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"Fillet of Soul", Hamburg: Rockende Hengste

So sind sie also die “jungen Wilden” von Hamburg. Stehen hinter einer brusthohen Theke im Neonlicht und schnippeln, braten, wirbeln. Einer trägt Schiebermütze, der andere ein blaues T-Shirt “Stallion”, Hengst, steht auf dem Rücken.  Anderswo malen junge Wilde, skulpturieren oder demonstrieren, in Hamburg bevorzugen sie anscheinend das Kochen. Schließlich kommt auch Tim Mälzer von hier, der Küchenbulle, auch mehr oder weniger jung, auch wild, zumindest in seinen chaotischen Kochshows.

In eben jener Kategorie, “Junge Wilde”, des Gastroführers “Szene Hamburg” hat das “Fillet of Soul” den ersten Rang belegt. Und nach jungen Wilden war uns gerade, waren doch unsere ersten Gastroerlebnisse in der Hansestadt, über die noch zu berichten sein wird,  eher konservativ. Patrick Gebhard und Florian Pabst also heißen die wilden Jungen des “Fillet of Soul” und haben sich in der Küche des “Vier Jahreszeiten” kennengelernt, so berichten die einschlägigen Magazine.

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Das “Fillet of Soul”  liegt nicht, wie uns “Szene Hamburg” Glauben machen wollte, in St. Georg. Auch nicht in der Nähe der Deichtorhallen, wie die Adresse Deichtorstraße denken lässt - sondern in den Deichtorhallen. Es ist sozusagen das Museums-Café. Und von außen sieht es zwar cool aus - aber auch wenig einladend. Orange-braun die Wände, lila Riesen-Ufos hängen an der Decke, die Küche ist offen.

Kaum jedoch ist der Gast drinnen, wird es herzlich. Die wilden Köche grüßen fröhlich, ein wenig wirken sie wie entfettete Brüder des Küchenbullen. Wer das Duo beobachtet, merkt schnell: Die haben einen saumäßigen Spaß an der Arbeit, obwohl ihre Arbeit verdammt harte Arbeit ist.

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Auch die Dame vom Service ist bester Laune, so fröhlich wurden wir lang nicht mehr bedient. Da macht schon das Hinsetzen an den uniform hölzernen Stuhl-Tisch-Kombination Spaß. Die Karte ist überschaubar und kann auf einer Tafel über der Küchendurchreiche schon besichtigt werden, bevor die Papierversion gereicht wird: Vier Vorspeisen, ein Zwischengericht, vier Hauptspeisen, drei Desserts - das war’s. Doch schon die klingen so spannend, dass wir die Möglichkeit des Überraschungsmenüs - wahlweise in drei oder vier Gängen - außen vor lassen: Es kann kaum noch spannender werden als das, was wir auf der Karte lesen. Schweren Herzens lassen die Herren auch vom 350-Gramm-(kein Scherz)-Ochsenkotelett, dessen Verzehr würde die Möglichkeit anderer Gänge ausschließen. Denn das Monster wird auch noch mit dicken Fritten sowie Sauce Béarnaise serviert und dürfte eine fünfköpfige Schwellenlandfamilie kalorientechnisch eine Woche über Wasser halten.

Der Gruß aus der Küche verheißt einen leckeren Abend: Rote-Beete-Suppe mit Meerettich und Nordseekraben - sauberer Anfang. Danach folgt eine positive Version von Fusion-Küche: modern und variiert, aber trotzdem noch echte Gerichte von angenehmer Unüberdrehtheit. Zum Beispiel geflemmtes RiFi, was für Rinderfillet steht, mit getrüffelten weißen Bohnen. Oder ein perfekt angeschärfter Thai-Salat mit Mango und einem Cocos-Garnelen-Spieß. Ich begeisterte mich an wunderbaren Ricotta-Gnocci mit Pfirsich. weißem Pfeffer und Parma-Schinken.

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Unsere Herzen waren danach schon zu einem gehörigen Teil gewonnen. Auch wegen des interessanten Weins, einem deutschen Spätburgunder, der wie ein Weißwein gekeltert wird. Anschließend folgte eine Flasche eines unserer liebsten Roten, dem “Blackprint” aus dem Hause Schneider. Zum Essen unterhalb eines Pfeffersteaks ist er aber eigentlich nicht zu gebrauchen, wir ließen uns da ein wenig verleiten.

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Auch bei den Hauptspeisen sorgten die Hengste in der Küche für lautes Begeisterungswiehern an unserem Tisch. Seelachs mit Krabben und der viel zu selten in der gehobenen Gastronomie geehrten Schmorgurke - wunderbar hamburgisch. Für das mediterrane im Gast gibt es gebratene Dorade mit geschmolzenen Strauchtomaten und Spinat-Ziegenkäse-Polente. Und dann dieses Lamm! Perfekt und rosa und mit einem Orangen-Minz-Pesto, das durch den Mund fegt wie eine steife Hafenbrise an einem überhitzten Sommertag (zumindest so weit wir uns erinnern im Somminter 2007).

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Da geht noch was - zumindest bei zweien von uns. Als Dessert gönnen wir uns den herrlich crossen Key-Lime-Pie mit Himbeeren und Joghurt Eis. Und natürlich das gar nicht in die Grütze gegangene Schokoladen-Malheur, ein warmer Kuchen, der mit Cookie-Eis und lauwarmen Espresso-Pflaumen gereicht wird.

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Am Ende sind wir die letzten Gäste, weil wir uns gar nicht lösen wollen. Denn nicht einmal die Rechnung verdirbt hier die Laune: 21 Euro für ein Hauptgericht sind bei der Qualität absolut angemessen, verglichen mit manchem Lokal in Düsseldorf sogar ein guter Kurs.

Die Küchenhengste sitzen derweil schon erschöpft am Tisch und verabschieden uns mit breitem Lächeln. Und wir sind uns einig: Das “Fillet of Soul” hat nicht nur Soul - das rockt. Gewaltig.

Das finale Videowort hat diesmal Kommunikationsberaterin Tina Mentner:


Link: sevenload.com

Fillet of Soul “Inhaber
Deichtorstraße 2
20095 Hamburg 

Die jungen Wilden des “Fillet of Soul” haben auch ein paar Rezepte für das sehr schöne Hamburger Kochbuch “Butter bei die Fische” bereit gestellt. Bestellen kann man es hier:

Posted on Montag, August 27, 2007 by Registered CommenterThomas Knüwer in , | CommentsPost a Comment

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