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Wie war's in Düsseldorf? Och, du, blutig.

Vom Rheinländern heißt es gemeinhin, er sei sehr gesellig und habe gerne Menschen um sich. Für den Düsseldorfer scheint das nicht zu gelten - zumindest nicht, wenn er Oberbürgermeister ist.

Denn Düsseldorfs OB Joachim Erwin arbeitet munter weiter daran, seinen Bürgern jeden Spaß am Leben auszutreiben. Angefangen hat es mit “Monkey’s Island”, jenem wundervollen Stadtstrand im Medienhafen, der den Maßstab setzte für alle anderen Stadtstrände in der Republik. Die Betreiber aber überwarfen sich mit Erwin, oder er sich mit ihnen, warum, ist nicht bekannt. Die Affeninsel musste weichen, an ihre Stelle soll ein Hyatt-Hotel treten, das angesichts der hotelunfreundlichen Lage selbst mit dem großen Namen in absehbare Probleme laufen wird.

Überhaupt Hotels. Ein Lieblingsthema von Herrn Erwin. Ständig entstehen in Düsseldorf neue, tolle, große Herbergen. Wie sehr bei diesen Neuschöpfungen Anspruch und Wirklichkeit auseinander klaffen, konnte ich im Intercontinental auf der Kö besichtigen. Meine Mutter war zu Gast, eine Dame, deren Alter selbstverständlich nicht öffentlich gemacht werden soll. Das ihres Sohnes, 37, gibt aber sicher einen Einblick. Solch einer Dame also wird weder die Tasche nach oben getragen noch der Weg gewiesen: “Sie finden das ja sicher.”

Die Zimmer, gehalten in jenem anonymen Hotel-Design, das die heutige Generation der Geschäftsreisenden in ihrer Austauschbarkeit sicher irgendwann in die Geschmacksverirrung treiben wird, wirken schon heute so verwohnt, als stehe das Hotel seit Jahrzehnten. Tut es nicht. Eröffnet wurde es 2005. Die Hotelbar schloss an jenem Abend bereits vor zehn, was zahlreiche Gäste in die Lobby trieb. Dort war eine Garderobe nicht vorhanden, die Mäntel wurden schwungvoll über die Sessel drapiert, die Szenerie bekam einen Touch Deutsche-Bahn-Lounge. Andererseits: Die völlig überteuerte Bar ist auch nichts, was man gesehen haben muss.

Am nächsten Morgen bewies das Interconti, dass die grassierende Unsitte des mittelmäßigen Buffet-Frühstücks zu aberwitzigen Preisen auch bei dieser Kette gern gepflegt wird. Gut, Robbie Williams ist auch im Interconti abgestiegen, aber angesichts seiner Depressionen, war ihm wohl auch alles egal.

Intercontinental
Königsallee 59
40215 Düsseldorf



Für Düsseldorf bleibt die Hoffnung, dass der neue “Breidenbacher Hof”, geführt von Ritz Carlton, vielleicht die edle Alternative zum Plüschpalast “Steigenberger Parkhotel” werden könte (auch wenn das neue Luxushotel, das noch in diesem Jahr öffnen möchte, noch keine funktionierende Homepage hat). Vom neuen “Breidenbacher Hof”, im alten hat Udo Lindenberg übrigens mal als Page gearbetet, lässt sich dann auch wunderbar das absehbare Chaos an der Heinrich-Heine-Allee beobachten. Womit wir wieder bei OB Erwin sind.

Die Heine-Allee, das muss für Auswärtige erklärt werden, ist eine der wichtigsten Verkehrsadern der Innenstadt. Sie grenzt unmittelbar an die Altstadt, weshalb hier auch der wichtigste Taxistand für Altstadtgänger platziert ist. In Düsseldorf aber gibt es zu viele Taxi-Lizenzen. Und Ausgehabenden, also Mittwoch, Freitag, Samstag, stauen sich die Taxis so massiv, dass der restliche Verkehr schwer behindert wird und ausländische Gäste sich dem Glauben hingeben dürfen, Düsseldorf seit tatsächlich eine Metropole. Wegen Taxistau wie in New York, oder so.

Unordnung aber ist OB Erwin so unerträglich wie dem Schwerstheuschnupfer ein Graspollensturm. Und deshalb hat er schon beim großen japanischen Feuerwerk kürzlich den Taxistand dichtmachen lassen. Bald will er ihn ganz schließen. Und die Altstadtbesucher? Die könnten nach kreisenden Taxen Ausschau halten, meint Erwin.  Das klappe doch in Rom oder London auch,  zitiert ihn die “NRZ”.  Was nur beweist, dass Erwin noch nie versucht hat, an einem Samstag Abend im Londoner Westend ein Taxi zu bekommen, eventuell noch unter der erschwerten Bedingung eines Zieles außerhalb der Zone 1 - dann weist der Fahrer den Möchtegern-Fahrgast regelmäßig ab.

Vor allem aber unterscheidet Düsseldorf eines von London: Während in der britischen Hauptstadt die Vergnügungsviertel größtenteils befahrbar sind, gilt das für die Fußgängerzone Altstadt nicht. Sie wird auf der einen Längsseite vom Rhein begrenzt, auf der anderen von der Heine-Allee. Was passierenwird, ist so leicht vorhersehbar, dass selbst Nostradamus nicht orakeln müsste: vor fahrende Autos fallende, schwer angetrunkene Altstadtbesucher. Es wird blutig werden.

Aber vielleicht ist das ja Erwins Ziel: Gäste in der Stadt halten. Und wenn schon nicht in Hotel-, dann wenigstens in Krankhausbetten.

Posted on Freitag, Juni 8, 2007 by Registered CommenterThomas Knüwer in , | CommentsPost a Comment

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