Tom Cruise-Feeling am Flughafen Hamburg
Die Dame im Business-Dress vor mir stutzt. Und dann geschieht ein Wunder: Sie lächelt. Sie lächelt ob der herzlichen Freundlichkeit und der wirbelnden Geschwindigkeit der beiden Kellner an einem Ort, an dem man Abzockerpreise, miese Qualität und Muffeligkeit erwartet: dem Café “St. Pauli” im Terminal 2 des Flughafen Hamburgs.

Seien wir doch ehrlich: Flughafen-Bars haben etwas trauriges. Sie sind ein ständiges Verlassen, der Sammelpunkt für Takko-bekleidete Angehörige der Arbeiterklasse, deren Billigflug nach Ibiza Verspätung hat und Geschäftsreisenden mit gelockerter Krawatte, die den nicht stattgefundenen Geschäftsabschluss mit einem Bier aus dem Hirn waschen. Sie alle wissen, dass sie zu viel Geld für zu wenig Qualität zahlen. Doch was sollen sie machen, in der Luft sind sie in den Händen des Kapitäns, hier in den Händen renditegieriger Gastronomen. Freundlichkeit ist Verschwendung, der Gast kommt nicht so häufig. Und wenn, hat er keine Auswahl.
Und doch widerfuhr mir in der vergangenen Woche, womit niemand an solch einem Ort rechnet: Freundlichkeit. Nicht Ganz-OK-Freundlichkeit, sondern überschwengliche, mitreißende, gutelaunemachende. Hinter dem Tresen des “St. Pauli”, dass sich im Terminal 2 des Hamburger Flughafens hinten an den Gates A39 und 40, befindet, wirbelten zwei junge Männer wie Tom Cruise einst in “Cocktail”. OK, ohne Gläserwerfen. Aber doch leicht hüftschwingend und dauerlachend. “Wohin verlassen Sie denn unsere schöne Stadt”, fragt der eine die Kundin.
“Ich komme aus München”, sagt sie.
“Och - da ist Hamburg doch viel schöner, das müssen Sie zugeben, oder?”, lautet die Antwort.
Die Kundin lacht und wirft ein paar Cent in den Trinkgeldteller, der doch sonst bei solchen Stehlokalitäten eher spärlich befüllt wird.
“Einen Kaffee, bitteschön, war bestimmt ein harter Tag, unser Kaffee bringt sie wieder hoch”, bekomme ich zu hören, als mein Getränk fertig ist. Auch ich lächele, auch ich gebe Trinkgeld. So wie jeder. Eine Viertelstunde lange schaue ich den beiden zu, die Business-Dame auch, sichtlich perplex ob dieser Wucht an Dienstleistungsqualität. Der Trinkgeldteller füllt sich und der Ökonom in mir murmelt: “Siehste, Qualität zahlt sich doch aus.”


Reader Comments (1)
Da sieht man: Wer Freundlich ist, der hat auch was davon :)