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Belgien: Frikandeln versus feine Küche

Wir waren in Belgien. Genauer gesagt in Pepinster. In der Hostellerie Lafarque. Dieses weit über die Grenzen Belgiens bekannte Hotel und Restaurant, das zur Relais&Chateaux-Kette gehört, ist berühmt für seine Sterneküche. Den einzigartigen Ruf verdankt es Michel Lafarque. Nach Aussagen von Szenekennern war der Meisterkoch im Begriff, für sein Restaurant den dritten Stern zu erobern. Doch dann verstarb der Maître vor einigen Jahren unerwartet früh. Und seine Frau Agnes heuerte nach seinem Tod Samuel Blanc an. Auch er ist ein begnadeter Virtuose am Herd.

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Doch das Erbe von Lafarque wiegt schwer und es will hart verdient sein. Die kritischen Tester vom Guide Michelin vergaben bisher an Blanc „nur“ einen Stern. Hätten wir an unserem Wochenende in Wallonien ein Publikums-Votum abgeben können:  Wir hätten uns schwer getan, Bestnoten zu vergeben.

Mein Essen war makellos – Details wie mit Hummer gefüllte Zucchini-Blüten und Kalbsbries will ich jetzt mal allen ersparen. Wir lassen Bilder sprechen und bemühen unser Vorstellungsvermögen, um den Duft der Delikatessen vor unserer geistigen Nase heraufzubeschwören:

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Nicht alle Gäste unserer Runde waren übrigens von ihrem Essen so begeistert wie ich. Zum Beispiel Claudia. Sie hatte an diesem kulinarischen Wochenende etwas Pech:


Link: sevenload.com

 

Aber das war nicht der eigentliche Haken an der Sache. In Empfang genommen hat uns um 19 vor 9 an einem Samstag abend mutmaßlich Agnes Lafarque. Jedenfalls war es eine zurückhaltende Dame mittleren Alters, die von da an als Erwiderung auf unsere Wünsche jeden zweiten Satz anfing mit Worten wie: „Da muss ich erst den Koch fragen, ob das geht“, „der Koch macht das nicht mehr um diese Uhrzeit“, „Menü gibt es nur bis 20 Uhr 30, sie können nur à la carte bestellen“ (wo bitte bleibt die Kulanz für die Verspätung von einem akademischen Viertelstündchen als Toleranzpuffer für Gäste mit weitem Anfahrtsweg?!)

Alles, was ich hier schreibe – und das betone ich ausdrücklich – beruht auf einer singulären Impression bei einem einzigen Besuch. Aber man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Koch an diesem Sommerabend mit halbvollem Restaurant entweder keine Lust hatte oder später noch ein unaufschiebbares Date (hoffen wir mal letzteres. Ein ausgeglichenes Liebesleben soll sich ja positiv auf die Berufsausübung auswirken). Selbst zur Bestellung eines Desserts wollte man uns drängen, bevor noch der erste Gang die Küche verließ.

Weiterer Minuspunkt: die Weinkarte. Es muss ja nicht eine dieser Bibeln sein, die einem für gewöhnlich in Etablissements der gehobenen Kategorie überreicht wird: Diese Art von Folianten, die einen schier niederdrückt, wenn man sie aufschlägt. Aber wenn die Karte – wie in diesem Fall – überschaubar ist, dann kann man erwarten, dass mehr als eine Flasche der angebotenen Sorte im Keller liegt. Mehrfach mussten wir umdisponieren, weil der von uns gewählte Wein nicht ausreichend verfügbar war. Der Sommelier wirkte verunsichert und nur mäßig kompetent.

Man kann Agnes Lafarque nur wünschen, dass der junge Küchenchef bei der Stange bleibt und ihr nicht zu sehr auf der Nase rumtanzt. Vielleicht ist aber auch sie diejenige, die im Umgang schwierig ist, wer weiß das schon?! Fest steht jedenfalls, dass die Chemie irgendwie nicht stimmte an diesem Abend - wahre Gastfreundschaft sieht anders aus.

Das Ambiente auf einem traumhaft gepflegten ländlichen Anwesen entschädigt allerdings für vieles. Grundstück und Umgebung sind unschlagbar schön. Der Speiseraum großzügig und hell.

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Wer sich fürs Golfen interessiert und in der Gegend ist, sollte unbedingt bei der Gelegenheit noch ein bisschen Golf im Royal Golf Club des Fagnes einplanen; einem Parkland-Course wie es sie sonst nur in Neuengland gibt. Eine traumhafte Terrasse und ein frisch gezapftes Bier rahmen die Runde stilvoll ein. Allein das Essen ist ziemlich bescheiden: Wieder war es meine Freundin Claudia, die einen kleinen kulinarischen Reinfall elegant überspielen musste. Die frittierten Überraschungs-Frikandeln auf ihrem Teller hat sie mit Grandezza und einem Grinsen verzehrt. Schließlich war es einer der wenigen Sonnentage in diesem ansonsten so verregneten Sommer. Tipp für Nichtgolfer: Wandern kann man auch ganz herrlich im Hohen Venn.

Posted on Sonntag, September 2, 2007 by Registered CommenterKatja Marjan in , , , , | Comments3 Comments

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Reader Comments (3)

Kalbsbries? Du isst Kalbsbries?????

September 3, 2007 | Unregistered CommenterThomas

Wieso!!!?????

Kalbsbries...ist reich an Kalium und Vitamin C sowie Purin.
Purin ist eine heterobicyclische aromatische organische Verbindung mit vier Stickstoffatomen. Purine sind neben Pyrimidinen wichtige Bausteine der Nukleinsäuren.

Klingt doch sehr gesund. Im Nestlé-Lebensmittel-Labor wird nix besseres erfunden!

mehr Infos:

http://de.wikipedia.org/wiki/Kalbsbries
http://de.wikipedia.org/wiki/Purin

September 3, 2007 | Unregistered CommenterKatja

Ähnliche gute Nährstoffwerte sollen auch Heuschrecken und Kakerlaken haben.

September 4, 2007 | Unregistered CommenterThomas

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