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Das Wunder von Marrakesch – Der Platz der Gaukler

Marrakesch. Welch ein Name! Sprechen Sie ihn laut aus: M a r r a k e s c h. Man kann sich schon dem Reiz dieses Wortes nicht entziehen. Es steht in einer Reihe mit Sansibar, Tahiti, Bora Bora und der Copacabana. – Marrakesch – wem erscheinen beim Klang dieses Ortes nicht sofort Bazare, Oasen, Dünen und Kamele vor dem geistigen Auge? Was für eine Stadt!

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Um der Wahrheit die Ehre zu geben: wenn ich von Marrakesch rede, dann von der Altstadt. Oder um noch genauer zu sein, vom Bazar und dem Platz der Gaukler, dem Djemaa el Fna . Der restliche Stadtkern sowie die Vororte sind eine Ansammlung von seelenlosen Zweckbauten, bei denen man meinen könnte, sie würden nur von den Dutzenden der oberirdischen Stromkabel am Zusammenbruch gehindert. Marrakesch ist also leider auch nur eine der unzähligen, urbanen Scheußlichkeiten, wie man sie in Afrika zu Hauf findet. In der Mitte der Stadt jedoch wartet ein Juwel, das seinesgleichen auf der Welt sucht: der Platz der Gaukler. Nicht weil er so schön ist, sondern weil er Ort eines einmaligen Schauspiels ist.

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Der Djemaa el Fna ist ca. 300 x 100 Meter groß und liegt zwischen der Koutoubia-Moschee und dem Labyrinth des Bazars. Tagsüber wirkt er wie ein überdimensionaler Autoscooter ohne jegliche Verkehrsregeln. Unzählige Mofas, Mopeds, Pickups und Autos, die allesamt einem deutschen TÜV-Beamten das Blut in den Adern gefrieren lassen würden, fahren in scheinbar völligem Chaos hin und her. Sollte Google Earth eines Tages bewegte Bilder aus dem Weltall zeigen, dann wird der Djemaa el Fna von oben aussehen wie ein riesiger Flipper, in dem man hunderte Kugeln gleichzeitig losgelassen hat. Es grenzt an ein Wunder, dass es nicht fortwährend scheppert. Naja, dem Zustand der Autos nach zu folgern, passiert das dann wohl doch ab und an.

An jedem meiner vier Tage in Marrakesch habe ich mich für Stunden auf eine der Dachterrassen der umliegenden Restaurants und Cafés gesetzt, um bei Couscous und einem Glas des wunderbaren Thé à la Menthe auf die Metamorphose des Platzes zu warten, die sich bei Beginn der Dämmerung vollzieht.

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Denn kaum geht die Sonne hinter dem Minarett der Koutoubia-Moschee unter, beginnt eine faszinierende Wandlung. Die Autos verschwinden und hunderte Garküchen, Gaukler, Geschichten-erzähler, Handwerker, Schlangenbeschwörer, Saftverkäufer und Wahrsager nehmen den Platz in Beschlag. Auf einmal ist die Luft erfüllt vom Rufen der Händler, vom Geknatter der Strom-generatoren, vom Knistern der Feuer, von den Schellen der Wasserverkäufer, während aus der Ferne der Muezzin zum Gebet ruft. Welch ein Schauspiel. Welch eine Symphonie des Orients.

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Ganz gleich, wie oft man über den Platz schlendert. Man entdeckt immer wieder etwas Neues: Hier einen Berber, der einem die Zukunft weissagt oder alternativ ein Sekret verkaufen möchte, das er aus einem lebenden Leguan herausdrückt und einen natürlich „very, very strong“ macht. Dort der Zahnarzt mit seiner fahrbaren Praxis, der stolz sein einziges Instrument zeigt: eine rostige Zange. Als Beleg für seinen Erfolg hat er Hunderte gezogener Zähne mitgebracht, die wie Liebesperlen in einer großen Kiste ausgestellt werden. Allerdings erkennt man erst beim zweiten Blick, dass es sich nicht um einheimische Erdnüsse handelt. Der Schauer, der einem dann über den Rücken läuft ist dafür umso kälter.

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Die Gerüche aus den Garküchen, der Rauch der offenen Feuerstellen, der Duft exotischer Gewürze rauben einem den Atem. Man taucht ein in eine andere Welt, ist nicht Teil, sondern nur ungläubiger Beobachter einer fernen und fremden Kultur. Die überwältigende Fülle an Eindrücken betäubt alle Sinne.

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Nein, nein, ich habe keine der angepriesenen Wunder-Medizinen eingeworfen, die wahlweise „happy“ oder aber „strong“ machen. Oder beides. Das braucht man auch gar nicht. Es reicht völlig, sich fallen zu lassen in dieses reale Märchen aus tausendundeiner Nacht. Und dabei sehr, sehr sorgfältig sein Portemonnaie festzuhalten.

Wenn man spät in der Nacht, trunken von den Eindrücken dieses Spektakels, im Bett liegt, dann hört man von weitem wie durch einen Schleier noch das Treiben auf dem Djemaa el Fna. Und man nimmt sich fest vor: morgen - morgen gehe ich ganz bestimmt wieder auf den Platz der Gaukler.

Frank.jpg© Text und Fotos: Frank Helbig. Unser Gastautor lebt in Düsseldorf, hat beruflich ganz viel mit IT zu tun. Privat liebt er das Reisen und - wie man sieht - die Fotografie. Wir sagen: Vielen Dank! Und: Mehr davon!

 

 

 

Posted on Freitag, November 16, 2007 by Registered CommenterGastautor in , | Comments1 Comment

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Reader Comments (1)

Herrliche Geschichte, herrlicher Text, herrliche Fotos. Macht Lust, sich sofort nach Marrakesch zu beamen. Nur um den Zahnarzt würde ich vorsichtshalber einen Bogen machen :-)

November 18, 2007 | Unregistered CommenterIngo

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