Roatan, Hamburg
Fragt man in Hamburg lebende Menschen, ob sie schon einmal von jenem honduranischen Restaurant gehört haben, dessen Name mir immer entfällt, frage ich jemand danach, ist die Antwort immer die gleich: “Honduranisch? In Hamburg? Nö.”
Erwähnt man dann die Osterstraße, fällt der Groschen oft. “Das ist ein Restaurant?”, wird oft gefragt, gefolgt von der Bemerkung, der Einheimische habe das Lokal für eine Rotlichtbar, eine Nachbarschaftskneipe für Ur-Hamburger der Blohm-&-Voss-Fraktion oder eine Imbissbude gehalten.
Vielleicht ist es nur eine neue Einrichtung aus dem von hippen Hamburgern bevorzugten Glas-Stahl-indirekte-Beleuchtung-Katalog, die zwischen dem “Roatan” und einem Ruf wie Donnerhall liegt. Wie eine Strandbude auf Speed wirkt die Mischung aus dunklem Holz, an die Wand geklebten Plastik-Leguanen und einer Taucherszenerie aus Spielzeugartikeln.
Vergessen ist all das, wenn das Essen kommt. Denn das ist großartig. Nix ist mit Fusion und Vermischung, es gibt karibische Küche in allen Variationen. Allein die liebevollen Kommentare auf der Karte lassen einen schon die halbe Auswahl ordern. Doch kommt erst jene halbierte und mit Hühnchen-Curry gefüllte Ananas auf den Tisch ist klar: Ohne Nachtisch gehen wir nicht nach Haus. Die Preise sind dabei nicht ganz unten, aber für Hamburger Verhältnisse vernünftig gehalten, aufwändigere Hauptgerichte gibt es für knapp über 15 Euro.
Und wenn dann der zweite Cocktail angetrunken ist, dann entwickeln sogar die anfangs unerträglichen, in immer neuen Rhytmen vor sich hin blinkenden Leuchtbälle, eine fast psychodelische Faszination - auch wenn es die Art von Psychodelik ist, die man ansonsten beim Besuch einer erleuchteten Kirmes in volltrunkenem Zustand erlebt.


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