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Newcastle: Zwischen Moderne und Scottish Pie

“Oh”, sagt der Kollege am anderen Ende der Leitung. “Oh” wie in “Oh, Du arme Sau” oder “Oh, bin ich froh, dass ich nicht an Deiner Stelle bin.”

“Oh”, das sagt er, als ihm erzähle, dass ich gerade in Newcastle bin. Und noch zwei Tage vorher hätte ich wahrscheinlich auch zu jemand, der auf Reisen in Newcastle ist “Oh” gesagt. Denn ich bin zwar ein großer Freund des Vereinigten Königreichs, doch erinnerte mich das, was ich über Newcastle gelesen hatte sehr an Birmingham: Ex-Industriestadt, nach langer Krise im Wandel, jetzt viel modernes. 20112007657.jpg

Mit großen Erwartungen waren wir bei unserem Urlaub in den Cotswolds nach Birmingham gefahren - und waren ziemlich enttäuscht. Vorfreude hat auch nicht der Inspektor-Jury-Krimi “Karneval der Toten” ausgelöst, der in Newcastle spielt und die Stadt eher grau beschreibt. Kaum schaue ich hoch bei der Fahrt in die Stadt, da sehe ich ein graues Hotel namens “Jury Inn”.

“Newcastle ist zwei Städte”, erklärt mir der einheimische Fotograf, der mich bei der Arbeit unterstützt hat. Jetzt, an einem Dienstag, würde ich die ruhige Variante erleben. Die dauere von Sonntag bis Dienstag. Mittwochs bis Samstags dagegen sei Party angesagt. Newcastle ist der zentrale Anlaufpunkt für die Junggesellen- und -gesellinnenpartys im Norden Englands. Die aber kämen eben von Mittwoch bis Samstag.

Heute Abend aber regnet es gewaltig und die Stadt ist bedrückend leer. Wie in einem Science-Fiction-Film fällt das Wasser von den beiden hohen Brücken, die Autos über den Tyne in die Stadt führen. Das Viertel am Wasser gibt ein aufgeräumtes, melancholisches Bild einer Hafenstadt ab. Sollte Newcastle gar schön sein?

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Ja. Bei Tageslicht ist die City so, wie ich mir eigentlich Birmingham vorgestellt hatte. Da kontrastiert die historische Flussfront und die alte Drehbrücke mit der halbrunden Fußgängerbrücke, die bei herannahenden, großen Schiffen hochgeklappt wird. Und mit “The Sage”, einer Konzerthalle riesigen Ausmaßes und von eleganter Architektur. Ebenfalls am Fluss liegt das Baltic, ein mehrstöckiges und besuchenswertes Museum mit zeitgenössischer Kunst. Ohnehin: Kunst. Leider  hatte ich nicht die Zeit für Laing Art Gallery und die Biscuit Factory, einer Art Shop-in-Shop-Konzept für Kunst von 20 bis 200.000 Pfund. 

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Weiter die Stadt hinauf liegt eine angenehme Fußgängerzone, gesäumt von typischen, englischen Sandsteinbauten. Shoppen kann man hier auch - allerdings mangelt es an echten Luxusläden. Grainger und Grey Street sind die bevorzugten Einkaufsstraßen, Fenwick das größte (und wirklich große) Kaufhaus. Auch Arkaden gibt es, wie so oft in Städten, die nicht bekannt sind für regenfreie Tage. 21112007681.jpg

Und einen überdachten Markt, in dem es einen einzigen Käsestand gibt, dessen Besuch unbedingt angeraten sei. Englischer Käse - herrlich. Vor allem die Weymouth-Varianten mit Früchten und der heimische Northumbrian haben mir geschmeckt. Das allerdings erst daheim, denn zu einem Lunch auf einem englischen Markt gehört eher ein Scottish Pie mit Matschkartoffeln und fetter Soße, während man die tattrigen Einheimischen beim Mittagessen an dem Ort betrachten, zu dem sie schon kommen, seit die Beatles sich getrennt haben.

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 Wie muss es hier wohl Samstags zugehen, wenn Newcastle United Heimspiel hat. Allgegenwärtig ragen die Dachträger der Tribüne über die Dächer der Einkaufspassagen und Wohnhäuser. Keine fünf Minuten zu Fuß vom Monument, dem zentralen Platz liegt das Stadion von Newcastle United. Wer könnte ruhig bleiben, wenn das Flutlicht über der Stadt glüht und die Fans in den schwarz-weiß gestreiften Trikots, Toon Army, nennt man sie, ihre Gesänge anstimmen?

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“Du hast Glück”, sagt mein Newcastleaner Begleiter: “Am Wochenende würdest Du in Deinem Hotel kein Auge zumachen. Wohl wahr. Denn im Erdgeschoss des “Waterside Hotel” liegt “Jimmyz Bar”, gegenüber zwei weitere Cocktail-Anreichungen. Hier, direkt an der Quayside toben am Wochenende die Hen- und  Stagnights.

Das Hotel ist ansonsten angenehm. Der Service ist extrem freundlich, das Bett aber mit 80 Zentimetern im Einzelzimmern sehr schmal - und viel zu weich. Das gesamte Haus ist erst kürzlich renoviert worden und das ist zu spüren. Es als Design-Hotel zu bezeichnen, wäre übertrieben. Doch es hat sich jemand Gedanken gemacht, was hübsch und modern aussehen könnte.

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72,50 Pfund kostet mich das Einzelzimmer inklusive Frühstückt. Für Newcastle-Verhältnisse ist das annehmbar. Denn die Stadt hat ein Hotelproblem. Eigentlich gibt es nur zwei Arten von Herbergen: Plüschige, muffige Kästen für die Konferenzbesucher - zu üppigen Preisen; und billige Hotels, deren Inneneinrichtung vor allem auf die leichte Entfernung menschlicher Exkremente, ausgestoßen von schwer alkoholisierten Gästen, ausgerichtet ist. 

Die aber kommen erst ab Mittwoch. Und so sollte, wer in der Gegend ist, durchaus ein oder zwei Tage in Newcastle einplanen - es lohnt sich. Mehr als ein oder zwei Tage aber wären nicht gut. Denn so viel gibt es dann auch wieder nicht zu sehen - außerdem ist die Gefahr groß, dass es dann schon wieder Mittwoch ist. 

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Posted on Freitag, November 30, 2007 by Registered CommenterThomas Knüwer in , | Comments3 Comments

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Reader Comments (3)

Bei meinem letzten Besuch in Newcastle war ich im Hilton Newcastle Gateshead Hotel einquartiert. Das dürfte eine gute Alternative zu den muffigen Kästen und den Billigabsteigen sein. Ich glaube, ein Einzelzimmer (inkl. Frühstück) hat so 120 Pfund gekostet.

November 30, 2007 | Unregistered Commentercut

Ahem, von (Englischen) Fussball hast Du aber nicht so furchtbar viel Ahnung, oder?

Aaaalsoooo: Wenn ueberhaupt heisst das Stadion nicht "City of Light Stadium", sondern "Stadium of Light". Allerdings ist das dann nicht das Stadium wo Newcastle seine Heimspiele hat, sondern die Heimat von Sunderland A.F.C. Und die ist etwas mehr als 5 Minuten zu Fuss vom Monument entfernt.

Newcastle United ist im "St James' Park" zuhause.

Nicht dass das nachher noch jemand liest der zu einem Spiel will und sich wundert wieso er beim falschen Spiel ist...

Dezember 16, 2007 | Unregistered CommenterArmin

In der Tat ein peinlicher Fehler - sorry.

Dezember 16, 2007 | Unregistered CommenterThomas

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