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"Royalton Hotel", New York: On the catwalk

„Gott, sind das dünne Ärmchen, gib der Frau mal nen Snickers!“

„Guck Dir das Pärchen an: Sie mit viel zu kurzem Rock für ihr Alter, aber dafür im kleinen Schwarzen - und er in Kakhi-Shorts mit Tennissocken und T-Shirt.“
„Also ich würd meinen Mann so gar nicht mitnehmen.“


Ungefähr so klingen Gespräche in der Bar des „Royalton Hotel“. Selbst wenn man krampfhaft ein anderes Thema suchen würde, letztlich käme man nicht ohne Lästereien über die hereinkommenden Gäste aus.

Schuld daran hat kein menschlicher Makel, keine Finsternis der Seele, sondern der Innenarchitekt. Der nämlich hat der klassischen Hotellobby entsagt und stattdessen einen halbdunklen Catwalk für jedermann erschaffen. Wer das „Royalton“ betritt, erblickt keine lichte, imposante Halle, keinen Marmor, keine ebenholzige Rezeption – sondern schummerige Halbdunkelheit.

20102007494.jpgSchräg rechts bildet eine vielleicht zwei Meter breite Ausgabe die klassische Bar. Links gehen ein paar Stufen hinunter zu den Sitzkombinationen, Wände mit Gaskaminen sorgen für ein wenig Raumtrennung. Und in der Mitte verläuft ein grauer Teppich, erleuchtet von Lichtspots. Instinktiv geht der Gast beim ersten Besuch voran – und sitzt in der Falle. Denn so wird er zum Model der nächtlichen Freak-Show, zum Belustigungsobjekt der Coctailistas, zum Ziel ihres leise gemurmelten Spotts. „So wie der aussieht, können’s doch nur innere Werte sein“, sang Ulla Meinecke einst über die Begleitung einer Dame – ein Satz, der auch hier schon häufig gefallen sein dürfte.

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Aber ist es nicht das, was Touristen in New York erleben möchten? Diesen Hauch von Carrie-Bradshaw-Feeling? Cosmopolitan ordern in einer Bar, deren Chefin so dürr ist, dass Karl Lagerfeld wirkt wie ein fettleibiges Wrack?

Schreiten wir also den Laufsteg hinab zur Rezeption. So wir sie finden. Denn sie versteckt sich hinter zwei Durchreichen, deren Lichtschein von seitlich vorgezogenen Holzleisten abgeschirmt wird. Vom vorderen Teil der Bar – und somit vom Eingang aus – ist sie nicht zu sehen. Wie wir da so stehen und versuchen, einzuchecken – das Wort versuchen, verrät ihnen: dies ist im „Royalton“ keine leichte Prozedur – wünschen wir uns, wir hätten einen Cocktail to go mitgenommen von der skellettierten Chefin. Denn einchecken im „Royalton“ dauert. Und dauert. Und dauert. Unendlich langsam scheint der Computer, unendlich endschleunigt die Rezeptionistin. Zweimal korrigiert sie unsere Zimmernummer, dann haben wir endlich die Schlüsselkarte. Und Vorsicht: Alleinreisende scheinen benachteiligt zu werden – erst auf Nachfrage erhält unsere Dritte im Bunde ein Zimmer im oberen Stockwerk, zunächst sollte sie in der 3. Etage nächtigen.

Wir belegten ein Doppelzimmer der Superior- und eines der Deluxe-Kategorie (Gibt es eigentlich eine fest geschriebene Kategorienfolge? Bei all den wolkigen Begriffen weiß doch niemand, was nun über was steht). Beide sind exzellent ausgestattet, vor nicht allzu langer Zeit ist das gesamte Haus renoviert worden. Grau, helloliv und braun sind die bestimmenden Farben, dazu viel mattiertes Glas und im Bad fast schwarzes Schiefergrau.

19102007478.jpgDie wahre Stärke eines Hotelzimmers aber machen die Details aus. Im „Royalton“ zum Beispiel die flauschigen Handtücher. Oder der äußerst komfortable Bademantel. Das Schminktischchen im Bad mit Kerze. Die stilvollen und äußerst praktischen Ablagen am Bett. Ohnehin, das Bett: Sehr bequem und mit Kissen überhäuft. Man spürt, dass hier die gleiche Hotelgruppe am Werk ist, der auch ähnlich konzipierte Häuser wie das „Sanderson“ in London angehören.

19102007475.jpg19102007477.jpg 19102007481.jpgGroß ist das Zimmer nicht – hier ist halt immer noch New York. Aber aushalten lässt es sich ganz wunderbar. Auch wegen der Lage: 44. Straße, genau zwischen Time Square und Grand Central Station.

 

 Und der Service? Kann man nicht meckern, abgesehen von der Salzsäulen-Rezeptionistin, die beim Auschecken auch nicht an Schwung gewonnen hat. Fröhlich-entspannt grüßen dagegen die Türöffner in ihren schwarzen Hemden und ebensolchen Hosen (Portiers wäre definitiv das falsche Wort für die sympathische Mannschaft). Regnet es, geben sie einen Schirm mit auf den Weg, jederzeit springen sie gern auf die Straße, um ein Taxi anzuhalten oder vermitteln eine Limousine. Die übrigens ist, verglichen mit Taxis, häufig nicht exorbitant teurer – aber erheblich angenehmer. 

Da gönnt man sich dann auch gern noch einen Cocktail in der Bar.
„Hast Du das staksende Huhn gesehen?“„Wenn man nicht auf hohen Hacken laufen kann, sollte frau es einfach sein lassen.“
„Aber hat doch geholfen: Ihr Typ sieht nach Geld aus.“
„Ja, so wie der aussieht, kanns nur das sein. Oder innere Werte.“

 

Royalton Hotel
44 West 44th Street
New York, New York 10036

Posted on Dienstag, Oktober 30, 2007 by Registered CommenterThomas Knüwer in , , | CommentsPost a Comment

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