Wein 2.0 ist noch Gähn.0
In wie vielen Communities kann ein einzelner Mensch Mitglied sein? In vielen anscheinend. Zumindest glauben das die Macher der Communities und heutzutage gibt es solche Gemeinschaften zu allen Themen. Die Idee einer Wein-Community ist dabei offensichtlich: Wein-Freunde regen gerne über ihre Lieblinge, sie empfehlen sich gegenseitig Tropfen, sie katalogisieren sie gedanklich beim Probieren und sie bestellen reichlich über das Web. 
Und in der Tat gibt es Wein-Communities. So berichtet Techcrunch heute, dass Snooth nach 300.000 Dollar Anfangsinvestment eine weitere Finanzspritze bekommen hat: eine satte Million Dollar. Das ist doch mal einen Blick wert. Nur leider ist er relativ enttäuschend. Das Teil ist nett programmiert, sieht hübsch aus. Doch bis auf die Hauptfunktion ist nicht viel los: Nutzer können Weine bewerten und beschreiben, auf Basis ihrer Bewertungen erhalten sie Empfehlungen. Um das als Basis für ein Weinportal zu entwerfen, muss man kein Genie sein. Mehr aber hat Snooth anscheinend nicht zu bieten. Noch dazu zeigt die Seite auch, dass es ganz ohne Redaktion auch nicht geht. Wer einigermaßen populäre Flaschen sucht, findet mehrere Varianten, mal mit Jahrgang, mal ohne. Auf diesem Stand ist Snooth ein Reinfall.
Aber Techcrunch listet ja noch Konkurrenten auf. Winelog, zum Beispiel. Dort gibt es wenigstens ein paar zusätzliche Artikel in Form eines Blogs. Alle paar Tage rafft sich da jemand auf und schreibt ein paar kärgliche Zeilen. Das ist so langweilig, dass auch niemand kommentieren mag - wohlgemerkt, keine Kommentare bei einem Community-Angebot!
Vielleicht hat Tastevine mehr zu bieten? Ähm, nein. Bei einer Stichprobe habe ich nur sehr wenige Weine gefunden. Und deren Erläuterungen sind extrem dünn. Und Vinorati? Nicht besser. Auch dort tut sich wenig.
Genussblogs, schrieb Benedikt Köhler kürzlich, seien die neuen Stars der Blogosphäre. Es wäre nur logisch, wenn sich das bei Communities genauso spiegel würde. Noch aber fehlen ganz offensichtlich die Ideen. Das aber hat ja noch nie einen deutschen Möchtegern-Gründer davon abgehalten ein dürftiges US-Geschäftsmodell zu kopieren. Freuen wir uns also bald auf die erste deutsche Wein-Community, die eine verdächtige Ähnlichkeit mit Snooth haben wird.


Reader Comments (3)
schau mal hier: gurudelvino.com
bin selber kein weinfan, weiss also nicht inwieweit das was taugt.
Na ja, wahrscheinlich muss man kein Weinfan sein, um herauszufinden, dass sich gurudelvino nahtlos in die oben beschriebenen Communities einordnet. Ein Wein mit drei Empfehlungen bringt es auf die Liste der meistempfohlenen Weine, ohne allerdings einen einzigen Kommentar zu haben. Auch die Bedienung ist suboptimal: Die Suche nach meinem neuseeländischen Lieblingsweingut "Te Mata" liefert 300 Treffer, unter anderem "San Román" vom Weingut "Bodegas y Vinedos Maurodos". Wenn gurudelvino mit seiner Selbstbeschreibung "... ein komplett neues, revolutionierendes Konzept und es braucht ein bißchen, bis man damit umgehen kann" (Fehler wie im Originaltext) meint, dass die Benutzerfreundlichkeit bei der Erstellung des Angebots zweitrangig war, kann ich nur zustimmen. Auch dass die Charakterisierungen der Weine entweder auf Deutsch oder auf Englisch oder auf Spanisch verfügbar ist, erhöht die Verständlichkeit nicht gerade.
The Stig hat Recht mit der Beschreibung von gurudelvino. Es fehlt eindeutig an Professionalität. Allerdings sehe ich hierbei noch ein größeres Potential als bei den anderen Websites, denn wenigstens von den Funktionen her bietet die Seite weit aus mehr. Ich spreche gerne Englisch und finde es zumindest interessant einige der Artikel auch in dieser Sprache zu lesen. Sie befindet sich anscheinend erst in der Beta Phase und weisst bisher kaum Mitglieder auf. Vielleicht tut sich da ja nochmal was.