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Salzburg: Scharfe Schnitte und Shakespeare 3.0

Lust auf Kultur? Oder besser gesagt: Kultur und Natur?

Schau’n Sie mal im Schrank nach und holen Sie den feinsten Zwirn raus. Und die Wanderschuhe.

Salzburgcity.jpgSalzburgland.jpg

 

 

 

 

 

Wir fahren nach Salzburg. Es sind schliesslich Festspiele

Und da…

                                                                    Endlich!

                                                                    Ein glamouröser Anlass!

                                                                    Rufen! die Abendroben!

braucht man…

                                                                    Rauschende Kleider.

                                                                    scharfe Schnitte.

                                                                    Es glitzern die Ringe,

dringend …

                                                                     es wippen die Schritte,

                                                                     im Gleichtakt

                                                                     funkelwogende Bulgari-Balkons.

was Passendes…

                                                                        

                                                                     Linkisch hingehauchte

                                                                     Luftküsse flirren,

                                                                      Gläser klirren.

zum Anziehen!

                                                                      immergleiches Floskelgeplänkel

                                                                      flattert

                                                                      im Schlepptau

                                                                      hinterher.

Besonders…

                                                                      „Geh, schau! Die Mausi!

                                                                       Schausst wirklich toll aus…

als Frau!

                                                                       einfach.

                                                                        S E N S A T I O N E L L L L !“

In Salzburg - soviel steht fest - bekommt man nicht nur auf der Bühne was geboten. Wenn das hochverehrte Publikum am Abend in der Opernpause hinaus in die Festspielgasse tritt, überdacht vom Sternenhimmel, dann sieht man es auf den ersten Blick: Salzburg ist eine Bühne.

salzburghallein.jpg

Salinenwerk Salzburg Hallein, Foto: Katharina Lassnig

Überall Theater . Für ein paar Wochen wird Salzburg im Sommer zum gemeinsamen Wohnzimmer von Schauspielern, Schickeria, Schaulustigen, Kunstkennern, Dilettanten, Ignoranten, Festspiel-Fetischisten und vor allem: Enthusiasten.

Kaum angekommen, läuft man Leuten wie Ernst-August von Hannover (im Trachtenjanker) und seinem spiegelsonnenverglasten Bodyguard über den Weg. Keine Bilder! sagt der strenge Blick des glatzköpfigen Begleiters, der abwehrend den Arm hebt und dafür sorgt, dass man automatisch Abstand nimmt von der Idee, „Prinz Haugust“ so rein aus Spass abzulichten.

Jedermann“-Darsteller Peter Simonischek stiefelt vorbei. Hände tief in den Taschen vergraben, Kopf gesenkt. Will-nicht-angesprochen-werden-jetzt. Brauch schliesslich auch mal so was wie ne Pause.

Seit Freitag muss er wieder ran, der Hauptdarsteller des Salzburg-Klassikers. Denn sie haben begonnen, die Luftkusswochen die Festspiele 2007. Nach dem überzogenen Netrebko-Hype im letzten Jahr – Anna Überweib überall im Escada-Kleid in Überlebensgrösse plakatiert – wird sich die Aufmerksamkeit hoffentlich wieder auf mehr Akteure konzentrieren, denn das Festival verträgt deutlich mehr als einen Star.

Das Applauso-Meter hat sowieso anderes angezeigt, als die Marketingspezialisten von Netrebkos Plattenfirma das Publikum glauben machen wollten. So hat beispielsweise Vesselina Kasarova, Mezzosopranistin von echtem Format, das niedliche Russenmädchen mal locker an die Wand gesungen.

Hier eine Gesangsprobe von Kasarovas Können aus der Oper La Clemenza di Tito, eines von Mozarts Herrscherdramen (dieses Jahr nicht mehr im Programm).

 

Die Essenz der Story übrigens: Ein Herrscher, der sich milde zeigt, ist ein starker Mann und er wird vom Volk gefeiert.

Ein Fazit, das der beste aller Ehemänner nicht teilen konnte. Er fand: „Titus ist ein Weichei.“ Das nur für alle, die sich mehr Milde erhoffen…

Zurück zu Kasarova: Sie hat jüngst der „Zeit“ ein hochinteressantes Interview über die Schattenseiten des Kulturbetriebes gegeben („Manchmal hasse ich meinen Beruf“).

Wollen wir mal hoffen, dass sie nicht irgendwann die Nase wirklich voll hat, denn das wäre zu schade.

Dieses Jahr ist sie übrigens in der Oper „Benvenuto Cellini“ von Hector Berlioz zu sehen. Das Stück dürfte nicht nur wegen Kasarova ein Highlight werden; die Inszenierung stammt von Philip Stölzl, der mit Rammstein, Mick Jagger und Madonna Videos gemacht hat.

Und so kommen wir zu einer echten Salzburger Spezialität: Opern zu entstauben und ganz neu zu präsentieren und auch mal abgefahrene Leute ran zu lassen. Gelingt nicht immer, aber wenn es klappt, ist es eine sensationelle Erfahrung. In dieser Stadt sind schon echte Gegner des Musiktheaters zu Fans mutiert!

 

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Salzburg ist deutlich mehr als ‚Jedermann’. Der ist zwar sehenswert vor allem für all die vom Geld getriebenen Dagobert Ducks in meinem näheren Umfeld. Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes hält dem Gierhals von heute gekonnt den Spiegel vor, obwohl Herr Hoffmannsthal das Stück 1911 ersonnen hat. Und spätestens wenn der Todesengel seinen Auftritt hat, wissen wir: die Sache geht nicht gut aus…

Ein weiteres Muss in diesem Jahr ist die Inszenierung des Sommernachtstraums, einer Co-Produktion mit dem Schauspielhaus Zürich. Mein absoluter Lieblings-Bühnenschauspieler Michael Maertens ist mit von der Partie. Der junge Regisseur Christian Weise bildet ein Dream-Team mit Stephen Galloway, einem Choreographen mit illustrem Lebenslauf: Art Director von Issey Miake, Tournee-Createur für die Rolling Stones, Mitglied des Frankfurter Balletts unter William Forsythe, um nur einige zu nennen. Bei dieser Kombi von Leuten steht jedenfalls fest: Das wird kein 08/15 Shakespeare, sondern Shakespeare 3.0!

Weil die Österreicher insgesamt ein ganz anderes Verhältnis zur sogenannten Hochkultur haben, gehen auch auffällig viele junge Leute zu den Festspielen. Sie pilgern (generationsübergreifende Salzburger Tradition übrigens) mit Picknick-Körben auf einen der grossen Plätze (dessen Name mir gerade entfallen ist) und gucken sich die Leinwand-Übertragung der Premieren an.

Ausserdem gibt’s – besonders geeignet für den schmaleren Geldbeutel (denn die Opernkarten sind zum Teil abartig teuer), Sachen wie das Young Director’s Project mit ungewöhnlichen Stücken von ungewöhnlichen Leuten.

Das Projekt-Motto dieses Jahr: Jede Lösung ist falsch (Nicolás Goméz Davilá)

Was mich daran erinnert, dass Matthias Hartmann, mein absoluter Lieblings-Theatermacher, mal gesagt hat, dass ihm Antwortengeber jedweder Art suspekt seien.

Und so fällt der Vorhang und viele Fragen bleiben offen (das ist nun wiederum nicht von Hartmann).

Wir wissen zum Beispiel noch nicht, wo wir wohnen.

Darum kommt jetzt – endlich - die Natur ins Spiel: So schön es ist, in der Stadt zu logieren; im Arthotel Blaue Gans zum Beispiel, oder in der designmässig aufpolierten Traditionsherberge Hotel Stein (kann übrigens zur Strasse raus laut sein!).

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Ich hätte einen Vorschlag: Wir trinken da nur was (Dachterrasse vom Stein), oder essen eine Kleinigkeit (in der Blauen Gans, Caverne) und fahren zum Übernachten aufs Land.

 

Und nein, es geht nicht nach Fuschl ins Schloss, auch wenn das sicher sehr schön ist. Wir fahren nach Aigen. Viertelstündchen von der Innenstadt entfernt gen Süden.

Himmlische Ruhe, Kuhglockengebimmel, Berge zum Wandern direkt vor der Tür. Und damit Holger, der mir wahrscheinlich jetzt schon den Hals umdrehen könnte, weil ich (fast) alles verrate, das nicht tut, behalten wir unseren absoluten Geheimtipp erstmal für uns und empfehlen ein anderes Hotel, als das in dem wir logieren. Wir empfehlen den Doktorwirt, der ist durchaus nett.

Eine weitere gute Nachricht: Kulinarisch muss man garantiert nicht versauern im Vorort: Da wäre zum Beispiel das Schloss Aigen. Es hat mit Bernhard Klinger einen fähigen „Haubenkoch“. Das ist das Pendant zu unserem „Sternekoch“ – und ich glaube Klinger hat sogar zwei „Sterne“ also „Hauben“, man muss sich ihn also quasi mit Doppelhaube vorstellen und hoffen, dass ihm die schwerwiegenden Kochmützen nicht irgendwann in die Augen rutschen, denn dann sieht er ja nix mehr und kocht eines Tages vielleicht nicht mehr ganz so gut…

Wem das alles zu ländlich ist: Keine Sorge, wir fahren wieder in die Stadt. Wir waren noch gar nicht im Kaffeehaus. In Salzburg gibt’s für jeden Zweck ein geeignetes:

Das Tomaselli am Alten Markt zum Gucken,

das Café Bazar (im Hotel Brandstetter) direkt an der Salzach, zum LESEN,

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und dann gehen wir noch in die Salzburger Dependance des berühmten Café Demel, denn in Salzbug werden nicht nur die Opern abgestaubt. Das Demel (Ex Café „Glockenspiel“) ist die perfekte Verbindung von Tradition und Moderne.

 

Zwei, drei Dinge noch:

Das hochgelobte Restaurant Ikarus im Hangar 7 mit monatlich wechselnden „Gaststars“ lohnt sich aus meiner Sicht nicht unbedingt. Auch wenn Konzept und Küche kreativ sind und sich Red Bull-Chef Dietrich Mateschitz mit seinem kleinen Flieger- und Kunstmuseumskomplex mit Gastronomie wieder mal einen SEINER Wünsche verwirklicht hat – um gut zu essen, muss man in Salzburg nicht zum Flugplatz raus fahren. Was völlig anderes ist es natürlich, wenn man da sowieso gerade landet (es empfiehlt sich dafür allerdings – sofern vorhanden - die Anreise im Privatflugzeug, der reguläre Flugverkehr wird auf einem anderen Teil des Geländes abgefertigt).

Viel eher lohnt eine andere Mateschitz-Kreation einen Besuch: Das Carpe Diem in Salzburg. Bar/ Restaurant/Teakholzterrasse; modern, witzige Küche, „Tapas“ - gut zum Gucken. Alternative zum Kaffeehaus. Setzt das Prinzip „Wohnzimmer Salzburg“ super um.

Und noch was Gastronomisches:

Wenn man Schauspielern, Sängern, Akteuren so nah wie möglich sein will, reserviert man (anders als wir!) rechtzeitig im Restaurant Triangel in unmittelbarer Nähe zum Festspielhaus.

Und wer sich an jetzt noch an die Eingangssequenz des Artikels erinnert und beim Theater-Spektakel kleidungstechnisch mitspielen will, der beachte den Dress-Code für den Jedermann (keine Verpflichtung natürlich!): Janker für den Herrn, entsprechende Tracht für die Dame.

Also einen kurzen Stopp beim Gwandhaus Gössl in der Getreidegasse einplanen zum Dirndl-Shopping.

Es liesse sich ja zum Oktoberfest zweitverwerten.

Und schliesslich möchte man das ja auch mal hören:

„Maaaaausi!

Einfach.

S E N S A T I O N E L L L

schaust Du aus!“

In diesem Sinne: Viel Spass in Salzburg!

Und hier noch nen bisschen Service: Alle wichtigen Orte zum Wiederfinden auf dieser Karte .

 

 

Posted on Sonntag, Juli 22, 2007 by Registered CommenterKatja Marjan in , , , , | Comments3 Comments

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Reader Comments (3)

Unsere - sie ist Österreicherin ... - Netrebko an die Wand singen, na aba des geht wirkli net, bitteschen.

Juli 22, 2007 | Unregistered Commenterpivu

Naja, ok.
Jetzt ohne Schmäh:
Sie hat die österreichische Staatsbürgerschaft, das stimmt ...
(was für ein opportunistischer Schachzug übrigens, Mitglied eines Operettenstaates zu werden!)

Juli 22, 2007 | Unregistered CommenterKatja

Ein weiterer zentraler Grund endlich (mal wieder) nach Salzburg zu fahren:
...es ist wieder eine FERRES-freie Zone!
Danke, Danke, Danke, wer auch immer dafür zuständig war.
Y.

Juli 22, 2007 | Unregistered CommenterYouri

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