Hotel Döllnsee: Wo einst Göring jagte
Dieser Ort.
Hat was.
Das Haus des Leibjägers von Göring.
Geschenkt 1934.
Später dann das Gästehaus für Carin Hall, Görings Jagdschloss und Kunstsammlung, dass knapp sechs Kilometer von hier lag – mitten im Wald, am Ufer des Wuckersees, etwas südlich vom Döllnsee und dem Gästehaus.

Heute sind von Carin Hall nur noch die wuchtigen Eingangsportale zu sehen, am Ende einer kleinen Waldallee. Zwei hübsche Bauernhäuser gibt es dort, idyllisch die roten Ziegel, die verwachsenen Gärten, die roten Stockrosen, die in Brandenburg so häufig sind. Sonst ist da nichts mehr.
Doch das ehemalige Gästehaus lebt. Als Hotel. Hotel Döllnsee-Schorfheide.
Typische 30er-Jahre-Form mit Walmdach, hellrosa getüncht, durch eine schwere Eichentür tritt man ein, eine bronzene Widderstatue begrüßt den Gast. Rechts und links des Haupthauses hässliche Neubauten: Hotelzimmer, Tagungsräume, Schwimmbad. Ein paar Meter davor sogar alte DDR-Baracken samt zweistöckigem Gästehaus, frisch gestrichen zwar, aber voll mit dem Un-Charme des Sozialismus. Nichts passt zusammen. 
Und doch: Die verschlungenen Wege des großzügigen Park um das Ensemble führen unter alten, hohen Bäumen direkt zum See. Der reisst alles wieder ’raus. Alles. Umstanden von Schilf und Wald, ohne Zugang (lediglich das Hotel hat einen drei Meter breiten Sandstreifen angelegt – und zwei Blockhäuser, eins als Badehaus, das andere als Bootshaus).

Hier nisten nur Wasservögel und eine Schwanfamilie. Ein paar Angler suchen den See auf. Ab und an mieten ein paar Hotelgäste ein Boot, um die ganze Länge des Sees abzupaddeln. That’s it. Idylle pur. Wie entspannend Grün sein kann.
Das werden die Jagdgesellschaften von Göring auch gedacht haben. Ich kann sie hören, die Menschen, die früher hier im Wohnzimmer des Gästehauses – heute das Restaurant - saßen. Die verschnörkelten Wandlämpchen mit den hellgelben Schirmchen lassen es ahnen: Hier standen üppige Sofas aus grau-grünem Samt, dunkle Holztische, aus Eiche natürlich, einer niedrig vor den Sofas und den Sesseln. Eine große Tafel mit passenden Stühlen, hochlehnig mit geflochtenen Sitzen. Ein Büffet mit Glasaufsatz, voll mit bunten Römern. Darin eine Bar: Whisky, Cognac, Williams, Eierlikör. Kristallene Aschenbecher auf den Tischen. In Kristallvasen blaue Lilien. Hier sammeln sich Görings Vertraute. Politiker, Wehrmacht. Ein paar ehemalige Schauspieler-Freunde seiner Frau. Lassen sich in die schweren Sofas sinken und fühlen sich einen Moment lang zu Hause während in der Welt der Krieg tobt.
Der See ist ganz still. Doch, sobald Wind kommt, wird er heftig. Ungehalten. Wellt sich. Wird grau und sogar tückisch. Treibt die Schwimmer ab und lässt die Boote im Kreis tanzen.
Hier gibt es nur Ruhe. Die heutige Straße, die am See vorbei führt, gibt es schon, ist aber kaum befahren. Vögel singen, ein Kuckuck – wie lange leben Kuckucke eigentlich? – ruft. Die Schwanfamilie zieht über den See, der kein Ufer hat. Das Schilf raschelt im Wind.

Zum Bootshaus gehen sie alle, egal ob Militär oder Freundinnen. So stelle ich es mir jedenfalls vor. So wie heute alle dort hingehen, egal ob Tagungsteilnehmer, Tagesausflügler oder Hotelgäste. Das hölzerne Blockhaus wirkt gemütlich. Einsam, so allein am See. Auf den Liegestühlen der kleinen Terrasse läst sich der Tag verdösen – unter dem einschläfernden Rauschen des Schilfes, dem sanftem Geräusch der alten Bäume. Nie mehr woanders sein. Hier den Frieden finden.
Hotel Döllnsee-Schorfheide
OT Groß Dölln, Döllnkrug 2
17268 Templin
Unsere Gastkrikerin Andrea Kurtz arbeitet als Korrespondentin für das Fachmagazin “Lebensmittel Praxis” in Berlin. Für Gotorio sprach sie schon die Videokritik zum “Pan Asia”.
Und hier noch ein Blick von oben:
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