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Sporaden - oder: mit Mückennetz und Ohrenstöpseln

Wo fährst Du hin???!! Auf die Sporaden? Was soll denn das sein? Hat das was mit sporadisch zu tun?

 

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Kaum zu glauben, aber selbst in Zeiten, in denen das Internet und Billigflieger eine - im wahrsten Sinne des Wortes - horizonterweiternde Symbiose eingegangen sind, gibt es offenbar noch Ziele, die es geschafft haben, unbekannt zu bleiben. Also nichts wie hin! Als Reisender hasst man ja schließlich nichts mehr, als einen Ort mit diesen elenden Touristen teilen zu müssen, vielleicht sogar noch aus Deutschland. Da könnten die Einheimischen am Ende den Eindruck gewinnen, dass man selbst auch einer wäre. Nicht auszudenken!

„Nichts wie hin“ ist allerdings leichter gesagt als getan. Dass die Sporaden noch nicht ganz oben auf der Urlaubszielwunschliste des gemeinen Pauschaltouristen stehen, liegt nämlich unter anderem daran, dass die Anreise im Vergleich zu anderen Zielen etwas umständlich ist.

Den ersten Teil der Reise –Flug nach Athen – erledigt der versierte Urlauber noch mit links. Dann wird es schon anspruchsvoller. Denn von Athen aus fährt keine Fähre auf die Sporaden. Womit aber zumindest schon einmal geklärt wäre, dass es sich bei den Sporaden um griechische Inseln handelt. Zwei der Hauptinseln, Skiathos und Skopelos, waren das Ziel unserer Reise. Sie liegen im Ägäischen Meer, nord-östlich der griechischen Hauptstadt.

 

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Da wir keine All-inclusive-Pauschal-Touris sind, die sich ab Urlaubsantritt in die Obhut einer deutschsprechenden Reiseleiterin flüchten, haben wir die Herausforderung – ach nee, das sagt man ja jetzt nicht mehr, zu abgedroschen. Jetzt spricht man von Opportunity !! – der Anreise natürlich mit Bravour bestanden. Dafür mussten wir nur einen klitzekleinen mehrstündigen Umweg im Reisebus nach Agios Konstantinos hinter uns bringen, um dann endlich eine Fähre nach Skiathos betreten zu können. Die Reise hätte sich um mindestes zwei Stunden verkürzt, wenn der Bus nicht an jeder Ziegenmilchkanne gehalten hätte, um ein Bäuerlein ins weite Nichts zu entlassen. Aber so lernt der noch etwas leicht überdrehte Fernreisende wenigstens schon mal die erste Lektion im Entschleunigen. Wenn auch äußerst widerwillig und nicht ohne seinen Reisepartner bei jedem Halt eine neue Methode zur Effizienzsteigerung der Transportlogistik am Beispiel des griechischen Überlandbusverkehrs nahe zu bringen.

Die Fahrt mit der Fähre dauerte dann zwar auch noch einmal zwei Stunden, war aber sehr kurzweilig. Vor allem wenn man dabei andächtig Joachim Fernau’s „Rosen für Apoll“ lauscht und seine Geschichtskenntnisse um die erste Schlacht bei den Thermophylen wieder etwas auffrischt… (am 11. August 480 v. Chr. – für diejenigen, denen diesen Datum wieder entfallen sein sollte, oder die es, so wie ich, noch nie vorher in ihrem Leben gehört haben) …während man eben diese Meerenge zwischen dem Kallidromos Gebirge und dem Meer passiert, komfortabel auf dem Sonnendeck im abwischbaren Allzweckplastiksessel inmitten mehrerer hundert Tonnen Stahl sitzend. Das nenne ich gefühlte Geschichte! Da kann nicht mal Guido Knopp mithalten.

Skiathos hat unser Herz im Sturm erobert: Vergessen die Strapazen der langen Anreise, vergessen die mindestens 70 Prozent überflüssigen Stopps auf dem Weg zur Fähre, vergessen das Datum der Schlacht bei den Thermophylen… Anmutig lag das Häusermeer von Skiathos-Stadt vor uns, idyllisch eingepasst in die natürliche Wölbung der Hügel.

 

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Skiathos-Stadt ist angeblich die Touristenhochburg der Nördlichen Sporaden. Nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass es die einzige Insel ist, die per Flugzeug zu erreichen ist (von Athen aus. Das wäre für das nächste Mal eine ernsthafte Überlegung wert. Obwohl?! Wer soll denn dann das Transportwesen Griechenlands revolutionieren?). Jeder Reisende, der allerdings schon einmal in einer richtigen Touristenhochburg war, kann ob solch einer Übertreibung nur erleichtert lächeln. Das ausländische Publikum, vor allem Engländer und Skandinavier, ist angenehm. Das Durchschnittsalter der Gäste befindet sich im Einklang mit der aktuellen demographischen Normalverteilung – so wie wir. Etwas Touristenhochburgfeeling haben wir allenfalls in der Nacht zu spüren bekommen, wenn sporadisch (!) griechische und nicht-griechische Musikklänge in unser Zimmer im Hotel Villa Orsa wehten, das gerade so um die erste Bucht herum, neben dem Hafen liegt. Die Lage des verwinkelten Hotels ist fantastisch – direkt an einem Steilhang, alle Zimmer mit Blick auf das Meer, wild-romantische, blütenumrankte Frühstücksterrasse. Das Mitbringen eines Mückennetzes wird jedoch dringend angeraten. Denn nur dann kann man sich entspannt vom ärgerlichen Summen der ausgeschlossenen Plagegeister in den Schlaf singen lassen.

Nach vier Tagen haben wir Skiathos wieder verlassen, um die Nachbarinsel Skopelos in Augenschein zu nehmen. Wie Skiathos ist auch Skopelos eine sehr grüne Insel – ungewöhnlich für Griechenland, dessen Inseln sich normalerweise eher durch Kargheit als durch pflanzliche Üppigkeit auszeichnen. Wäre nicht das türkisfarbene Meer, das die Inseln umgibt, man könnte sich fast im Schwarzwald wähnen.

Die Zimmersuche in Skopelos-Stadt erwies sich allerdings als weitaus schwieriger als erwartet. Ausgestattet mit einer Liste von vorab im Internet ausgesuchten Hotels, mussten wir schweißtreibend am eigenen Leib erfahren, dass virtuelle und reale Welt nicht immer übereinstimmen. Enttäuscht, erschöpft und hungrig haben wir uns schließlich für das Hotel Adonis im Zentrum der Stadt entschieden. Vom Balkon unseres Zimmers aus hatten wir das ganze Geschehen des Ortes im Auge und im Ohr – rund um die Uhr, wie sich leider herausstellen sollte. Bis so ca. 1 Uhr morgens fanden wir es noch klasse, Bestandteil des emsigen Treibens zu sein: Wie viele verschiedene Fähren hier ohne Unterlass ein- und ausfahren; was für komische Geräusche die witzigen, antiquarisch-anmutenden Motorräder machen; wie ausgelassen die Griechen hier drauf sind und wie schön sie zu ihren stimmungsvollen Melodien singen können… Als dann aber auch um 3 Uhr morgens immer noch ohne Unterlass ohrenbetäubendes Geknatter den viel zu lauten fahrbaren Untersetzern entfuhr, das Gegröle zu nerviger Musik kein Ende nehmen wollte und in den frühen Morgenstunden die erste Autofähre unter jeder Menge Getöse den Inhalt ihres Leibes entleerte, war Schluss mit lustig. Übernächtigt, genervt und um die Erfahrung reicher, dass es im Griechischen kein Wort für Rücksicht gibt, haben wir uns erneut auf Zimmersuche begeben.

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Fündig geworden sind wir im Hotel Aegan , gegenüber vom Hafen am Berg gelegen. Ein sehr gemütliches, familiengeführtes 10-Zimmer-Hotel mit Blick auf das lärmende, aber zum Glück weit entfernte Zentrum von Skopelos. Ein weiterer Vorteil der Lage: sie ist der ideale Ausgangspunkt für diverse Klosterbesichtigungstouren. Leider liegen die alle hoch in den Bergen. Frühes Aufstehen ist daher sehr zu empfehlen, um rechtzeitig zur Hitze-Hoch-Zeit wieder heimzukehren und sich juchzend in die kühlen Fluten des Hotelpools zu stürzen. Den Rest des Nachmittags sollte man damit verbringen den ordnungsgemäßen Gebrauch von Ohrenstöpseln zu üben. Denn auch wenn Skopelos-Stadt in weiter Ferne liegt, von nächtlichem Motorengeknatter und unerwünschter Musikbeschallung bleibt man leider auch an dieser Berghanglage nicht verschont – zumindest nicht, wenn man sich gleichzeitig den kühlen Nachtwind um die Nase wehen lassen will. Ernüchternde Erkenntnis nach fünf durchwachten Nächten: Skopelos ist laut und das weibliche Ohr anscheinend nicht dafür konzipiert von der Umwelt abgeschnitten zu werden. Zu groß ist offenbar die Gefahr etwas Wichtiges zu verpassen. Anders ist es nicht zu erklären, dass sich die mitgebrachten Oropax im weiblichen Gehörgang partout nicht entfalten wollen, sondern trotz vielfältigen Dreh-, Zerr- und Stopfversuchen immer wieder gen Ausgang quellen. Was nicht wirklich zur wohligen Entspannung und damit zur Förderung des Einschlafvorgangs beiträgt.

Wie sagte einst Pink Panther im Vorabendprogramm: „Ich komm wieder, keine Frage!“ Wir auch. Dann aber suchen wir uns eine Unterkunft weitab von der Hafenstadt. Zum Beispiel in Panormos, einer Badebucht ca. 11 km von Skopelos-Stadt entfernt, mit einer kleinen Auswahl von Hotels und Restaurants. Es sei denn, bis dahin schafft es ein Hersteller Ohrstöpsel für Frauenohren zu entwickeln. Dann wagen wir uns vielleicht auch wieder mal ins Zentrum. Denn schön ist es dort ja schon!

Unsere Gastautorin Karin Mlaker ist vom Fach: Beruflich vermarktet sie Luxushotels. Privat bevorzugt sie das Reisen ohne Schnörkel. Das Begehen in der Natur ist ihr inzwischen wichtiger, als das Sammeln von Meilen. Doch noch immer zieht es sie in ferne Länder. Mehr über ihren interessanten und lehrreichen China-Aufenthalt demnächst hier auf Gotorio!

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Posted on Dienstag, Juli 24, 2007 by Registered CommenterGastautor in , | Comments2 Comments

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Reader Comments (2)

Mein absoluter favourite im griechischen Inselmeer ist ja die kleinere Nachbarinsel Alonissos, von der Insider behaupten, sie wäre die schönste griechische Insel überhaupt.

Juli 25, 2007 | Unregistered Commenterpivu

Nach Alonissos haben wir es leider nicht mehr geschafft. Zwei Inseln in zwei Wochen war das Maximum. Aber Alonissos ist auf jeden Fall die unberührteste der drei Inseln, also für Naturliebhaber sicherlich eine Reise wert.Es gehen regelmäßig Fähren von Skiathos und Skopelos nach Alonissos.

Juli 25, 2007 | Unregistered CommenterKarin

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