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"Bobotie", Köln: Hörrens, isch sach Ihnen, fast wie am Kap

Die Gastronomie ist eine Branche, die in einem Punkt seit einigen Jahren leicht auszurechnen ist: Hat ein Land den Sprung zum Massentourismus geschafft, tauchen bald in Deutschland die ersten Restaurants mit den dort bevorzugten Spezialitäten auf. So wurden im Laufe der Jahre aus chinesischen Restaurants Thai-Läden und kaum machte der Balkankrieg die Reisen nach Jugoslawien unmöglich, verschwanden die Cevapcici-Köche. Dies ist auch der Grund, warum wir bald quer durch die Republik noch mehr Vietnam-Lokale sehen werden - in Berlin gibt es schon mehr rohe Frühlingsrollen als Sol-Eier.

Die nächste Welle steht schon vor der Tür, das ist so sicher wie das Schnitzel in Wien: südafrikanische Restaurants. Das ist  ja auch nicht schlimm sondern angesichts der dortigen Küche bejubelnswert.

 Ein erster Vorbote ist das “Bobotie” in Köln, zentral gelegen, nahe dem Neumarkt. Von außen wirkt es dunkel und unnahbar, die Zebra-Streifen an der Tür erinnern an die Ranger-Wagen im Safari-Park Stuckenbrock. Doch innen wird es heimelig. Beige-graue Wände, afrikanisches Design, im vorderen Bereich eine kuschelige Lounge mit Bar, hinten ein überschaubar großes Restaurants.

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 Natürlich hat auch dieses Lokal, das gehört sich so, eine kleine Geschichte. Mit-Besitzer ist der Kapstädter Paul Stern, Regisseur und langjähriger Spielleiter der Bonner Oper. Sein Großvater war Top-Koch, ist der Karte zu entnehmen und der Gast soll wohl assoziieren, dass handwerkliche Fähigkeiten immer eine Generation überspringen. Kann ich bestätigen: Mein Vater war Elektro-Meister, ich kann gerade mal ne Glühbirne sauber reindrehen.

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Stern aber kocht nicht, er bewirtet. Davon versteht er was, der Service glänzt mit jener herzlichen Freundlichkeit, die wir aus Südafrika kennen. Und wie es sich gehört, kann er auch Weine zu den einzelnen Gerichten empfehlen. So schwer ist das allerdings nicht. Die Weinkarte beschränkt sich auf magere drei Sorten - das geht am Kap aber besser.

Das Essen bietet fast alles, was Südafrika ausmacht. Zum Beispiel Straußenfillet in Feigen-Tamarinden-Soße (Foto) - fast perfekt, auf zwei Tellern entpuppt sich eines der drei Stücke als etwas zäh. Es wäre aber vermessen, die Fleischqualität zu erwarten, die in Südafrika serviert wird - dazu ist der Transportweg zu weit. Sehr lecker sind die dazu servierten knusprigen Maisplätzchen.

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 Auch Kingclip gibt es, jene extrem leckere Fischsorte, hier gibt es sie mit Tomaten-Kokos-Soße (Foto unten). Und natürlich Blessbock und Springbock. Schade nur, dass  Kudu fehlt, jenes herzhafte  Büffelfleisch.
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Derzeit wird das “Bobotie” von der Kölner Presse reichlich bejubelt und man ist geneigt, diesem äußerst sympathischen Restaurants die Lobhudelei auch zu gönnen. Doch ganz makellos ist der Abend nicht: Das kap-malayische Hühnchencurry gefällt nicht und ist im Gegensatz zu den anderen Gerichten auch eher übersichtlich portioniert.

 Dafür entschädigt der Nachtisch. Auf der Karte ist er nicht zu finden, was auf täglich wechselnde, frische Alternativen schließen und hoffen lässt. Bei uns gab es ein Trifle, also jenes englisch-(oder irisch-?)stämmige Dreischicht-Dessert, angerichtet mit Kapstachelbeeren - eine Mischung aus Urlaubserinnerung und Kindergeburtstagsfreude rutscht die Kehle runter.

Am Ende schaut auch Co-Chef Stern am Tisch vorbei. Ob alles gut war? Ja, es war gut. Nicht sensationell, aber wiederholenswert - und das beste, was wir an südafrikanischer Kost bisher in Deutschland bekommen haben. Das “Bobotie” wird uns wiedersehen.

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Bobotie
Marsilstein 9 - 13
50676 Köln


Posted on Freitag, Juni 22, 2007 by Registered CommenterThomas Knüwer in , | Comments2 Comments

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Reader Comments (2)

Trifle gab es am Samstag auch, alternativ aber außerdem einen köstlichen Don/Dom Pedro mit Amarula als Basis. Lecker!

Ansonsten ist der Kritik oben nicht viel hinzuzufügen. Außer vielleicht der aktuellen (August 2007) Wartezeit für eine Tischreservierung: Ca. drei Wochen für einen Tisch am Wochenende bzw, eine Woche für einen Tisch unter der Woche.

August 6, 2007 | Unregistered CommenterHarald Lux

Was für eine herbe Enttäuschung: Selten sind wir in einem unserer häufig besuchten Lieblingslokale so schlecht bedient worden!
Unsere vom Chef bestätigte Reservierung lag plötzlich nicht mehr vor - und erst nach Vorlage der ausgedruckten Email glaube man uns, dass wir reserviert hatten. Schön, wenn ein Gastronom soviel Vertrauen in die Ehrlichkeit seiner Stammgäste hat!
Aus Südafrika selbst sind wir perfekten Service und Zuvorkommenheit gewöhnt. Doch der Chef des Bobotie, Paul Stern, scheint die deutsche "Servicewüsten-Mentalität" schnell adaptiert zu haben. Für den Fehler seitens des Boboties kam kein Wort der Entschuldigung über die Lippen des Chefs oder der Kellner. Nicht das kleinste Entschuldigungs-Getränk wurde uns angeboten. Nicht während der Wartezeit auf unseren improvisierten Tisch, noch danach. Ein echtes Armutszeugnis für ein so hochpreisiges Lokal.
Zu fünft wurden wir schließlich an einen für vier Personen vorgesehenen Tisch gequetscht. Anstelle der noch immer ausstehenden Entschuldigung fragte der Chef uns vorwurfsvoll, "was wir denn wollten?" - Zehn Minuten Wartezeit wäre bei ihnen normal und wir hätten doch jetzt unseren Tisch bekommen. Naja - die Wartezeit belief sich bei uns zwar auf das Doppelte und zu dritt auf eigentlich für zwei Personen vorgesehene Plätze gepfercht zu werden, war sicherlich auch nicht entsprechend unserer Buchung.
Das war also einmal unser Lieblingsrestaurant, das wir immer gerne empfohlen haben. Wir können nach diesem Besuch nur sagen: Chef, Kellner und Preise sollten sich hier ganz dringend bemühen, die Bodenhaftung wieder zu erlangen. Wir empfehlen dem Bobotie dringend eine Schulung vor Ort in Südafrika - dann klappts vielleicht auch in Düsseldorf

Oktober 26, 2008 | Unregistered CommenterOlaf Schumann

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