Frankfurt: Edel, edel, die Villa Kennedy
Frankfurt ist reich. Allerdings nicht reich an guten Hotels. Schon gar nicht an Hotels mit Chic, Stil und eigener Note. Wer im Frankfurter Arabella Sheraton Grand abgestiegen ist, weiß, was ich meine. Man muss es sich mal vorstellen: Lange Zeit galt das Hilton Frankfurt als erste Adresse neben dem Frankfurter Hof von Steigenberger. Ein Hilton als erste Adresse? Das ist nicht erst seit “Päris” peinlich. In diesem Fall für die Stadt.

Aber seit Mitte 2006 gibt es die Villa Kennedy. Und das lässt hoffen.
Ein Haus, das zur Rocco Forte-Gruppe gehört und auch gleich in den Verbund der “Leading Hotels of the World” aufgenommen wurde. Zu Recht, wie ich nach einem Besuch deutlich sagen möchte. Nein, es waren gleich zwei Besuche in nur wenigen Tagen, so gut hat es mir beim ersten Mal gefallen.

Aufwändig renoviert, für angeblich 72 Millionen Euro, ist ein Palais im historischen Stil des späten 19. Jahrhunderts entstanden. Die 163 Zimmer lassen sich nur erahnen. Alles wirkt sehr privat. An der Rezeption: Perfektion pur. Freundlich, der Checkin läuft reibungslos. Beim ersten Besuch: Ein Upgrade um drei Kategorien, auf eine Classic Suite. Da lässt sich ein 5-Sterne-Hotel nicht lumpen, auch wenn solcherlei Generositäten in buchungsarmen Sommerzeiten natürlich leichter fallen. Der Gast freut sich. Riesig sogar. Blick auf den stilvollen, ruhigen Innenhof, in dem man im Sommer auch frühstücken, lunchen, dinnern kann. Klasse.

Die Zimmer sind äußerst geräumig, selbst die kleineren. Geschmackvoll eingerichtet, Kunst an den Wänden, riesige Badezimmer, alles “gehobene Ausstattung”, egal wo man hinblickt. Es dringt kein Ton von außen nach innen. Und wer ein Zimmer in der vierten Etage ergattert, kann sogar die Skyline von Mainhatten erblicken, die rund 15 Gehminuten entfernt liegt. Bademantel. Wasser am Bett. Mehrere Telefone. Flatscreen(s). Frische Blumen. Früchtekorb zur Begrüßung. Hier will man gar nicht wieder weg.
Einzig manche Gäste stören. Für meinen Geschmack fahren ein paar CEOs, Banker und Investoren zu viel vor. Oder besser: Lassen sich vorfahren. Aber das ist nur während der Woche so. Am Wochenende ist es entspannter. Interessante Tischgespräche beim Frühstück sind garantiert: Da ringen Alphatiere um ihre Positionen – und norden das Gegenüber schon mal gerne ein, wenn es zu vorwitzig wird, natürlich in aller Freundlichkeit. Der ideale Ort, wenn man mal recherchieren will, wie es in konservativen Entscheiderkreisen immer noch zugeht. Ach ja: Das Frühstücksbüffet ist exzellent und kostet die mittlerweile fast schon üblichen 26 Euro pro Person. À la carte geht aber auch.
Der zweite Besuch dann mit Familie. Diesmal ein Upgrade nur um eine Kategorie. Schade. Classic Suite wäre jetzt viel praktischer gewesen, wegen der kleinen Tochter. Macht aber nichts, schnell einen Aufschlag ausgehandelt – und dann doch die Suite genommen. Das kleine Kinderbett war innerhalb von Minuten im Zimmer, so wie auch die üblichen Begrüßungsannehmlichkeiten – und eine warme Milch für die Kleine. Aufmerksam!
Dinner im Innenhof: Hervorragend. So eine Stille, mitten in der Stadt. Küche ganz ordentlich, wenn auch nicht sterneverdächtig. Aber das Ambiente stimmt einfach. Es plätschern Springbrunnen, während der Wein eingeschenkt wird. Urlaubsstimmung kommt auf. Und das ist nicht verkehrt. Weil wir eine spezielle Rate von American Express gebucht haben, ist das Frühstück kostenlos. Und eine 50-minütige “Surrender Massage”. Die verabreicht mit Christian in der überaus schicken, ebenfalls geschmackvollen und wirklich empfehlenswerten Spa im Keller. Christian massiert wie ein Weltmeister. Allein das war die Reise wert. Leider gingen diese zwei Nächte in der Villa Kennedy viel zu schnell vorbei. Aber es werden nicht die letzten sein.
Ach ja: Die Preise. Gepfeffert, zumindest für deutsche Verhältnisse. Ab 260 Euro die Nacht gibt es Zimmer. Suiten ab 370 Euro. Wenn man rechtzeitig bucht. Die Rack Rates sind deutlich höher. Aber was soll ich sagen: Ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis.
Villa Kennedy
Kennedyallee 70
60596 Frankfurt
Germany
Tel: +49 69 7171 20
Fax: +49 69 7171 224 30
reservations.villakennedy@roccofortecollection.com
Gastautor Jörg Schieb beschäftigt sich beruflich ganz viel mit Computern. Privat reist er gern und - seit er Vater ist - nicht mehr ganz so viel. Er mag Designhotels mit dem gewissen Etwas - mit gutem Service, viel Ruhe und wenig Angebern.


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