jetzt im "Wall Street" - ein einzige Enttäuschung. Für Tipps sind wir dankbar!
ich habe neulich erst im lux11 gewohnt und im wall street ebenfalls.
das wall street war in der tat eine enttäuschung! die relativ günstigen zimmerpreise trösten dann auch nicht darüber weg, dass internet pro tag 20€ (!) kostet (oder haben sie das inzwischen geändert?), und jeder schluck vom mineralwasser, das neben dem bett plaziert wird ungefähr 1€. da kommt man sich als gast einfach nur abgezockt vor. allerdings fehlte mir im lux11 irgendwie der wohlfühlfaktor. lags an der fugenkittgrünen zimmerwand (+decke+boden), oder an dem total unterkühlten flair des restaurants (jaaa, ich weiss, DESIGNrestaurant), oder hat mich dann die fehlende tägliche zimmerreinungung doch zu sehr genervt?
schliesslich habe ich in berlin doch noch ein hotel gefunden, in dem ich rundum glücklich war: das ellington hotel. hier hat für mich einfach alles gestimmt: schönes design und gemütliche atmosphäre und klasse frühstück und vieeeele parkplätze hinterm haus und netter service. aber: es liegt leider nicht in mitte, sondern beim kudamm. hat mich aber nicht besonders gestört.
oh, und wie konnte ich es nur vergessen! das mandala hotel ist natürlich auch genial...