Berlin: Ab durch die Mitte und raus auf’s Land
Ein Wochenende in Berlin. Mit Kindern. Zwillingen. 4 Jahre. Was ist denn das für eine bescheuerte Idee - das ist doch nur stressig, werden sie sagen. War’s aber nicht. War ganz entspannt. Und wir haben Sachen entdeckt, die hätten wir sonst gar nicht gesehen. Der Reihe nach:

Locke und Glatze, Glücklich am Park, Wunschkind – irgendwie sind die Berliner einfach kreativer, wenn es um die Namensfindung geht. Bei einem Bummel am Prenzlauer Berg fällt auf, dass Friseure hier eben nicht ‚Salon Sander’ heissen und die Eisdiele nicht Venezia und der Kindermodeladen nicht ‚Plumpaquatsch’.
Apropos: „Krieg ich nen Eis?“ heisst es alle fünf Meter und Gott-sei-Dank finden sich diverse nette Cafés und Versorgungs-Stopps zum Weiterempfehlen. (Eine Service-Übersicht mit Adressen auf der Karte hier.)
Zum Beispiel bei dem oben abgebildeten Laden, der nicht nur Kinder glücklich macht - Ecke Kastanienallee/Fehrbelliner Strasse (Kuchen, Eis, Klamotten) und in der Friedrichstrasse bei Bandy Brooks (noch’n Eis). Prima Frühstück übrigens im Café Epicerie Fleury am Weinbergsweg.

Den Abend haben die „Großen“ dann für sich und statt Eis auf die Hand gibts ein opulentes Mahl in einem von Berlins gut versteckten Sterne-Tempeln. Die neuen Gourmet-Stars in Berlin sind die Hoteladressen. Zu den Besten zählt eben auch das Restaurant Facil im Hotel The Mandala. Das ist so gar nix für die typischen Borchardt-Gänger (Hauptsache, ich werde gesehen), denn es liegt auf dem Dach im 5. Stock des Hotels, von außen nicht einsehbar, in einem modernen Glaspavillon mit offener Küche. Auch das Hotel selbst am Potsdamer Platz (Potsdamer Str. 3) ist recht versteckt, nur ein Schild vor der Tür.
Der Koch ist gerade mal 30 und sieht auch so aus. Bei gutem Wetter isst man unter freiem Himmel, es rauscht der Bambus und plätschern die Brunnen. Das Essen ist superb, irgendwo zwischen klassischer Hochküche und Experiment (Rotbarbe mit Brennesselspinat, in Eisenkraut gedämpfter Steinbutt mit Spargel, Müritzlamm in zwei Gängen mit Ackersenf, Vanillemousse mit Rhabarerkompott), dazu natürlich die diversen Häppchen und Petit fours, perfekter Service, tolle Weinauswahl. Ein entspannter Abend für zwei, die mal nicht gesehen werden wollen. Reservieren empfohlen.
Am nächsten Tag:
Ein Ausflug ins Grüne. Man nehme einen Mietwagen, packe Badesachen und Sonnencreme ein und schaukle gemütlich nach Potsdam. Wer noch Kultur braucht, schaut sich Sanssouci an und die Innenstadt, aber viel spannender ist eine Fahrt nach Werder-Petzow, Ferchstr. 60 auf den Hof von Christine Berger. Die findige Dame hat sich vor 14 Jahren mit Sanddornanbau selbstständig gemacht. Mit der Zeit sind zum Hofladen ein nettes Restaurant mit Terrasse am See entstanden, kleinen Spielplatz gibt es auch. Also spätes Frühstück oder Mittagessen, zum Dessert Sanddornjoghurt (Portion reicht für drei) oder Kinderüberraschung (Eis mit Sanddorngummibärchen und –sauce, Eis lecker, Bärchen zu gesund für unsere Kids).
Dann Rückfahrt nach Potsdam in den Volkspark (BUGA-Gelände von 2001) und dort in die Wasserspielanlage. Wer auf die Website schaut, die idyllischen Liegen stehen genau dort! Die Eltern setzen sich untern Baum ins Cafe am See, die Kids haben Spaß ohne Ende im Riesenplanschbecken mit Floß, Matschanlage und Piratenspielplatz. Es gibt einen Schwimmbrettverleih gegen Mini-Gebühr, im Park ist auch alle 14 Tage Kindertheater (kostet nichts), der Park selbst kostet einen Euro.
Zum Abschluss noch den Biergarten des Bürgershofs in Klein-Glienicke aufsuchen, liegt auf dem Rückweg. Das Essen gibt’s in Selbstbedienung, ist halt klassische Biergartenküche, nix besonderes (aber immerhin frischen Salat mit einem selbstgemachten Tomatendressing gibt’s auch, für Kids mal Bionade statt Limo). Aber die Lage! Kaum vorstellbar, dass direkt hinter dem Bürgershof früher die Mauer stand – wer hier wohnte hatte eine Vermerk im Pass und Besucher brauchten einen Passierschein. Ein traumhafter Blick, Ruhe, echte Idylle – und natürlich wieder mit Spielplatz. Dem untergehenden Sonne über der Havel zugucken und dann wieder zurück in die Hauptstadt. (Biergarten schließt immer bei Sonnenuntergang).
Ein perfekter Tag, ein perfektes Wochenende! Zum Nachmachen dringend empfohlen.

Gastautorin Regina Wolter ist viel und gern unterwegs, allein, zu zweit, mit der ganzen Familie. Sie kennt sich aus mit feiner Küche und ist ein wandelndes Weinlexikon, wovon hier noch zu lesen sein wird.


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