"Amano", Düsseldorf: Ach, wenn doch der Koch nicht wäre
Also mal eines vorweg: Das “Amano” ist schön. Wunderschön. So schön, dass selbst im designverwöhnten Düsseldorf die Zahl der Konkurrenten in Sachen Ambiente klein ausfällt.
“Amano?”, fragt jetzt der eine oder andere verwundert und setzt nach: “Nie gehört.” In der Tat ist es höchstens bekannt als “die Bar vom SAS Radisson im Hafen”. Doch es ist eben nicht nur Bar, sondern auch eine Edel-Trattoria. Und beides, es sei noch einmal betont, ist sehr, sehr schön gestaltet.
Schon beim Reinkommen entzücken die ersten Designhighlights, die Mattheo Thun, der die Innenausstattung des Hotels verantwortet, gesetzt hat. Ein großer verglaster, begehbarer Weinschrank in der Hotellobby, der diese vom Restaurant trennt. So etwas ähnliches, nur ca. drei Etagen hoch und ungefähr zwanzig Mal so voll, hab ich vor sieben Jahren im „Aureole“ im “Mandalay Bay”, Las Vegas gesehen. Da holen dann Models im Lara-Croft-Look, an Bergsteigerseilen befestigt, die Flaschen aus Schwindel erregender Höhe – wer mal da ist sollte es sich ansehen.

Im „Amano“ ist vor dem Weinglasraum ein beeindruckender moderne Kronleuchter und Kristall-Wandvorhänge daneben. Bei den Ladies kommt sofort Lust auf, etwas davon abzuschnippeln. Bling bling, alles glitzert und funkelt. Ansonsten ist das Interieuer cool-modern. Roter Teppich, Wenge, schweres dunkelbraunes und cognacfarbenes Leder, Gold an der Bar – dazu passen gut gestylte Frauen mit Cocktailkleidern oder urban chic am Urban Chick.
An der Bar gibt es erst einmal einen Cocktail dann geht’s in das Restaurant. Die Karte liest sich lecker – darum sind wir hier. Italienisch war gewünscht und die Vorschau im Newsletter verspricht unkomplizierten Genuss. Das „Amano“, abgeleitet vom italienichen „fatto a mano“ also Handgemacht, ist ein Gastronomiekonzept, das eigens für das „SAS Radisson Hotel“ im Düsseldorfer Hafen von Gastronomie-Designer Henry Chebaane, Creative Director von „Blue Sky“ aus London entwickelt worden sein soll. Eine Pressemitteilung verspricht „ Handgemacht und einfach zubereitet aus marktfrischen Zutaten sind die Speisen, von der Pasta bis zum Panna cotta. Das Brot wird auf einer Anrichte aus Olivenholz geschnitten und in Schalen aus Olivenholz gereicht, die Gläser sind eine Spezialanfertigung und glitzern bernsteinfarben im Kerzenlicht. Sehenswert die Köche, die sich in ihrer schwarzen Kochmontur gern den Gästen zeigen.“
Wir haben allerdings keinen Koch in irgendeiner Montur gesehen und auch das Brot kam zwar in Olivenholzschalen aber die Anrichte blieb unseren Blicken ebenfalls verborgen. Soviel zu Konzepten, die nicht durchgehalten werden.

Die Preise werden dem Fine-Dining-Anspruch, gerecht - die Qualität leider nicht so ganz. Wir haben aber alle schon besser gegessen. Mein Carpaccio war zu dick geschnitten und trotz Trüffenlmayonnaise recht geschmacksneutral, das Parmesankörbchen, das darauf drapiert war schmeckte vor allem verbrannt. Das Vitello Tonnato war das ganze Gegenteil von Thomas Erfahrung im “Basil’s”: ein mit einem Hauch Thunfischsauce verzierter Aufschnitt. Die Nudeln waren „ganz lecker“ aber nicht im Ansatz zu vergleichen mit den Trüffelnnudeln, die Elvira am Abend vorher – OK, die waren auch von Jean-Claude Bourgueil – gegessen hat.


Beim zweiten Gang, Sepianudeln und Riesengarnelen, war ich vom Tintenfisch, der sich darin verirrt hatte, nicht sonderlich begeistert. Ich mag nicht gerne Tintenfisch. Und wenn ich Riesengarnelen bestelle, sollen die nicht mit Tintenfisch aufgerüscht werden. Hätte “Sepianudeln mit Riesengarnelen und Tintenfisch” in der Karte gestanden hätte ich sie nicht bestellt. Dafür war der Babyseeteufel mit Rhabarberschaum, Gemüse und Lasagneblättern nur das, was angekündigt worden war. Allerdings mit zu wenig Schaum oder zu wenig Rhabarber, der schmeckte jedenfalls nur geahnt raus. Die Lasagneblätter waren leider zum Teigklumpen verschmolzen.

Und dann war da noch das gegrillte Rinderfilet mit Artischocken und gebackenen Kartoffeln. Bestellt: Medium. Gekommen: fast durch. 
Nach kurzer Überlegung, ob ein Filet für 24,50 Euro leicht zäh schmecken darf, entschieden sich Silke und Andreas für ein klares “Nein” und orderten ein neues. Das war dann auch vorzüglich.
Sehr nett war die Entschuldigung mit Grappa und Limocello für alle fünf Esser. So wie der Service und die Drinks überhaupt. An der Bar werden köstliche Cocktails gereicht, die nach einer kurzen „der Geschmack auf den ich gerade Lust habe“-Beschreibung gemixt werden. Eigentlich also könnte alles so schön sein wie das Ambiente - wenn das Essen nicht wäre.
Und das finale Wort hat diesmal unser Mit-Esser Andreas John:
Link: sevenload.com
Amano Bar + Trattoria
Hammer Straße 23
D-40219 Düsseldorf


Reader Comments (1)
Tja, meine Erfahrungen im letzten Sommer waren eine Unwesentlichkeit besser - allerdings beschränkten sie sich auf den Verzehr einer Pasta. Als Barbesucher war ich jedoch vollends zufriedengestellt. Den Verbesserungsvorschlag von Frau Schulte "Bedienungen im Lara-Corft-Look" sollte man allerdings überdenken. Das lenkt dann doch zu sehr vom Cocktail ab.