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"Basil's", Düsseldorf, oder: 10 Regeln, wie ich es mir mit Gästen verderbe

 

Vor einiger Zeit listete der Thekenmeister in seinem Blog 10 Tipps auf, wie es sich ein Gast garantiert mit Personal und Wirt verdirbt. Zeit, den Spieß herumzudrehen. Hier also “10 Tipps, wie es sich ein Gastronom mit den Gästen verdirbt”. Und es sei hinzugefügt: Diese zehn Dinge sind uns tatsächlich an einem Abend widerfahren. Am vergangenen Samstag nämlich, im “Basil’s” in Düsseldorf - einem Restaurant, das wir sicherlich nur noch in einem Anfall akuten Masochismus betreten werden.

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Also:

1. Behandele Gäste, die Du nicht erkennst wie Menschen zweiter Klasse - schließlich hast Du genügend Stammgäste.

2. Die Gäste sagen sie hätten einen Tisch gebucht, Du findest ihren Namen aber nicht auf Deiner Liste? Dann tu so, als hättest Du ihn gefunden und zähle sie durch. Dann setzt Du sie irgendwo dazu. Vermeide dabei tunlichst, die dort bereits sitzenden Esser zu unterrichten oder zu fragen, ob ihnen das Recht ist. Weisen die so Dazugesetzten darauf hin, dass es doch etwas eng ist, wenn zwei sich gegenüber sitzen sollen und der Dritte vor Kopf platziert ist (davon zwei der Personen über 1,90), dann gib ihnen Tipps, wer an welchem Platz sitzen soll.

3. Weisen die Gäste Dich darauf hin, dass sie doch eigentlich für vier Personen gebucht haben, ein anderer Tisch also eigentlich frei sein müsste, frage: “Wo habe ich Euch auf Liste?” Zeigen sie dann auf den dort notierten Namen, lenke genervt ein: “Dann geht’s nur da oben.”

4. Beschäftige Kellner, die sich jener burschikos-brachialen Pseudo-Freundlichkeit befleißigen, die Du selbst an den Tag legst. Dazu gehört, bei jeder Gelegenheit, hinter den Gast zu treten und eine Hand auf seine Stuhllehne oder seine Schulter zu platzieren.

5. Zeige Rauchern, was Du von ihnen hältst, indem Du den Zigarettenautomat in den Kellerraum neben den Toiletten stellst. Dort kannst Du auch den Tisch für die nicht vorhandene Toilettendame aufbewahren.

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5b. Sollte trotzdem jemand rauchen wollen, lass die vollen Aschenbecher auch während des Essens auf dem Tisch stehen. Selbst dann, wenn der Gast sie demonstrativ an den Tischrand rückt. Mündliche Nachfragen können die Kellner durch schnelles Vorbeihuschen an den Tischen weitestgehend abwehren.

6. Weise das Personal an, den Gästen keinen Wein nachzuschenken. Das können die genauso gut. Außerdem ist dies ein politisches Statement: Wir leben in einer globalisierten Welt - jeder muss mal ran. 

7. Verwandele die Hintergrundmusik so gegen zehn Uhr in Vordergrundmusik. Eröffne das Programm mit einem Alltime-Favorite der internationalen Unterhaltungsmusik. Zum Beispiel “Sunshine Reggae”. Wechsle nach dem ersten Song die Lieder im Minutentakt. So kommt keine Langeweile auf. Spiele dann Bauchtanz-Pop aus dem CD-Regal Deiner Kellner. Steigere die Lautstärke dabei im Halbstundentakt.

8. Überfalle die Gäste mit einer Digitalkamera und veröffentliche die Fotos später im Internet. Vergiss dabei nicht, sie mit dem Blitz zu blenden. 

9.  Ist das Hauptgericht auch eine halbe Stunde nach Bestellung noch nicht angekommen, beruhige den Gast mit Sätzen wie “Hab gerade nachgefragt. Dauert noch vier, fünf Minuten.” Zwanzig Minuten später verkürzt Du die Frist auf “Dauert nur noch zwei, drei Minuten.”

10. Fange den Gast kurz bevor er das Lokal verlässt noch einmal ab, schlage ihm auf die Schulter und tu so, als sei er Dein bester Freund. 

Doch, all das hat sich an nur einem Abend zugetragen, unserem ersten - und letzten - im “Basil’s”. 

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In Düsseldorf steigt die Zahl der Lokale, die zu einer besonderen Spezies gehören. Sie sind meist anonym-cool eingerichtet, servieren mittelmäßiges Essen zu überzogenen Preisen und steigern die Lautstärke ihrer Musikbeschallung kontinuierlich, bis auch der letzte Gast sich fühlt wie im Baby-Alter: Er muss schreien, damit das Essen kommt. Diese Lokale werden vor allem von Menschen aufgesucht, die nicht dort hingehen, um gut zu essen - sondern um von Ihresgleichen beim Essen beobachtet zu werden.

So auch beim “Basil’s”. Leider. Denn die Grundlagen sind gar nicht so übel. Chef  ist der ehemalige Lenker der Düsseldorfer Institution “Kytaro” auf der Grafenberger Allee. Dort geht es zwar auch ganz schön Schicki-Micki zu, doch gibt es wirklich guten Fisch ohne Schnickschnack zu mehr als akzeptablen Preisen. Die Karte ist im “Basil’s” dem “Kytaro” nicht unähnlich: mediterrane Küche mit Stärken im Fischbereich. Das Vitello Tonnato war zwar leider sehr suppig, doch der Thunfisch, das Roastbeef und der Fischspieß asiatisch waren ohne Fehl und Tadel.  

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1262790-897598-thumbnail.jpgUnd so wäre es ein großer Spaß, einfach wegen des bizarren Publikums zu kommen. Der Kevin-Kurány-Imitation in der weißen Lederjacke mit dem weißen Totenkopf, zum Beispiel, der man ansehen konnte, dass der leichte Sitz der karierten Baskenmütze nur nach stundenlanger Arbeit am Badezimmerspiegel gelungen ist. Oder den knochig abgemagerten Mittzwanzigerinnen im schwarzen Gucci-Fetzen und ihren deutlich älteren und mutmaßlich nicht väterlich verwandten Begleitern. Vielleicht hätten unsere Augen auch länger verweilt beim dunkelbraun getoasteten Herren im Rentneralter mit dem hawaiiegen Versace-Hemd aus den 80ern.

Gastkritiker Christian Pietsch fasst zusammen:


Link: sevenload.com 


“Basil’s”
Haroldstr. 30
40213 Düsseldorf

 

 




Posted on Montag, Juli 2, 2007 by Registered CommenterThomas Knüwer in , | Comments5 Comments

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Reader Comments (5)

Thomas, mal nen bisschen lockerer in der Hüfte bitte:

Auch wenn ihr echt Pech hattet, finde ich, Du solltest Dir kein abschliessendes Urteil bilden.

Der Laden hat seinen ganz speziellen Charme.
Vor allem an den Abenden mit Live-Musik herrscht in der Regel Bombenstimmung. Es ist kein Restaurant, das man wegen des Essens aufsucht (auch wenn die Qualität in der Regel stimmt).

Eher was für grosse Gruppen, was zum Gucken, zum sich Aufplustern, zum Tanzen.Leute wie der Bodybuilder, Schwarzenegger-Kumpel und Mini-Gladiator Ralf Möller gehen dahin, wenn sie in Düsseldorf sind.

Meistens gibts jede Menge hübsche, junge, aufgetakelte Mädels Typ Parfümerie-Fachverkäuferin, die an den mit Paaren besetzten Tischen für Aufruhr sorgen, weil die Gattinnen nur noch ins Essen starren und die Ehemänner nur noch auf die Douglas-Mäuse.

Irgendwie ist das Ding so "Düsseldorf meets Odessa meets Beverly Hills"-mässig. Wenn man da stocknüchtern rumsitzt und wohlmöglich versucht, sich gepflegt zu unterhalten, dann kriegt man keinen Spass.

Wenn man sich darauf einlässt, dann kann es sehr kurzweilig sein. Also: Nochmal hingehen,sich dem hemmungslosen Alkoholkonsum hingeben und einfach nur kaputtlachen über die Typen, die da aufkreuzen.

Mittags übrigens Nudeln für sechs fuffzich. Immer lecker, preislich nix dagegen zu sagen.

Juli 3, 2007 | Unregistered CommenterKatja

Na ja, Lustig fand ich's auch nicht. Selbst nach einer Flasche Wein und mit echt netter Truppe als Begleitung hab ich mir den Laden noch nicht schön getrunken. Die Leute die ich da gesehen habe hatten allerdings auch rein gar nichts mit Beverly Hills zu tun. Das war eher DSDS-Casting spielt Gülcans Traumhochzeit und Landpomeranzen machen auf Edeltusse und fahren mal ins schicke Düsseldorf. Und der plump vertraulich, grottenschlechte Service hat das ganze auch nicht aufgewertet. Ich finde die laute Mucke und der Fotochefe lenken nur vom - zugegebenermaßen guten - Essen und netten Gesprächen ab. Wer allerdings auf einen "oh Gott was ist das denn-Abend" Lust hat ist hier richtig. Ich finde besser ist mittelmäßiges Essen und richtiger Spaß. Z.B.Freitags auf den Tischen bei Michele in Derendorf. Chers.

Juli 3, 2007 | Unregistered CommenterSusi

Nun, zum ganz speziellen Charme des Basil's gehört nicht zuletzt, dass nun innerhalb von etwa 7 Wochen zweimal Gästen unvermittelt die Nasen und Lippen blutig geschlagen wurden von Gästen, die Katja beschreibt und einen auffälligen stetigen dunkelhäutigen Teint mit dunklem, gerne gegeltem Haar aufweisen. Ich fürchte, ich brauche das Basil's nicht. Da gibt's Besseres.

Juli 11, 2007 | Unregistered CommenterNiels

Oh, das mit den blutigen Nasen ist ja nicht so schön. Das ist mir neu. Wenn es stimmt, dann wäre es für mich ein Grund, nicht mehr hinzugehen. Auf sowas steh ich absolut gar nicht.

Juli 12, 2007 | Unregistered CommenterKatja

Was das Publikum und die gebotenen Outfits angeht, gibt es nichts weiter zu ergänzen. Das "Basil's" sei Marktforschern und Psychologen zur Feldforschung empfohlen. Von schlechtem Service konnte bei unserem Besuch (September) aber keine Rede sein. Bedienung, Getränke und Essen stimmten. Bei einem derart gefüllten Lokal wird man auch bei der Lautstärke keine Kammermusik erwarten dürfen. Etwas mehr Licht schadet aber nicht, man kann die Inszenierungen dann besser würdigen...

September 24, 2007 | Unregistered CommenterWalter

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