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Im Land des Khmer-Lächelns

Als Kind habe ich Comics geliebt. Ich habe sogar, laut meiner Mutter, mehr oder weniger mit Comics lesen gelernt. Einer meiner Favoriten war das “Phantom”, jener Herr im violetten, hautengen Trikot mit Schaftstiefeln und Zorro-Maske, der im Dschungel das Böse bekämpft. Später kam dann auch Rex Danny dazu, ein tollkühner US-Air-Force-Pilot im Korea- und Vietnam-Einsatz.

Vielleicht liegt es an diesen Comics, dass für mich Tempel im Dschungel der Ausbund des Exotischen sind, der große Reiz schlechthin, geht es um Reisen. Und vielleicht schwärme ich deshalb allen Freunden immer noch vor von jenem Stopover in Kambodscha, genauer gesagt in Siem Reap. Denn dort besichtigten wir das Schönste, was ich auf meinen Reisen bisher gesehen habe: die Tempelstadt Angkor.

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Einst war Angkor eine Macht in Südostasien, zwischen dem 9. und 14. Jahrhundert wurde von hier das Reich der Khmer regiert. Und das reichte zweitweise bis nach Südchina und Golf von Bengalen. In jener Zeit aber wechselten die Regierungschefs in flotter Reihenfolge, man lebte halt nicht so lang und intrigierte sich auch schon mal um’s Leben.

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Jeder neue Herrscher aber sah sich genötigt, als Zeichen seiner Macht einen neuen Tempel zu errichten. Und der hatte, bitteschön, natürlich prunkvoller zu sein, als der seines Vorgängers. Das Volk erfreute sich nur mäßig daran, schließlich wurden die Bauwerke in Tag- und Nachtschichten von eben selbigem errichtet. Das machte die Herrscher nicht unbedingt beliebter.

Und so entstand ein Götterberg, ein Götterberg aus des Menschen Hand. Über 100 Tempel und Stadtbauten gibt es, geschmückt mit meterlangen Fresken, die in allen Details eine Schlacht erzählen. Und immer lächlen die Khmer-Gesichter ihr Mona-Lisa-gleiches Lächeln, als machten sie sich darüber lustig, dass ihr Antlitz die Zeiten überdauert - das der Touristen aber dem Vergessen anheim fallen wird.

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Lange aber war auch Angkor vergessen. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckten die französischen Kolonialherren die Bauten, was zu einer regen Begeisterun in der archäologischen Gemeinde führte. Als 1907 die Gegend von Thailand, das mittlerweile die Herrschaft dort übernommen hatte, an Kambodscha abgegeben wurde, kamen die ersten Touristen, auch die Renovierung begann. Letzter aber war für die Katz, als die Khmer Rouge ihr Hassregime antraten. Noch heute sind gewisse Dschungelteile um die Tempel nicht zu betreten - Minengefahr.

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Heute aber ist Angkor der wichtigste Tourismus-Magnet für Kambodscha. Und während die Hauptstadt Phnom Pen noch immer touristisch schwierig ist, bietet Siem Reap alles, was man von Ländern wie Thailand gewöhnt ist. Zum Beispiel sehr schöne, angenehme Hotels wie das “La Résidence d’Angkor”, in dessen Zimmer wir die gigantischste Badewanne unserer bisherigen Reisen vorfanden. Und sonst? Idyllische Ruhe, ein herrlicher Pool, freundlichstes Personal.

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Oder aber Restaurants wie das des “Bopha Angkor Hotels”: für kambodschanische Verhältnisse ein teurer Laden, denn hier kostet das Essen mehr als einen US-Dollar. So fünf bis acht, vielleicht. Anschließend aber liebt man die kambodschanische Küche - ein unentdecktes Juwel.

Ansonsten kostet aber alles einen Dollar. Egal ob die Gabe an den Bettler oder ein Mittagessen oder eine Ananas auf die Hand. Kambodschanisches Geld sollte man als Tourist besser nicht eintauschen - die Einheimischen bevorzugen die stabileren Devisen aus dem Land der Träume. Auch Kugelschreiber und Notizblöcke sollte man bei sich tragen. Denn immer wieder möchten einem Kinder Postkarten oder Souvenirs verkaufen (natürlich für einen Dollar). Der Rat des “Lonely Planet” - ohnehin nach unserer Meinung der beste Reiseführer für Asien-Tripps - ist richtig: Dem Kind lieber eine Kuli schenken, den kann es für die Schule brauchen. Der Schulbesuch ist in Kambodsch übrigens rege. Und wenn man ihm dann auf einem Blatt Papier ein deutsches oder englisches Wort beibringt herrscht  mehr Freude, als über den Verkauf einer Postkarte, deren Erlös ohnehin den Eltern zu Gute kommt. Ganz nebenbei: Der ständige Kontakt mit Touristen sorgt dafür, dass die Kinder von Siem Reap für ihr junges Alter verdammt gut Englisch sprechen.

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 Mehr als einen Dollar kostet der Besuch der Tempel. Der Eintritt in den Park kostet zwischen 20 Dollar für die Tageskarte und 60 Dollar für die Woche. Die Wege sind weit, weshalb es sich empfiehlt, sich entweder ein Rad zu leihen, oder einen der Trisha-Fahrer (das sind dreirädrige Fahrrad-Rikschas) zu engagieren.

Viel Zeit mitzubringen, ist auch eine gute Idee. Denn ganz wird man den Touri-Massen nicht entgehen können. Und ist es an einem der großen Tempel sehr voll, wartet man halt oder fährt zum nächsten. Und dann wird geklettert, weshalb die Damen mal die hohen Hacken, besser: jedwede Hacken, daheim lassen. Die Tempel sind nämlich dazugedacht, sie zu ersteigen. Das ist steil und anstrengend, die Gläubigen sollten schließlich die Macht der Götter auch durch körperliche Ertüchtigung kennenlernen. Belohnt wird man durch wunderbare Ausblicke oder ein Gespräch mit Mönchen, die hier ihr Englisch trainieren.

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Am Ende eines schweißnassen Tages treffen sich dann viele der Angereisten auf dem Hügel des Phnom Bakheng zum Sonnenuntergang. Der ist auch wirklich schön. Noch betrachtenswerter aber sind die Touristenhorden, die wie ein Rudel Affen auf das Niedergehen des Sonnenballs wartet. Fehlt nur noch, dass einer klatscht, weils so schön ist.

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Mindestens anderthalb Tage sollte man einplanen für Siem Reap. Drei, vier Tage sollten aber auch nicht langweilig werden. Dank des ausgebauten Flughafens sind vor allem Stopovers auf dem Weg nach Vietnam, Thailand oder jedes anders südostasiatische Ziel kein Problem.

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“Na gut”, hat mal ein Bekannter gesagt, “das ist ja schon ganz hübsch, dieses Angkor. Aber guck Dir Rom an: Noch viel früher erbaut - und viel aufwändiger.” Stimmt. Aber andererseits: Wer ist schon Asterix, verglichen mit dem Phantom? 

 


Link: sevenload.com

Posted on Montag, August 6, 2007 by Registered CommenterThomas Knüwer in , , | Comments1 Comment

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Reader Comments (1)

Phantom war auch mein "Held" als Kind, Siem Reap hat offenbar das Potenzial, einen gewissen Fanstatus erneut in unserer generation zu erlangen. Klingt spannend und ist schön geschrieben. Weiter so! Ingo

August 7, 2007 | Unregistered CommenterIngo Marjan

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