« Sehnsuchtsorte - oder: L'Hora Blu in Ravello | Main | Berliner Luft im Kohlenkeller »

Algarve oder: Golfers Heaven

Ist Portugal nicht einfach wunderschön? Besonders die Algarve-Küste?

Algarve.jpg

 

 

 

 

 

 

 

Oder haben die Portugiesen nicht vielmehr nichts, aber auch gar nichts! aus den Fehlern ihres nächsten Nachbarn gelernt? Seit Jahrzehnten pflastern sie besonders die Region am Atlantik unablässig mit derselben stumpfen Intensität zu, wie die Spanier es ihnen falsch vorgemacht haben. Die Hotel- und Apartmentanlagen heißen zwar in allen Preisklassen ‚Resorts’, was sich hochwertiger anhört und sich (so die Hoffnung) teurer vermarkten lässt, aber schöner wird’s dadurch nicht.

AlgarveKrne.jpg

16 Jahre liegen zwischen meinem aktuellen Besuch und meinem letzten Aufenthalt in der Gegend rund um Faro. Schon damals war die wunderschöne Natur von Immobilienspekulanten und Bauträgern ohne Gewissen und Geschmack mit Füßen getreten worden.

Umso wütender macht es mich, wenn ein Touristenleitfaden wie der ‚Dumont direkt’ versucht, alles schönzureden; beispielsweise den Ort Albufeira in die Liste der ‚12 Highlights’ aufnimmt und in eine Reiseführerprosa verfällt, wie sie dümmer nicht sein könnte.

Kleines Lesebeispiel: „Weiß getünchte Häuser mit maurischen Kaminen ziehen sich terrassenförmig über die Felsen zum Meer hinunter, dazwischen steile Gassen. Das ehemalige Fischerörtchen … hat sich seinen Charme bewahren können, Betonfassaden sieht man nur in den neuen Ortsteilen.“

Ich würde hingegen sagen: Die Stadt ist gewuchert wie ein Krebsgeschwür, der Charme ist endgültig futsch. Wer sich die Tortur antut und die Gassen hinunter zum Meer geht, kann vor lauter grauenvoll schlecht gekleideten Menschen und zwischen häßlichen Souvenirshops - in denen im übrigen so geschmackvolle Dinge angeboten werden, wie Handtücher mit irgendwelchen Tittenbildern - die Häuser sowieso nicht mehr erkennen. Alle zwei Meter quatscht einen irgendein schmieriger Kellner oder Butterfahrtendrücker an, ob man nicht dieses oder jenes Touristikmenü essen oder diesen oder jenen Ausflug mitmachen möchte.

Ich habe in der Masse von Lokalen nicht eines entdeckt, wo ich auch nur für eine Minute hätte Platz nehmen wollen. Am Schlimmsten wird es, wenn man den Tunnel zur Ufer-Promenade durchquert, der nach Urin und Erbrochenem riecht. Das schöne Meer ist eingerahmt von schlechten Strandrestaurants in denen die Bedienungen als Uniform eine Art Putzkittel tragen und der Helicobacter pylori garantiert ein dauerhaftes zu Hause gefunden hat.

Von einer Marke wie Dumont, die für sich in Anspruch nimmt, sich an Bildungsbürger zu wenden, kann ich etwas anderes erwarten - auch beim Kauf eines preiswerten Basisprodukts.

Doch nun zu den schönen Seiten: Der beste aller Ehemänner hat die Bausünden geflissentlich und wohlwollend übersehen; ist er doch ein begeisterter Golfer und der Sommer - die golferische Nebensaison an der Algarve – ein echter Geheimtipp. Denn die Green-Fees liegen zum Teil bis zu 50 Prozent unter den Hochsaisonpreisen. Eine Runde auf dem Platz Vilamoura Old Course, so tiptop gepflegt, dass man fast auf die Idee kommen könnte, der Platzwart bearbeite die Grüns heimlich nachts mit der Nagelschere, kostet zum übers Hotel gebuchten Sondertarif 80 Euro. Ein echtes Schnäppchen, wie mir mein Gatte versicherte, der wie auf Wolken über die wie Samtteppiche hingegossenen Fairways wandelte.

Vilamoura.jpg

Noch billiger wird’s für die, die den Pine Cliffs Course spielen wollen; der hat nur 9 Löcher, dafür sind sie allesamt spektakulär. Zur Zeit werden am Flughafen Gutscheine für eine kostenlose Runde verteilt.

Aufpassen muss allerdings, wer ein Golf-Package bucht: Manchmal mischen die Veranstalter Plätze darunter, die aus gutem Grund nicht gut besucht sind, so wie der Vilamoura Laguna. Sterbenslangweilig und schlechtgepflegt, hässliche Umgebung.

Wer es sich leisten will, diese Art von Urlaub mag und innerhalb einer Ferienanlage keinen Lagerkoller bekommt, der fährt in eines der 5-Sterne-Hotels wie dem “Sofitel Thalassa Vilalara” oder dem “Vila Vita Parc” und geht damit den Bausünden der Umgebung weitgehend aus dem Weg. „Das Vila Vita“, sagt Roberto, der vergnügt mit einem Shuttle-Bus durch die Gegend kurvt, „ist wie eine Oase in der Wüste“.

Essenstipp: Frischer Fisch direkt aus dem Meer im Strandrestaurant Arte Nautica direkt am Meer in Armacao de Peira. Telefon: 282 314 875

Posted on Montag, Juli 9, 2007 by Registered CommenterKatja Marjan in , , , | Comments2 Comments

PrintView Printer Friendly Version

Reader Comments (2)

Da fehlt mir noch Penha Longa in den sich mein Sohn und ich eingeschlichen haben (wir mussten damals ein für unsere Verhältnisse zu positives Handycap nachweisen, was offensichtlich auch andere so gehalten haben, denn der Flight vor uns konnte herrliche Tricks mit den Abschlägen und den Bäumen am ersten Tee). Ist ganz in der Nähe von Sintra und wie wir auf der Rückfahrt festgestellt haben, sogar mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Lissabon aus zu erreichen, wenn es einem nichts ausmacht in der U-Bahn und im Zug mit dem Golfbag zu fahren.

Oktober 28, 2007 | Unregistered CommenterHorKar

Da es ja hier auch ein wenig um Golf geht, kann ich als Ausgangspunkt für Golfer Abano Terme in Italien empfehlen. Gemessen an den o. g. 80 € sind die dort üblichen circa € 65 wirklich wahre Schnäppchen (und ich dachte schon, es wäre Nepp!). Und da fast alle Hotels dort absolut optimal ausgestattete Bade- oder wie man heute sagt, Wellnessbereiche mit Thermalwasser, Massagen, Hallen- und Außenschwimmbädern haben, können auch die strapazierten Glieder schnell entspannt werden.
Wer zum Beispiel mal ein Clubhaus sehen will, so ein richtiges, wie sich das Klein-Fritzchen vorstellt, der sollte mal den Golfplatz Golfclub di Padova besuchen (Galzignano Terme).
Auch für das eventuell nötige Damenprogramm ist dort gesorgt, denn der ist direkt bei Valsanzibio einem tollen, alten ich glaube Renaissance-) Park . Ich war noch nicht drin, denn entweder habe ich Golf gespielt oder ich hatte meinen Hund dabei und Hunde dürfen leider nicht in den Park (wie leider so oft in Italien).
Rund um Abano sind noch Golfclub Frassanelle, Montecchia, Alberoni (an der Lagune von Venedig Richtung Chioggia) und natürlich der Golfclub auf der Lido-Insel. Das sind noch lange nicht alle, sondern nur die, die mir einfallen.

Oktober 28, 2007 | Unregistered CommenterHorKar

PostPost a New Comment

Enter your information below to add a new comment.

My response is on my own website »
Author Email (optional):
Author URL (optional):
Post:
 
Some HTML allowed: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <code> <em> <i> <strike> <strong>