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Die Macht der Wein-Marke

Erst seit wir mit unserer kleinen Veranstaltung hier begonnen haben, bemerke ich, wieviele Wein-Blogs es gibt. Das könnte ein ganz schlichte Erklärung haben: Weinliebhaber und Blogger ernten manchmal die gleiche Reaktion, üben sie ihr Hobby aus oder erzählen sie davon: Mancher glaubt, sie hätten leicht einen an der Schacke.

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 Während es bei den Bloggern das Unverständnis darüber ist, dass da jemand seine Meinung, sein Leben, seiner Erlebnisse öffentlich macht, ist es beim Wein das mitleidige Lächeln, schnuppert man am Glas, lässt man den Schluck im Mund wirken, wirft dann vielleicht noch das seit Loriot berüchtigte Wort “Abgang” ein.

In beiden Fällen haben auch die Schuld am schlechten Image, die sich versuchen, an die Hobbys anzuhängen und billig zu profitieren. Das sind jene platten Krawallblogger auf der einen Seite und Möchtegern-Sommeliers auf der anderen.  Die also, die hier einen Hauch Himbeere entdecken, dort einen Anklang von Rauch, sich sicher sind, dass dieser Tropfen ein 2004er Nord-Süd-Steilhang-viel-zu-spät-Lese ist - und all das mit sorgsam gewählter Stimme der Runde unüberhörbar verkünden.

Gern würde ich mit solchen Leuten das Spielchen veranstalten, das einer Studie der Cornell University zu Grunde liegt (gefunden bei Vinography).  Sie gaben Gästen eines Restaurants ein Glas aus und platzierten die Flasche dazu auf dem Tisch. Das Etikett war gleich, immer war es angeblich ein “Noah’s Wine” - nur einmal kam er angeblich aus Kalifornien, das andere mal aus North Dakota.

Ergebnis: Wer glaubte, sein Wein komme aus dem klassischen Anbaugebiet Kalifornien, der beurteilte nicht nur den Wein besser - sondern auch das Essen. Es sind eben auch äußere Einflüsse, die unsere Weinbeurteilung beeinflussen. Ein schönes Etikett, zum Beispiel. Oder die Gesellschaft. Und natürlich unsere Laune. Wer sich gestresst den ganzen Tag auf ein entspannendes Glas Roten freut, der wird auch mit weniger zufrieden sein, als jemand, der mit dem stressigen Kunden beim Business-Mahl im Drei-Sterne-Restaurant sitzt.

Umso wichtiger wird da ein guter Sommelier. Ich behaupte: Kündigt er freundlich und mit wohligen Worten, vielleicht noch mit einer Anekdote versehen, einen Wein an, beeinflusst er auch die spätere Beurteilung durch die Gäste.

Beispiel gefällig? Wir besuchten vor einiger Zeit das Restaurant “Dieter Müller” Restaurant im Schloss Lerbach. Das Essen - göttlich. Unerwartet in dieser natürlich dreisternig-steifen Atmosphäre aber fiel der entspannte und doch extrem fähige Service auf. Vor allem der Sommelier. Nach dem üblichen Abfragen der Vorlieben, bot er uns eine Wette an: “Ich mache einen Rotwein auf, sie probieren ihn. Sollte er ihnen nicht schmecken, nehme ich ihn zurück und trinke ihn allein. Wenn er ihnen aber schmeckt, frage ich Sie nach dem Essen, aus welchem Land er kommt. Wenn Sie das erraten, geht er auf mich.”

Eine herrliche Idee, die er vielleicht nicht bei älteren Gästen gewagt hätte. Bei uns aber sorgte sie für Gesprächsstoff der den Rest des Abens reichte. Natürlich lagen wir am Ende falsch: Wer kommt auch auf Griechenland? Es war der “Trilogia” vom Weingut Kokkalis.

Posted on Sonntag, August 12, 2007 by Registered CommenterThomas Knüwer in | Comments1 Comment

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Reader Comments (1)

Mich schreckt ja sowas, wie das klassische Weinanbaugebiet Kalifornien eher ab. Aber es erinnert mich an die Geschichte, in einem kleinen Kaff in Neuengland, in einem Weinladen gewesen zu sein: Vorzügliche Weine aus der ganzen Welt (viel europäische Weine) - äh, wir würden gerne dann doch aus den USA einen Wein haben und er hat nach einer lang und breiten Ausführung, warum die Kalifornier nichts taugen, einen Wein aus Wahington State empfohlen: ein Traum!

Und irgendwann erzähl ich noch die Geschichte, wie ein Sommelier in Heringsdorf(!) mich auf einen Frankenwein (!) brachte, der der Hit des Sommers in meinem Münchner Freundeskreis wurde...

August 12, 2007 | Unregistered CommenterFrau B.

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