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"Lido", Düsseldorf: Esser dieser Welt, füllt diesen Laden!

Eigentlich kann ein Restaurant-Besuch, der so beginnt nicht gut enden. “Ich schau mal, was ich für Sie tun kann”, sagt die Bedienung in ihren Computer schauend. Und dies ist einer der peinlichsten Momente für jedes gastronomische Etablissement, wenn sich hinter dem Rücken des angeblich freie Tische suchenden Bedienungspersonals eine weite Fläche Leere auftut, ein Meer aus gedeckten und auf Gäste wartenden Tischen - und das an einem Freitag um 20.30, der feinsten Essensausgehzeit. In solchen Momenten tut einem der Gastronom leid, furchtbar leid, weil er versucht zu simulieren, dass es ihm gut geht. Er ist wie der letzte Mann im von Indianern umlagerten Fort, der Pläne für den nächsten Urlaub schmiedet, eine traurige Figur aus einem Woody-Allen-Film.

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So also begann unser Freitag Abend im “Lido” im Düsseldorfer Hafen, gerade einmal drei von sehr, sehr vielen Tischen waren besetzt.

Kann so etwas noch gut enden? Und wie. Denn mit dem, was folgte, kochte und servierte sich das “Lido” so sehr unsere Herzen, dass wir es in die Liste der besten Düsseldorfer Restaurants aufnehmen würden, so wie jemals eine solche erstellen.

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Das “Lido”  ist beheimatet im zentralen Pfeiler einer ultramodernen Fußgängerbrücke, die zwei der Hafenzungen verbindet. Im vergangenen Sommer noch pilgerten hier die Massen entlang, doch damals lag am Ende dieser Brücke auch noch der Stadtstrand “Monkey’s Island”, in diesem Jahr ist dort nur eine ungepflegte Erdansammlung - das entspricht halt eher dem Geschmack des Düsseldorfer Diktators Alleinherrschers Despoten Monogarchen Bürgermeisters Joachim Erwin.

Das “Lido” also hat seinen Sitz in einem Betonpfeiler mit Rundumglas-Aufsatz. Das sieht von außen nur mittelmäßig einladend aus, von innen aber gibt es traumhafte Blicke über die moderne Architektur des Hafens - bei Sonnenuntergang ein perfekter Ort für romantische Essensangelegenheiten.

27072007213.jpg Außerdem gibt es eine Terrasse knapp über Wasserhöhe, die bei warmem Wetter (also mutmaßlich im Frühjahr 2008 wieder) ein sehr schöner Ort sein muss. Allerdings berichteten vereinzelte Gäste uns auch von modrigen Ausdünstungen des Rheins bei großer Hitze.

Neu ist dieser Gastronomieort übrigens nicht. Es sieht bereits, nach meinem Wissen, den zweiten Betreiber. Der erste befleißigte sich einer Speisekarte, die so ungewöhnlich langweilig klang, dass sie uns nicht zum Besuch reizte. Das hat sich  geändert. Nach mediterranem Einschlag in der Startzeit regiert nun das Französische mit drei Richtungen: “les classiques”, “les modernes” und “les fruits de mer” unterscheidet die Karte.

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Schon der Gruß aus der Küche kündete von guten Dingen: eine kalte Kartoffel-Kresse-Suppe im kleinen (und deshalb schwer zu leerenden) Glas - nicht übel. Wir ließen ein halbes Dutzend Austern folgen, die als Zugabe mit ein paar Garnelen garniert wurden. Ob dies pure Freundlichkeit war oder an der geringen Zahl der Gäste lag, wissen wir nicht, haben uns aber sehr gefreut. Ebenso über die äußerst frisch schmeckenden Fin de Claires.

Als weitere Vorspeise erfreuten uns Crostini mit Pulpo und Blutwurst. Klingt abgefahren? Ist abgefahren. Und saulecker, weil die leichte Süße der Wurst ganz wunderbar vom Tintenfisch umarmt wird.

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Zu diesem Zeitpunkt haben wir auch längst das merkwürdige Verhalten der uns empfangenden Dame zu Beginn verziehen. Ihre Kollegin erwies sich als äußerst freundlich, gut gelaunt und zuvorkommend ohne aufdringlich zu sein. Dass ihre Empfehlung der offenen Weine nicht nur zum Essen passte, sondern sie auch erklärte, warum welcher Wein besser passen könte, ist schon eine schöne - und in Deutschland selten gemachte - Erfahrung. Dass wir die Weine aber auch probieren durften, setzt das “Lido” von den meisten Restaurants in Düsseldorf ab.

Die Hauptspeise war einerseits ein französisch angehauchter Sauerbraten, der nicht mürbe war wie sein deutscher Urvater, sondern butterzartimmundzergehend. Und dann gab es noch ein, nein zwei, Wallerfillets, wunderbar gratiniert mit einer Chorizo-Hollandaise (doch, das kann schmecken - und schmeckt) und ebenso zungenschmeichelnd wie der Braten. Serviert wurden sie auf einem heißen Stein - eine schöne Idee für ein Restaurant, in dem die Servierwege allein schon aus architektonischen Gründen lang sind. Zum Waller  gab es ein Glas mit Erbsencreme und Limetten-Chillischaum. 27072007219.jpg

 Die Preise sind hoch, Hauptgerichte bis 30 Euro. Wenigstens aber  sind sie gefühlsmäßig weit angemessener als das, was wir im ähnlich teuren “Amano” nur hundert Meter weiter kürzlich erlebten und ebenso gerechtfertigter als im Kevin-Kuranyi-kommt-auch-In-Schuppen “Riva” um die Ecke.

Eigentlich waren wir in diesem Moment satt und glücklich. Aber wenn das schon alles so gut und lecker war, fragten wir uns, was kann die Küche in Sachen Desserts leisten? Und alles vor dem Dessert ist doch Alibi. 

Also beschlossen wir, na gut, also ich, den Abend mit Portweinpflaumen im warmen Schokoschaum, garniert mit Vanille-Eis. Ein Genuss, auch wenn der Schaum ein wenig schaumiger hätte sein können.

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Entspannt blickten wir uns um danach um, der Yves-Klein-Blau-beleuchtete Rheinturm lugte durchs Fenster und alles war gut. Nur eben auch leer. Liegt es an den zugegebenermaßen hohen Preisen? Oder am Namen? “Lido”, das klingt doch eher nach Eisdiele aus der Kinderzeit mit jenen verkratzten Silberbechern und der Standard-Kombi Schoko-Vanille-Nuss.

So oder so: Das “Lido” hat wahrlich mehr Gäste verdient.

Das finale Wort hat diesmal Mit-Gotorioranerin Nicola Schulte:


Link: sevenload.com
Lido
Am Handelshafen 15
40221 Düsseldorf

 

Posted on Sonntag, Juli 29, 2007 by Registered CommenterThomas Knüwer in , | Comments2 Comments

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Reader Comments (2)

Freut mich, dass es ein toller Abend war, denn das lässt hoffen. Ich war zwei Mal im Lido und zwei Mal war es enttäuschend. Aber das ist schon eine kleine Weile her. Wäre ja schön, wenn sich die Küche gesteigert hätte!

Juli 29, 2007 | Unregistered CommenterKatja

hübscher Laden, tatsächlich. Und eine clevere Fenster-Lösung haben die. Wenn es zu warm wird, lassen sich die Fesnter einfach wie Lamellen aufklappen, zu allen Seiten.

Januar 15, 2008 | Unregistered Commenters.matthes

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