Herr Spoerl, Düsseldorf
Zwar lebe ich in Düsseldorf, doch bin ich ja kein wirklicher Freund dieser Stadt. Es gibt jedoch einige Orte, die das Wohnen hier erträglich machen. Dazu gehört jener Innenhof an der Tußmannstraße. Unscheinbar ist er und wer nicht weiß, was sich in ihm befindet, würde wohl nicht den Torbogen betreten. Nach einigen Schritten öffnet sich ein Paradieschen, das eher nach Berlin-Mitte passen würde, als hier in den Norden der Möchtegern-Metropole. Ein Schmuckladen ist dort, ein Handtaschenmacher, ein Architekt - und Herr Spoerl.
Jener Herr allerdings lebt nicht mehr in fleischlicher Form. Einst gehörte dieses Areal zur Druckmaschinenfabrik J. H. Spoerl. Dieser Dynastie entsprang Heinrich Spoerl, der Autor der “Feuerzangenbowle”. Sein Sohn Alexander gelangte als Motorjournalist zu Nachkriegsbekanntheit. Und seit 15 Jahren residiert das “Herr Spoerl” im ehemaligen Torhaus der nicht mehr existenten Fabrik.
Hier gibt es das vielleicht beste Frühstück der Stadt. Und das späteste - bis 18 Uhr nämlich, was den Wochenendausgänger sehr freut. Kein schmuddeliges Buffetbrunch wird gereicht und keine hektisch aufgerissenen Schmelzkäseeinzelpackungen, sondern toskanische Kost vom Wundervollsten: Wildschwein- und Fenchelsalami, zum Beispiel. Oder ein Omelette mit so reichlich Kräutern, als habe der Koch gerade Mutters Garten geplündert.
Überhaupt: der Koch. Ein bedauernswerter Mensch. Er fuhrwerkt in einer Winzküche die Wünsche der Gäste ab, die am Wochenende spätestens um 12 jeden Platz füllen. Dann wird es laut in den zwei Räumen mit den wackligen, vom Leben verdunkelten Stühlen, füllen sich die Aschenbecher aus dem Antiquitätenladen mit Selbstgedrehten und der halb erblindete Spiegel hat schon viele neue Liebschaften entstehen sehen - das “Spoerl” ist auch ein Single-Treff der Kreativbranchen.
Schöner noch ist es des Sommers im Innenhof. Gutes Wetter passt so wunderbar zur Küche, egal ob Wiener Schnitzel oder warmer italienischer Kartoffelsalat mit toskanischer Bratwurst. Auch die Desserts sind zu empfehlen, selbst wenn sie so banal erscheinen wie ein Bananenquark - es sind die einfachen Dinge des Kochens, die beim “Spoerl” in Perfektion gepflegt werden. So auch der Milchkaffee, der wohl auch als der beste des Düssel-Dorfs gelten muss. Serviert wird er mit kleinen Marzipan-Keksen, hausgemacht, natürlich, und in größeren Mengen als Extra orderbar.
So fliegen sie dahin, die Stunden bei “Herrn Spoerl”, man bleibt gern. Auch weil die Bedienung, noch ein Superlativ, nicht die schnellste hier ist - aber die definitiv freundlichste und fröhlichste. Woher die Betreiber diesen motivierten Nachwuchs bekommen, ist eine berechtigte Frage.
Kein Wunder, dass auch erhitzte Gemüter schnell beruhigt werden. Eines Tages, so berichtet eine “Spoerl”-Legende, erschien eine wütende Dame. Spoerl hieß sie, Inge Spoerl, die Schwiegertochter des Feuerzänglers und Witwe des Autotesters. Und ihr gefiel es gar nicht, dass ein Lokal mit dem Familiennamen warb. Zwei Milchkaffee, italienisches Landbrot und ein langes Gespräch veränderten die Lage. Sie schickte ein Spoerl-Buch und schrieb hinein, wie schön es doch sei, in Düsseldorf-Pempelfort, bei “Herrn Spoerl”.
Herr Spoerl
Tußmannstr. 70
40477 Düsseldorf
(Derzeit keine Homepage)


Reader Comments (3)
Ah! In diesen Innenhof habe ich mich mal verlaufen, aber den Herrn Spoerl habe ich wohl übersehen.
Da fällt mir was ein: Es gibt da in Düsseldorf einen Herrn, der mir letztes Jahr bei jedem - wirklich: jedem - von circa fünfzehn Besuchen der Altstadt über den Weg gelaufen ist und das in der Regel innerhalb gastronomischer Räumlichkeiten. Circa vierzehn von fünfzehn Malen in der <Zicke>. Gerne im Anzug, fast immer im dunkelblauen Trenchcoat und - spätestens jetzt müßtet Ihr ihn erkennen, wenn er das Original ist, für das ich ihn halte - er klingt hundertsiebenprozentig wie Gerhard Schröder. Stimme, Tonfall, regionale Färbung, alles. Unheimlich. Bekannt?
Mmh - nicht, dass ich wüsste. In der "Zicke" bin ich aber nur selten. Ich halte mal Ausschau. Altstadt-Originale gibts allerdings auch reichlich: Der Düsseldorfer trinkt gerne aushäusig...
Es freut mich Herr Spoerl bei Euch anzutreffen. Es stimmt: Für das Frühstück hier lohnt es den eigenen Herd kalt zu lassen. Schön sitzen kann man drinnen und auf der Terrasse (also für jede Jahreszeit geeignet), Publikum und Service sind sympatisch und noch ein Vorteil hat es: es gibt die FAZ.