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Newport – oder: mehr als Mansions

Teil II, Rhode Island

Gut gestärkt gurken wir noch ein Stündchen auf der I95 gen Newport, Rhode Island.

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In die Stadt der Segelfanatiker kommt man über die RI-138 East, Jamestown, Newport, Bridges ist ausgeschildert. Über zwei Brücken muss man fahren (zwei Dollar Toll), Jamestown Island hat angeblich kein einziges Haus unter einer Million Dollar im Angebot. Es ist eine der natürlichsten ‚gated communities’ der Welt.

Alternativ kann man die Brücken auch erstmal Brücken sein lassen und in Point Judith im La Cappella Inn übernachten. Eine wunderhübsche Gegend. Mit Orten wie Galilee, Jerusalem, Snug Harbour. Nett auch zum Drumrumsegeln. Aber das sagte ich ja schon. Von dort bis nach Newport zirka 40 Minuten. Im Auto.

Übernachten in Newport kann teuer und ein bisschen muffig sein. Viel Nebel draussen und viel Dekostoffe drinnen geben manchem B&B ein ‚musty feeling’. Ich finde darum das Mill Street Inn ganz gut, es ist etwas moderner und nicht so overkitsched. Wem das alles nicht hochherrschaftlich genug ist, der geht in’s Castle Hill, das ich sowieso JEDEM Newport-Besucher empfehle. Nicht unbedingt zum Übernachten allerdings.

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Ein Sundowner, halb liegend, halb sitzend in einem der Adirondeck-Chairs mit Blick über die Bucht, dazu ein paar Quahogs (mal bestellen und probieren!), reicht völlig aus, um das Vergnügen auszukosten. Dabei den Wahnsinnsbooten beim Einlaufen in den Hafen zusehen, während die Optimisten wie kleine Kohlweissling-Schmetterlinge durch die Bucht flattern – das ist ganz einfach Newport at it’s very best. Unbedingt machen. Es sei denn, es ist neblig. Aber dann läuten wenigstens die Glocken. Nicht die in der Kirche, sondern die in der Boje. Damit die Seefahrer ihren Weg heimwärts finden. Die läuten sonst auch. Aber sonst fällts nicht so auf.

Die Gegend direkt am Hafen sollte man übrigens meiden. Touristenrummel laut und geschmacklos. Eine der wenigen Ausnahmen ist das Atelier von Onne van der Wal. Nautische Fotomotive der besonderen Art!

Was ich sonst noch toll finde: Segeln auf alten America’s Cup Yachten. Telefonisch reservieren ist am Besten. Die nette Dame im Büro ruft an, falls Flaute herrscht und der Törn (am schönsten ist der gegen Abend) verschoben werden muss.

Mitmachen an Bord ist absolut erwünscht. Aber auch Nichtsegler sind an Bord willkommen. Die Skipper haben tolles Seemannsgarn über das berühmteste aller Segelrennen auf Lager. Man merkt; hier hat es noch keiner so richtig verwunden, dass die Schweizer (ausgerechnet!) den Cup nach Europa geholt haben und Newport in Sachen America’s Cup bis auf weiteres ‚nur’ die Historie verwalten darf.

Apropos: zur Historie des Segelns zwei unbedingt sehenswerte Orte: Die International Yacht Restauration School, von der Seglerin Elisabeth Meyer aus der Taufe gehoben. Hier kann man besichtigen, wie alte Yachten mit viel Liebe wieder auf Vordermann gebracht werden.

Und auf einer Scenic Route, vorbei am Ida Lewis Yacht Club – übrigens eine andere mutige Frau Newports (Leuchturmwärterin und Coastguard bereits 1857) – geht’s zum Museum of Yachting. Am besten hat mir das alte Filmmaterial gefallen. Ted Turner nach dem America’s Cup Sieg 1977 in bester „I’m the king of the world”-Manier. Schade, dass er heute gelegentlich ziemlich depressiv auf seiner Farm in Montana rumsitzen soll. Sagt zumindest Jane Fonda, seine Ex-Frau. Die hat’s mir beim Lunch in New York erzählt (not kidding). So ist das also. Ruhm ist vergänglich.

Aber zurück auf die Scenic Route – die sich nach dem Museumsbesuch perfekt mit einem Besuch in einem der Newport Mansions abrunden lässt. Im Sommer übrigens besonders nett – und sozusagen im Preis inbegriffen – wenn man zu einem der Konzerte des Newport Music Festivals geht. Die Organisatoren gehören allesamt zur Newport Society und sind ein wenig bekümmert, dass ihre Konzertreihe in Sachen Bekanntheit hinter dem weltberühmten Tanglewood Festival hinterherhinkt.

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Es hat schon was Bizarres, abends beim Klavierkonzert in der Prachthalle des ‚The Breakers’ zu sitzen. Inmitten einer Deko aus gelben Chrysanthemen, wie sie schlimmer nicht für eine Beerdigung ausgesucht worden sein könnte. Die älteren Herren der Gesellschaft im seit 20 Jahren durchgeschleiften Smoking, die Damen im Glitzerdingsbums, für das sie 20 Jahre zu alt sind. Leider will ‚Great Gatsby’-Feeling da nicht so recht aufkommen. Wenn ich was zu sagen hätte in Newport, dann würde ich das Festival mal kräftig entstauben. Ostküstentraditionalisten werden da sicher heftig widersprechen.

So, kurzer Verschnauf, damit wären wir mit Newport erstmal durch.

Ach, da fällt mir doch noch was ein. Kostenloser WiFi-Hotspot bei Panera in der Long Wharf Mall, schräg gegenüber vom Newport Harbour Hotel. Leckere Salate, Pastries, Sandwiches (für alle Segler, die nicht in Newport-Hafen liegen und atemberaubende Liegegebühren berappen, dann ist WiFi inklusive).

Posted on Samstag, Juni 23, 2007 by Registered CommenterKatja Marjan in , , , , , | CommentsPost a Comment

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