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Sehnsuchtsorte - oder: L'Hora Blu in Ravello

Die Dämmerung legt sich apfelsinenorange über das Dorf hoch droben auf dem Felsen. Zur Feier der letzten Stunden des Tages bildet der Himmel einen so perfekt komplementären Kontrast mit dem Adrianocelentanoblau des Meeres, wie es ihn nur im Süden gibt.

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Touristen hasten eilig vorüber, rucksackbucklig; ihre Teleobjekte schlapp herunterhängend wie kapitulativ gesenkte Gewehrkolben abends - nach der Schlacht - die ums beste Bild scheint für heute geschlagen. Aufgekratztes Stimmen-Staccatto weht ein letztes Mal in Fetzen um die Ecke. Dann wird die Baedeckermeute nebst Schallwellen im Busbauch verschluckt. Der Fahrer umarmt das riesige Steuer und kurbelt weitschweifig um die formschön gewundene Strassenschleife. Die Reiseleiterin greift ein letztes Mal zum Mikrofon. Der Bus wirft sich mit lässigträgem Schwung und einem Augenzwinkern in den schönsten Bogen des Tages. Von da an geht’s abwärts. Kurve um Kurve sehen wir ihn kleiner werden und verschwinden. Und dann: Endlich. Ruhe.

Wir haben den Ort für uns allein.

Für etwa eine Stunde – so zwischen acht und neun - ist es vollkommen still. Dann strömen die Bewohner Ravellos aus ihren Häusern und beginnen das allabendliche Ritual: Es startet mit einem Flanierspaziergang und endet nach dem ‚Corso’ mit langen nächtlichen lautlustigen Gesprächen auf der Piazza. Bella Italia. Das schöne Leben eben.

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Wer sich vom Tag in die Nacht fallen lassen will, der stürzt sich nicht zurück ins Tal nach Amalfi oder Sorrent sondern bleibt auf dem 350 Meter über der Küste gelegenen Felsplateau. Und geniesst genau diesen Twilight-Übergang ein-zwei-drei-Campari-Längen-lang auf der Riesenterrasse direkt vorm Duomo. Diese Kirche hat übrigens den Riesenvorteil, dass die Italiener sie vor Jahr und Tag von dem ganzen Barockbalast befreit haben. Man sieht die Mitglieder des Magistrats förmlich über der Entscheidung schwitzen sitzen, ob man sich und den Dom ganz atypisch von all dem landesüblichen, überbordenden Schwulst befreien soll. Man hat. Der 1086 gebaute Dom atmet in seiner alten freigelegten Schlichtheit spürbar auf.

Wir steigen ab im Hotel Toro. Einer charmanten Pension mit schönem Garten und freundlichen Service. Zur falschen Seite zwar, werden diejenigen nörgeln, die Meerblick wollen. Aber mit Tradition. Jackie Kennedys Fotovermächtnis hängt im Eingangsbereich (nein, sie hat dort nicht geschlafen, ist nur vorbeigekommen) und mindestens ein Bild von MC Escher dekoriert den Flur. Der hat dort gewohnt – und in Ravello eine Liebe gefunden. Das ist doch was.

Verlieben kann man sich hier sicher. Nicht nur in das schöne Dorf, das von den Busgruppen vor allem wegen der spektakulären Aussicht aus den Gärten der Villa Cimbrone und Villa Rufolo aufgesucht wird. Auch hier übrigens gilt der Tipp, die Parks kurz vor Toresschluss aufzusuchen, dann sind sie leer und still und entfalten ihre ganze Pracht; auch akustisch: rauschende Blätter, tröpfelnde Brunnen, knirschender Kies, zwitschernde Vögel. Geräusche, die sonst vom Massenansturm totgetrampelt werden.

Dass Wagner in einem der Gärten im Jahr 1880 angeblich tolle Einfälle für den Parsifal hatte, sparen wir uns jetzt mal und erwähnen es nur, weil die alljährlichen Musikfestspiele vor prachtvoller Panoramakulisse darauf bezug nehmen. Gore Vidal, ebenfalls ein Fan von Ravello, hat lange hier gewohnt. Greta Garbo sich in ein Liebesabenteuer gestürzt.

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Romantik pur im gehobenen Stil vermarkten deshalb auch die beiden Top-Hotels. Wer würde in so einem kleinen Örtchen gleich zwei 5Sterne-Herbergen vermuten? Es sind die Villa Sasso und das Caruso, letzteres hat vor gar nicht allzu langer Zeit nach umfänglicher Renovierung wieder eröffnet und ist in jeder Hinsicht atemberaubend: Die Zimmer mit Aussicht, das Dekor, aber auch der Preis. Ob es das wert ist? Die einen sagen ja; die anderen nein.

Eine Alternative – preislich zwischen dem Hotel Toro und den Caruso-Sasso-Palästen ist das Hotel Villa Cimbrone. Das Ravello Musik Festival findet übrigens gerade wieder statt. Infos hier. Verbunden mit dem Aufruf an alle Frischverliebten diesen Anlass für ein romantisches Wochenende an der Amalfiküste zu nutzen und Sorrent, Positano, Capri – fast – links liegen zu lassen.

Posted on Mittwoch, Juli 11, 2007 by Registered CommenterKatja Marjan in , , | CommentsPost a Comment

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