Deutscher Osten: Schokolade, Plaste und Elaste
Sachsen-Anhalt ist das Land der Frühaufsteher. Wer hätte das gedacht?! Da gab es mal eine Umfrage, demnach stehen die Anhaltiner am frühesten auf in der Bundesrepublik. Nach einem Wochenende in Halle, Merseburg und Leipzig (ok, letzteres gehört zu Sachsen) würde ich eher sagen: Es ist die Gegend der Süßwarenfans.

Genächtigt haben wir im Schlosshotel Schkopau, einem hochherrschaftlicher Renaissance-Bau, bis 1945 Sitz der Familie von Trotha. Danach verfiel das schöne Gebäude und wurde nach der Wende unter Millionenaufwand zum Hotel um- und ausgebaut. Der Ort Schkopau liegt fünf Minuten von Merseburg und zehn Minuten von Halle entfernt und hat sonst schlicht nix zu bieten. Aber das Hotel ist ein Idyll.
Beliebt ist es bei Hochzeitspaaren. Billig ist der Spaß nicht gerade: offiziell starten die Zimmerpreise bei 199 Euro (Doppelzimmer). Wir haben 125 Euro gezahlt, inkl. zwei Kindern, für die uns auch kostenlos zwei Babybetten gestellt wurden.
Merseburg selbst ist wirklich einen Besuch wert: der mittelalterliche Dombezirk mit Schloss direkt an der Saale atmet Geschichte pur und beides sollte man sich unbedingt angucken. Unsere Kinder fanden die Geschichten rund um die Merseburger Zaubersprüche, die abgehackte Hand Rudolfs von Schwaben, den Saaleaffen, die Teufelskrallen, die Gabel des Bischofs und die gefangenen Raben im Schloss jedenfalls spannend (Details hier). Übrigens gibt es entlang der Saale auch einen idealen Rad- und Kanuwanderweg.

Tag 2 haben wir in Halle und Leipzig verbracht. Halle hat seinen DDR-Grauschleier abgelegt und ist - wie viele Städte in den neuen Bundesländern - inzwischen bestens herausgeputzt, zudem Sitz der Landesregierung. Wer mal was anderes machen will, dem sei ein Besuch der örtlichen Schokoladenfabrik empfohlen. Es gibt ein kleines Museum, eine gläserne Fabrik und einen Werksverkauf.
Auch Leipzig hat ein Traditions-Schokoladen-Haus zu bieten, das Café Riquet, heute nur noch ein Kaffeehaus, aber was für eins! Noch ein Tipp: Im Arabischen Café „Coffe Baum“ einkehren, das ist eines der ältesten kontinuierlich betriebenen Café-Restaurants Europas. In Leipzig gibt’s außerdem architektonisch eine Menge Beeindruckendes, angefangen beim imposanten Bahnhof, dem alten Rathaus, und den Messepassagen. Unbedingt angucken: den Speck´sHof, eine Passage verschieden gestalteten Innenhöfen, nach meiner Meinung viel schöner als die ach so berühmte Mädlerpassage (dort ist auch Auerbachs Keller, ja richtig der aus Goethes Faust).

Im Speck´sHof findet man die einzige Filiale des Versenders Tortissimo. Wer das Märchen Aschenputtel in Keksform backen will, findet hier die Formen. Und noch unendlich viele andere Motive. Meine Kinder mussten aus dem Laden gezerrt werden…
Auch sehr sehenswert: die Nikolaistraße mit ihren Art Deco-Fassaden (hier gibt’s eine Filiale von Australian Homemade, meinem Lieblingseisladen), und der Nikolaikirche. Wer Zeit hat, sollte unbedingt eine der Führungen mitmachen und sich von den Leipziger Montagsdemos erzählen lassen, die hier ihren Anfang nahmen. Aus Zeitmangel waren wir nicht essen in Leipzig, nur trinken. Aber ein Tipp fürs nett sitzen beim Trinken: die Pfeffermühle nahe der Thomaskirche. Das ist Leipzigs Kabarettbühne - und ein nettes Lokal mit Innenhof. Zum Schluss sollte ich noch erklären, was es mit Plaste und Elaste auf sich hat(te). Das sind DDR-Markennamen für Kunststoffe, die aus Leuna (ebenfalls bei Halle) und Schkopau kamen, zwei der größten Chemiestandorte der DDR. Dieses Blog hat dem Werkstoff und seiner Weiterentwicklung ein Denkmal gesetzt.
Unsere Gastautorin Regina Wolter schuldet uns eigentlich immer noch einen Text über Wein, denn vor allem edles Gesöff ist Ihr Spezialgebiet. Ihr voriger Beitrag (siehe Rubrik ‚Berlin‘ handelte von einem Sommerwochenende in der Hauptstadt).


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