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"Spice Market", New York: Vongerichtes Dunkelkammer

Den Witz kennen Sie ja sicher:

Ober: “Mein Herr, wie fanden Sie Ihr Steak?”
Gast: “Ach, ich hab das  Salatblattblatt weggeschoben und - zack - da war’s!”NYC%20Okt.jpg

Im New Yorker “Spice Market” geht das etwas anders. Da lautet die Antwort des Gastes: “Ich hab mein Handy angeschaltet und dann konnte ich endlich etwas sehen.”

Es ist keine Übertreibung: Ich war selten in einem Restaurant, in dem es dunkler war. Nein, Korrektur: Einmal war ich schon in einem Lokal, das dunkler war, es war das Café zur Blindenausstellung “Dialog im Dunkeln” - und dort gab es überhaupt kein Licht.

Vielleicht gehört das alles ja zum Konzept. Und Konzept ist immer wichtig, wenn Jean-Georges Vongerichten sich ein Restaurant erdenkt. Vongerichten ist in Deutschland relativ unbekannt. Noch. Irgendwann wird er sicher auch in Germany etwas aufmachen, schließlich macht er sonst ja auch vor keinem Land halt. 17 sind es schon, von New York über Paris bis Schanghai. 

Das klingt negativ, nach Kette und Beliebigkeit, doch so ist es nicht gemeint. Vongerichtens Restaurants sind immer neu, immer anders und selten ist etwas Negatives über ihre Qualität zu lesen oder hören. Wir selbst waren schon in seinem wunderschön gestylten “Market” in Paris - und waren schwerstens angetan. Vongerichten steht dabei nicht so richtig für einen einheitlichen Stil, meist aber paaren sich europäische mit asiatischen Einflüssen, Fusion, eben, aber im positiven Sinn. Wer mehr über ihn erfahren möchte, dem sei die exzellente Reportage von “Time” aus dem Sommer empfohlen.

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Das “Spice Market” liegt mitten im Meatpacking District und hat von außen das Ambiente eines Lagerhauses erhalten. Innen gibt es dann Vongerichtens Version asiatischer Nachtmärkte. Zwei Stockwerke gibt es hier, unten einen großen Raum, oben eine Art Umlauf, der eine Empore zum Raum darunter bildet, sowie einen weiteren, offenen Raum zur ebenfalls offenen Küche, in der eine stattliche Mannschaft werkelt. Das Ambiente ist authentisch dank mittelbrauner Möbeln meist indonesischen und chinesischen Stils - eine sehr edle Atmosphäre. Hier ein Eindruck noch bei Tageslicht:
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Einen Tisch zu bekommen scheint zumindest innerhalb der Woche kein Problem: Wir kommen mittags zufällig vorbei und können für den Abend reservieren. Zur angegebenen Zeit aber ist der Tisch noch nicht fertig, wir werden an die Bar gebeten. Dort trinken wir den schlechtesten Gin Tonic seit Teenagerzeiten, besser: Wir lassen ihn stehen. Offensichtlich wird hier eher billiger Gin verwendet - davon aber viel.

Das Studium der Karte am Tisch wird dann zur Augenprobe. Denn wie gesagt: Im “Spice Market” ist es dunkel. Sehr, sehr dunkel. Weshalb bei unseren Fotos auch der Blitz für eine etwas abstoßende Farbe der Speisen sorgt. Mutmaßlich sahen sie 22102007527.jpgbesser aus, genau können wir das aber auch nicht sagen. Die Winzkerzen machen die Lage nur wenig besser, am Nebentisch greifen zwei sichtlich verärgerte Damen tatsächlich zum Mobilfunkgerät: Das Displayleuchten ist der einzige Ausweg, Handys mit eingebauten Taschenlampen erscheinen als sinnvolle Innovation.

Wir entscheiden uns für das Tasting Menü, “12 Flavours in 6 courses” werden uns versprochen. In der Realität bedeutet das: Meist kommen zwei Speisen gemeinsam. Sie kommen aus ganz Asien, von Thailand über Vietnam bis China. Einiges wirkt wirklich wie eine Edel-Version der Häppchen, die wir von Nachtmärkten kennen.

 Den Reigen eröffnet Sashimi mit fruchtiger Kokos-Tamarinden-Soße und vietnamesischen Frühlingsrollen mit scharfer Soße, arrangiert zu einem sehr hübschen Hummer-Schwanz. Es folgen Zwiebelringe und Avocado mit einer sauscharfen Soße sowie sehr, sehr leckere Shrimps mit schwarzem Pfeffer und getrockneter Ananas. Dritte Runde: Hühner-Wan-Tans mit Koriander-Minz-Soße sowie Saté-Spieße mit Mixed Pickles.22102007529.jpg

Puh - Halbzeit. Man kann den “Spice Market” wirklich nicht vorwerfen, dass man hungrig herausgeht. Schon nach drei der sechs Gänge ist klar: Das wird hier ein Kampfessen. Aber so leicht haben wir vor großen Portionen noch nie kapituliert - also weiter.

Es folgen die eigentlichen Hauptspeisen: Zum einen ein leckeres aber wenig überraschendes Grillhuhn mit gebratenem Reis, sowie ein dafür umso besserer Heilbutt mit malayischer Chili-Soße. Warum erst danach ein vegetarischer Einzelgang mit Mais und Brokkoli gereicht wird, haben wir nicht begriffen. Das hätte besser vor Huhn und Fisch gepasst.

Bleiben noch drei Dessert-Gänge. Zunächst der unvermeidliche Klebreis, den ich entweder liebe oder nach dem ersten Bissen liegen lasse - dazwischen gibt es kaum etwas. Diesen - mit Papaya - finde ich wunderbar. An unserem Dreier-Tisch allerdings eine Einzelmeinung. Danach gibt es Granatapfel - zur Zeit das hippeste Obst im Big Apple - mit Milchsoße, gefolgt von den obligatorischen, aber sehr guten, gebackenen Bananen, die sich an einen Schoko-Gateau schmiegen, dazu süßes Popcorn.

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“Uff”, sagen wir drei am Ende. Wer hier das Menü wählt, sollte sich den Tag über mit Essen zurückgehalten haben. 75 Dollar zahlen wir pro Person - das ist angesichts der Menge und der über weite Strecken guten Qualität fast geschenkt. Nicht alles im Menü war augenrollendmachen lecker - aber einen richtigen Durchfaller gab es auch nicht. Und deshalb ist das “Spice Market” durchaus den Besuch wert. Tolerieren muss man allerdings einen teilweise unbeholfenen aber dafür freundlichen Service. Vielleicht aber sind die Kellnerinnen und Kellner ja ganz fähig - nur sehen sie halt genauso wenig wie die Gäste. 

Spice Market
403 W 13th Street
(zwischen 9th Ave & Washington St)
New York, NY 10014 

 

Posted on Mittwoch, Dezember 5, 2007 by Registered CommenterThomas Knüwer in , | CommentsPost a Comment

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