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Schwarzmarkt für Gourmets

Wir modernen und einigermaßen solventen Menschen sind verwöhnte Säcke. Wir haben uns daran gewöhnt, jederzeit zu bekommen, was wir wollen. Und wenn uns jemand das verweigert? Dann erklären wir ihn zum “Kult”, “In-Ding” “Place to be”, nennen ihn “hip”, “begehrt” oder “boomchicawahwah”. Niemand hat diese Kunst der Knappheit besser kultiviert als die Gastronomie. Kein Wunder, dass es in den USA das erste Internet-Startup gibt, das versucht aus der Verknappung begehrter Restaurants Kapital zu schlagen.

Yeah.jpg Prime Time Tables heißt das Unterfangen - und hat sich schon reichlich Ärger eingefangen. Denn ehrlich und offen ist das Geschäftsmodell nicht, wie “Business 2.o” beschreibt. Prime Time Tables  bucht bei begehrten Restaurants in New York, Philadelphia und den Hamptons Tische unter falschen Namen - und verkauft diese Reservierungen weiter. Nachdem anfangs wohl jeder für eine Gebühr buchen konnte, ist der Macher Pascal Riffaud inzwischen umgeschwenkt auf ein Abo-System mit manhattaner Preisniveau: für 450 Dollar im Jahr gibt es 12 Reservierungen, für 600 Dollar  20 mal im Jahr einen Tisch in angesagten Restaurants wie “Babbo”, “Buddha Bar” oder “Jean George”.

So mancher New Yorker Gastronom hat sich schon erheblich erhitzt ob dieser Trickserei, die man auch Betrug nennen könnte. Denn was, wenn die Tische sich nicht weitervermarkten lassen? Dann hat das Restaurant den Schwarzen Peter.  

Andererseits: Ist Prime Time Tables nicht eine logische Konsequenz aus dem Verhalten der Lokal-Betreiber? Schließlich behandeln sie eben nicht jeden Gast gleich. Wer über ein Hotel mit fünf oder sechs Sternen buchen lässt, bekommt in der Regel auch noch einen Platz an Orten, die als ausgebucht angegeben werden, ruft man selbst an. Das zieht sich runter bis in die Ländlichkeit: Örtliche Unterkunftsbetreiber kennen örtliche Gastwirte - und vermutlich gibts dort auch Reservierungsquoten und einen Bonus für die Empfehlung.

Wer nach London kommt, hat es da einfacher. Über London Eating lassen sich viele exzellente Restaurants buchen - einfach, gratis, unkompliziert. Und bisher hatten wir noch nie Probleme mit Reservierungen über diesen Dienst. Ohnehin gibt es in merry old England Lokale mit richtigen, funktionierenden Online-Reservierungen: Man sieht, wann noch Tische zu welcher Zeit frei sind. Klar, kann sich nicht jeder Gastronom leisten - aber wäre es nicht schön, wenn sich der eine oder andere für solche gastfreundlichen Innovationen interessieren würde?

Passiert nichts, ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis der Rummel um angesagte Restaurants zu echten Auktionsplattformen führen - und ein Tisch bei Dieter Müller am kommenden Samstag so teuer ist wie ein Ticket für die Rolling Stones.

Posted on Samstag, Juni 30, 2007 by Registered CommenterThomas Knüwer in , , | Comments1 Comment

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Reader Comments (1)

Wobei bei der Stones-Karte die Musik mit drin ist. Da sieht man mal, wo die Prioritäten in New York liegen - wenn dort knapp 40 Dollar nur für die Bahnsteigkarte zum Trendzug drin sind. Entweder die Leute nehmen dann nur (Leitungs)Wasser und Brot oder es ist ihnen völlig egal, was sie essen, Hauptsache es ist so teuer, dass es die Sitzplatzreservierung rechtfertigt.

Juli 2, 2007 | Unregistered CommenterSebastian

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