Von New York nach Boston: oder straight into the Sommerfrische
Teil I, Connecticut
Sommerzeit ist Ostküstenzeit. Und alle Jahre wieder fragen mich meine Freunde nach Tipps für einen Trip von Big A nach Good Old B. Starten wir also in A, bzw NYC. Reine Fahrzeit bis Boston: knapp vier Stunden. Wir werden allerdings länger brauchen. Tage. Vielleicht sogar Wochen. Denn unterwegs gibt’s viel zu sehen. Aber erstmal machen wir uns eilig auf den Weg. Wir spielen, Stadt, Land, Fluss – und vor allem: Meer.
Wir könnten nach Long Island fahren. Oder ins Hudson River Valley. Aber das sind zwei andere Touren. Und die machen wir auch noch. Heute cruisen wir Richtung Boston. Und, das möchte ich noch mal betonen: Alles selbst erfahren, selbst ersegelt, selbst gegessen, selbst bezahlt. Zum Nachmachen dringend empfohlen, vom Abschreiben wird dringend abgeraten. Das nur als kleiner Hinweis vorab. Ich kenn ja meine Journalisten-Kollegen-Pappenheimer, die das nahende Sommerloch irgendwie füllen müssen.

Mein favorisierter Fluchtweg aus der Stadt an heissen Sommertagen: Der Henry Hudson Parkway. (Route 9A North). Wie der Name schon sagt – erstmal schön am Hudson entlang auf der Westseite New Yorks raus aus dem Rummel. Und dann, statt den Cross Bronx Expressway zu nehmen Richtung Interstate (I) 95 North, ein Stück des Weges den langsameren aber sehr viel gepflegteren, in Wald eingebetteten, und Achtung: sehr hübsch überbrückten! Merritt Parkway (Route 15) entlang fahren und dann erst auf die I95. Wer es im weiteren Verlauf beschaulicher mag, nimmt – zumindest stückchenweise – die alte Poststrasse zwischen New York und Boston (Route 1).

Schlappnüsse, die schon nach einer Stunde eine Pause brauchen, halten in Westport.
Zur körperlichen Ertüchtigung empfehle ich die Longshore Sailing School (die auch einen Ableger in Greenwich, CT hat). Hier gibt’s Boote, Katamarane, Kanus zum Ausleihen oder auch zum Lernen. Die Segellehrer sind meist weiblich, jung, hübsch. Nämlich Studentinnen, die was vom Segeln verstehen und darum freuen sie sich auch über ein gutes Trinkgeld.
Auf dem Gelände übrigens auch ein Golfplatz, Schwimmbad und ein Restaurant mit Bar. Sehr schön für nach der Segelei oder Paddelei. Wer dann übernachten muss, weil zuviel Alkohol, der tut es im Inn at National Hall. Plüsch at it’s best.
Greenwich übrigens haben wir zu diesem Zeitpunkt schon passiert. Da haben wir gar nicht erst angehalten. Greenwich, finde ich, wird überschätzt. Auch wenn es dort sogar eine Douglas Parfümerie Filiale gibt. Das sei nur erwähnt, weil sich meine Freundin Sybille darüber sicher sehr freut!
Ein weiteres Stündchen Fahrt auf der I95 bringt uns nach Old Saybrook. Sehr idyllisch gelegen, denn dort fliesst der Connecticut River in den Long Island Sound.
Übernachtungsmöglichkeiten da oder woanders in Süd-Neuengland findet man hier.
Zirka anderthalb Stunden später lohnt sich das Abbiegen von der I95 nach Stonington. Ein picture-postcard-perfect New England Örtchen, in dem die Immobilien inzwischen unbezahlbar sind. Die perfekte Idylle hat sich seit 9/11 zum beliebten Rückzugsort für stadtgestresste New Yorker entwickelt. Allerdings nicht nur fürs Wochenende. Die Stylistin von Meg Ryan aus Harry meets Sally hat ein Kosmetikstudio eröffnet, der Zeitungskiosk vom Investmentbanker geführt, … und so trifft man auf diverse Manhattan-Flüchtlinge, die die Kitschpostkartenhäuschen tiptop renoviert und modernisiert haben. In dem kleinen Hafen lässt sichs übrigens prima ankern. Falls das hier der ein oder andere Segelfan lesen sollte.
Aber wir sind ja mit dem Auto unterwegs und nicht mit dem Boot. Also einmal um die Ecke gefahren (oder im die Ecke gesegelt) und zum Lunch angedockt bei Abbotts Lobster Shack. Ein Must-Eat mit schöner Aussicht!


Reader Comments (2)
Ein schöner Reisebericht. Und, man glaubt es kaum, nicht einmal den Indian Summer erwähnt. ;-) Macht jedenfalls Lust auf eine entspannte Tour. Fehlt nur noch ein Tipp, wie man sich ein paar Tage frei schlägt. :)
In Stonington lässt sich am Hafen übrigens hervorragend Hummer essen. Und wenn man schon in der Gegend ist, sollte man Mystic Seaport nicht verpassen: Ein riesiges Freilichtmuseum, das die Geschichte der (Segel-) Seefahrt erläutert, inklusive Werften, Tavernen, Schiffsschmiede, Reepschläger. Das Beste sind aber die zahlreichen alten Segelboote, die man sich teilweise sogar zum selbersegeln ausleihen kann. Für nicht ganz so seefeste Mitmenschen gibt es auch Skipper dazu. Wunderbar.