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Freitag
Okt192007

Die merkwürdige Wein-Auswahl des "Stern"

So mancher Verlag verdingt sich in diesen Zeiten ein Zubrot als Weinhändler. Eigentlich eine reizvolle Sache: Größeren Blättern gelingt es durchaus, so viele Leser mobil zu machen, dass beim Einkauf ordentliche Rabatte rausspringen. Oder besser: rausspringen sollten. Denn fast immer werden Weinpakete unter bestimmten Motti verkauft, mal gibt es “Die besten Weißweine von der Loire”, dann wieder das “Kalifornien-Einsteigerpaket”.

Wirklich preisgünstiger ist die Auswahl aber für den Kunden nicht. Wer sich im Internet umschaut, findet fast immer Versender, die nochmal um die zehn Prozent unter diesen Angeboten liegen. Allerdings: Eben nicht im Paket. Und so sind die Verlagsangebote für Neugierige ein ordentliches Angebot. Vielleicht auch für die, die keine Zeit haben, sich im Weinladen des Vertrauens durchzutesten. 

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Nun startet der “Stern” derzeit eine neue Reihe in Sachen Wein. Einmal um die Welt soll es gehen, quer durch die Anbaugebiete, die gemeinhin als “Neue Welt” gelten. Und aus jeder Region gibt es einen oder mehrere Weine, die dann geordert werden können.  Den Anfang macht Südafrika. Doch gleich der erste orderbare Wein machte mich stutzig: Madala Shiraz vom Weing gut Vorster? Nie gehört.

Dabei waren wir doch noch Anfang des Jahres in Südafrika und hatten uns durch die Weingebiete um Stellenbosch und Franshoek getrunken.  Aber der name Vorster war uns nicht begegnet. Aber wir hatten uns ja den Platter mitgebracht. Ein rotes Buch, die Mao-Bibel für Südafrikas Weine, ein exzellenter und ausführlicher Führer. Und? Nichts. Vorster taucht dort nicht auf. Da verwundert es auch nicht, dass jenes Weingut in den Beschreibungen von Fabian und Cornelius Lange, den brüderlichen freien Journalisten, die für den “Stern” arbeiten, keinen Raum einnimmt. Zwei Seiten lang schreiben sie über Wein in Südafrika im Allgemeinen, Shiraz und das Anbaugebiet Breede River Valley im Speziellen. Über Vorster jedoch erfahren wir nichts.  

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Kein gutes Zeichen. Anscheinend handelt es sich hier um ein Weingut, das allein für den Export produziert. Denn in Deutschland ist der Madala problemlos erhältlich. Unter anderem führt ihn Karstadt. Karstadt und der “Stern”? Das riecht nach schon wieder schwer nach Massenwein.

Immer anrüchiger wird dann doch die Lobhudelei, die sich der “Stern” selbst zum Start gönnt. Gastroredakteur Bert Gamerschlag darf da in höchsten Tönen das eigene Haus bejubeln:
“Erstaunlich, was Lieferanten an Nachlässen gewähren, wenn sie ihre  Weine einem der spannendsten Leserkreise präsentieren können, die es in Deutschland gibt - dem des Stern. ”

Ja, aber… Die Leser des “Stern” bekommen den Madala nicht mal sonderlich viel günstiger. 7,80 Euro kostet die Einzelflasche -  so viel wie bei Karstadt auch.  Wer mehr odert, bekommt es günstiger. Zum Beispiel 24 Flaschen für 149 Euro. Nur: Der “Stern” behauptet, das Paket hätte einen “Wert von 215,15 Euro”. Auf solch eine Zahl muss man erst mal kommen. Denn die Flasche kostete dann 8,964583333 Euro. Selbst unter knallhart kalkulierenden Geschäftsleuten ein bemerkenswerter detaillierter Preis. 

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Auch in den kommenden Wochen sollte der spannende Leserkreis genau hinsehen. Zumindest, wenn es nach dem Platter-Team geht. Der “Stern” kündigt noch an:
- 2006er Sauvignon Blanc von Sumaridge: Laut Platter 3,5 bis 4 von 5 möglichen Sternen. Im Netz zu haben für 10,95 Euro, unter anderem bei Karstadt.
- 2004er Pinotage “Vintage Selection” von Spier: Spier ist einer der größten Produzenten Südafrikas. Die Vintage Selection ist von vier Linien die zweitniedrigste. Einen Pinotage daraus aber erwähnt der Platter nicht. Auch im Internet finde ich ihn auf Anhieb nicht.
- 2007er Chenin Blanc, ebenfalls  von Spier: Entweder handelt es sich um die “Discover Range”, die niedrigste Linie von Spier. Der Platter erwähnt, dass der Chenin Blanc aus dieser Linie nur für den Export bestimmt ist. Wertung: mikerige zwei Sterne. Oder hier ist die Classic Range gemeint, für deren Chenin es drei Sterne gibt. Bei Karstadt kostet dieser 5,45 Euro. Beide Wertungen beziehen sich allerdings auf das Jahr 2006.
- 2007er Chardonnay von Weltevrede: Für den gibt Platter drei Sterne, lobt ihn aber als äußerst süffig. Ihn gibt es - ups, schon wieder - bei Karstadt für 7,95 Euro.

Und hier ist schon wieder eine Merkwürdigkeit. Denn bis auf den ominösen Pinotage sind sämtliche Weine zum jeweils identischen Preis bei Karstadt.de, Ecomgate und Tipps-geld-sparen.de zu bekommen. Sollte die tränenrührende Geschichte von der “Stern”-Redaktion, die sich aufmacht, auf Weinmessen um Preise zu feilschen etwa nicht ganz so wahr sein?

Sicher ist: Wenn ein so großes Magazin wie die Hamburger ein Weinpaket schnüren, dann kommen da kleine, feine Tropfen nicht herein. Denn natürlich soll die Leserschaft nicht leer ausgehen. Also gibt es Massenware zu verträglichen Preisen. So is des business halt.

Wer sich dagegen ein wenig auf die Suche machen möchte, dem empfehlen wir aus unserem Südafrika-Trip:

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- aus dem Hause Simonsig: die roten Cuvées “Frans Malan” und “Tiara” sowie den Redhill Pinotage
- von Zevenwacht: das weiße Cuvée “The Tin Mine”
- von Zorgvliet den Cabernet Franc
- von Newton Johnson: Chardonnay
- den Mulderbosch Sauvignon Blanc
- wenn es süffig sein darf den Petit Chenin von Ken Forrester
- den exzellenten Sauvignon Blanc von Iona
- großartig aber viel zu teuer: Ernie Els vom gleichnamigen Star-Golfer
- unbedingt empfehlenswert sind von Cabrière Estate der Haute Cabrière Pinot Noir sowie der ungewöhnliche Chardonnay-Pinot Noir
- und für die Port-Freunde den Tawny Port von KWV.  



Reader Comments (3)

Daß vom Stern nur "Massenweine", die nicht unbedingt schlechte Weine sein müssen, verschickt werden, ist - wie selber festgestellt - keine Überraschung.

Halbwegs günstig fine ich das Angebot bei einem Durchschnittspreis von 6,21 EUR / Flasche schon. 215,15 EUR wäre der Preis, den man zahlen würde, wenn man die Flaschen (z.B. bei Karstadt) einzeln kauft. Die EUR 149 sind also nur noch 70% des Ladenpreises. Daran gibt's meiner Meinung nach nichts zu mäkeln.

Ziel dieses Pakets soll doch außerdem nicht sein, die besten Weine der Welt vorzustellen, sondern Weine, die typisch für eine Region sind. Welchen südafrikanischen Shiraz man da nimmt, ohne den preislichen Rahmen zu sprengen und das ganze damit für die "Einsteiger" unattraktiv zu machen, ist sicher ein Punkt, über den man beliebig lange diskutieren kann. Ein Durchschnittspreis von EUR 15, wie bei den von Ihnen genannten Vorschlägen, würde den Preis des Pakets wahrscheinlich fast verdoppeln.

Den Zevenwacht "Tin Mine" finde ich übrigens auch nicht auf Anhieb im Internet. Ist er dadurch - analog zur Spier "Vintage Selection" - ein schlechterer Wein? Ach ja, dafür steht die "Tin Mine" wahrscheinlich im Platter ...

Letzte Anmerkung: Dem Stern Selbstbeweihräucherung vorwerfen und sich dann selber mit dem Platter und dem letzten Trip nach SA als den wahren SA-Experten hinzustellen, halte ich für nicht ganz glücklich. Bevor man die Auswahl des Sterns als schlecht hinstellt, sollte man die Weine auch wenigstens probiert haben. Es sei denn man trinkt aus Prinzip keine Weine, die es bei Karstadt gibt und die aus dem Preissegment 7 - 15 EUR stammen.

Oktober 25, 2007 | Unregistered CommenterThomas Müller

Also wir stellen uns hier doch nicht als ultimative Experten da. Wir erzählen von Erlebnissen. Deshalb beziehen sich die Weine auch darauf, was uns persönlich in Südafrika gefallen hat.
Der Anspruch des "Stern" aber ist ein anderer. Er behauptet, härtest mit Weinlieferanten gerungen zu haben um den besten Preis. Und da darf man doch wohl kritisieren, wenn die Preise nicht so dolle sind.

Oktober 26, 2007 | Unregistered CommenterThomas Knüwer

Viel schlimmer als die Frage, ob die Weinhändler des Stern ein besonders günstiges oder nur normal ausgepreistes Weinpaket zusammengestellt haben, finde ich die Tatsache, dass da unter dem Mäntelchen eines "Weinseminars" aktive Leserverdummung betrieben wird.

Zum Nachlesen empfehle ich die beiden folgenden Links:

htttp://www.enobooks.de/_Database/news_results2.asp?Titel=Editorial%20-%20Aschenputtel,%20weiß

und

http://www.enobooks.de/_Database/news_results2.asp?Titel=Editorial%20-%20Trauerspiel

November 21, 2007 | Unregistered CommenterAlexander Niemann

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