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Über Go to Rio

GotoRio  ist die etwas andere Reiseseite im Internet. Sie steht für subjektive Eindrücke und Erlebnisse, und wir, die Autoren, stehen mit unserem Namen zu dem, was wir schreiben. Reisen, Restaurantbesuche, Shoppingtouren sind selbst bezahlt - denn wir sind nicht käuflich.

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Warum heisst gotorio Go to Rio? Weil wir über alle Orte schreiben - außer Rio.

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Montag
Sep152014

Too slow for New York? Too ugly for Paris? Dann Münster Marathon!

Vor langer, langer Zeit tourten der Ostwestfale Rüdiger Hoffmann und der Rheinländer Jürgen Becker gemeinsam durch die Mehrzweckveranstaltungshallen Nordrhein-Westfalens, um genau diesen Unterschied zu erläutern: Westfalen und Rheinländer. 

Es war im Februar, zur Karnevelszeit, und Hoffmann verwehrte sich gegen das rheinische Vorurteil, in Westfalen sei närrische Stimmung nicht zu erzeugen. Also stimmte er mit todernstem Gesicht “Westfalenland, Westfalenland, ist wieder außer Rand und Band” an und marschierte über die Sitzfläche des Stuhls auf den vor den beiden stehenden Tisch, während Becker lachend vom Stuhl rutschte. 

Die Halle Münsterland tobte, erkannten sich doch die Einheimischen wieder: Wenn der Westfale feiert, dann richtig und mit voller Ernsthaftigkeit. 

Diese Szene kam mir in den Kopf, als ich am vergangenen Sonntag in Münster unterwegs war. Es war ein recht langer Spazierlauf, 42,195 Kilometer, anlässlich des Münster Marathons. Dieser Lauf wirbt reichtlich mit Gefühlen, bezeichnet sich als “Lauf der Emotionen”. Und obwohl ich nun aus dieser Gegend stamme, Dauerkartenbesitzer des SC Preußen bin und die Stadt gegen jedwedes Vorurteil verteidige: Ich glaubte, das mit der Stimmung beim Lauf sei maßlos übertrieben. 

Reumütig gestehe ich hiermit: Münster, ich hab Dich unterschätzt. 

Denn schon beim Start ist es voll, obwohl nur rund 2.800 Einzelläufer an den Start gehen. Damit war Münster nach Hamburg, Köln, Paris und dem inoffiziellen Central Park-Marathon unser bisher kleinster Lauf. Das macht die Sache zwar sehr entspannt, doch gleichzeitig herrscht am Vortag in der City auch nicht jene unterschwellige, wundervolle Aufregung, erzeugt durch zahlreiche Jogger und Menschen mit Teilnehmertüten, die von der Marathon Expo kommen. 

Dafür muss man auch nicht stundenlang auf den Start warten. 40 Minuten vor dem Start verlassen wir das – übrigens höchst empfehlenswerte – “Factory Hotel”, zufällig erwischen wir ein Taxi, das uns den kurzen Weg zum Schlossplatz fährt. Endlich füllt sich die Straße mit Läufern, Vor-Marathon-Stimmung. Es brummt so richtig, denn 15 Minuten nach den Einzelläufern starten 1.500 Staffeln. Und die sind bereits versammelt und machen Stimmung. Ich kann mich nicht erinnern, dass es bei unseren bisherigen Starts ein lauteres Publikum gab. 

Die nächsten 13 Kilometer wird es selten still. Überall sind Staffelläufer aber auch viele Zuschauer, die in diesem ersten Drittel Läufer durchaus mehrfach sehen können, denn es geht gewunden durch die wunderschöne City und dann am innerstädtischen Aasee entlang. Dort erwartet die Läufer auch die erste von vielen Kuriositäten: Schon von weitem hört man eine seniore Stimme leicht schief Schlager singen – der Alleinunterhalter eines Altenheims, der so was wie Stimmung macht, während neben ihm ein Dutzend Heimbewohner die Läufer anfeuern. Groß. Und schräg. 

Leider muss die beste aller Mitläuferinnen bei Kilometer 16,5 aufgeben: Das Knie schmerzt und will nicht aufhören. Aber auch das gehört eben zum Marathonlaufen – wissen, wann man besser aufhört. Nächstes Mal wird alles besser. 

Ungefähr ab dieser Stelle wird es auch zum ersten Mal ruhig. Denn der Münster Marathon ist eine Mischung aus City- und Landschaftslauf. Nun geht es mit reichlich westfälischer Landschaft raus in Richtung des Vororts Nienberge. Das Ortsschild steht bei Kilometer 20, dahinter wieder Stimmung. Zum Bild des Münster Marathon zählen nicht nur mehrere Cheerleader-Truppen sondern auch Stelzenläufern in Fantasiekostümen: ein wirklich tolles Bild.

In Nienberge wie vielen anderen Wohngebieten gehört der Marathon zum Herbst wie er in Hamburg zum Frühjahr gehört. Die Nachbarschaften holen Campingtische und Bierbänke raus, der Lauf ersetzt das Viertelfest. Gern hängen dann auch die Finisher-Trikots von Läufern der Umgegen aufgereiht an einer Wäscheleine über der Straße, anscheinen haben alle das Radio auf Antenne Münster geschaltet, so dass aus allen Lautsprechern die gleiche Musik erschallt. 

Womit wir wieder bei Hoffmann und Becker wären. Denn genau wie Jürgen Becker den Westfalen keinen Karneval zutraute, hätte ich nicht gedacht, dass die Münsteraner tatsächlich ein solches Fass aufmachen:

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Montag
Aug182014

"Ikarus", Salzburg: Weil sie es können!

Vieles im Leben von Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz lässt sich beschreiben mit den Worten: “Weil er es kann.”

Warum übernimmt er rund um die Welt – und meist gegen den Willen der Fans – Fußball-Clubs? Weil er es kann.

Warum betreibt er einen eigenen Fernsehsender mit dem albernen Namen Servus-TV? Weil er es kann.

Warum verpulvert er Marketing-Millionen mit der Gründung obskurer Sportarten? Weil er es kann.

Warum hält er sich eine eigene Flugshow aus bunt zusammen gewürftelten, historischen Maschinen? Weil er es kann. 

Und Salzburg ist die Hauptstadt des Mateschitz-Imperiums, was sich auch darin zeigt, dass ein bunt beleuchteter Red Bull-Kühlschrank mit verschiedenen Energiedrink-Varianten sogar im Festspielhaus zu finden ist. 

Weil er es kann, leistet sich Mateschitz auch den Hangar-7, ein futuristisches Gebäude, in dem seine bunte Sammlung aus Rennwagen und Flugzeugen steht – und das ein Restaurant namens “Ikarus” beheimatet. Dabei fährt das Lokal mit dem mythologischen Namen ein bemerkenswertes Konzept: Jeden Monat steht hier ein anderer Sterne-Koch für vier Wochen als Gastchef am Herd. 

Nur in einem Monat ist das anders, wie so vieles in Salzburg: im August, wenn Festspiele sind. Dann trägt das feste Team des “Ikarus” unter Executive Chef Martin Klein die alleinige Verantwortung. Wir geben zu: Als wir das lasen, waren wir ein wenig enttäuscht – denn in diesem Jahr besuchten wir zum ersten Mal die Festspiele. “Aber gut”, dachten wir uns bei der Reservierung, “schauen wir mal, was das Team so vom bunten Reigen der Küchenchefs aus aller Welt so gelernt hat”.

Um es vorwegzunehmen: Wir ahnten nicht, wie viel. 

Der Besucher des “Ikarus” darf sich zunächst das Reiche Mateschitz gönnen: Er wird eingeladen, sich die sammelsurige Ausstellung im Hangar-7 anzusehen. Den Aperitif nehmen wir in der “Mayday Bar” im zweiten Stock ein, wo uns der höchst kompetente und bestens gelaunte Barmann in die Details seiner bestens sortierten Gin-Kollektion einweiht. 

Danach geht es einen Stock tiefer. Auf beiden Ebenen zeigt sich das architektonische Problem des Hangars: Es gibt zwar Balkonplätze im Hangar selbst. Nur heizt sich der im Sommer derart auf, dass es schlicht zu heiß ist, um dort zu sitzen. Schade.

17 Gänge erwarten uns, das vorgefertigte Menü, natürlich variierbar durch Allergien oder Abneigungen, ist die einzige Wahl für den Gast. “Essenz No. 7” ist es überschrieben und soll zwei Essenzen betonen, die in allen Küchen der Welt vorkommen, häufig aber nicht wahrgenommen werden: Essig und Öl, weshalb in jedem Gang eine besondere Variante derselben verarbeitet wurde.

Wir beginnen mit vier Küchengrüßen: 

 

  • Taschenkrebs-Gazpacho-Shot (Tomatenessig/Avocadoöl): ein frischer Start, sehr lecker.
  • Steinpilz-Eis (Heidelbeeressig/Steinpilzöl): Wir zucken zum ersten Mal angesichts des fein abgestimmten Steinpilz-Aromas – das ist fantastisch.
  • Cracker mit Misocreme (Estragonessig/Basilikumsamenöl): aromatisch und gut.
  • Kalbstartar-Burger (Senfessig/Gerösteter Sesamöl): HALLO? Können wir davon bitte nicht nur die kleine Bulette haben, sondern einen ausgewachsenen 250-Gramm-Burger? Der Essig bringt eine frische Säure, das Öl eine süße Komponente. Dieses Machart sollten sich all die Edel-Burger-Läden aber so was von genau anschauen!

So langsam ahnen wir: Die 175 Euro sind nicht nur der ortstypischen Festspielpreiserhöhung geschuldet – sondern auch der Qualität. 

Oder besser: Wir sind uns sicher nach dem ersten Happen des gebeizten Toro mit Codium-Alge (Dashi-Essig/Korianderöl).

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Montag
Jun232014

Mallorca, Paradies für Gourmets

Sollten einer von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, in den kommenden Wochen zufällig auf Mallorca sein und dort das kleine Örtchen Lloseta am Rand der Tramuntana durchqueren, tun Sie uns dann einen Gefallen?

Fahren Sie bitte in der Calle Joan Carlos I. vorbei, klingeln beim Restaurant “Santi Taura” (den gleichnamigen Chef sehen Sie hier links im Bild) und fragen, ob die unsere Kinnladen aufgehoben haben.

Die sind uns nämlich kollektiv runtergefallen – beim Blick auf die Rechnung.

Das kleine, wunderschön schlichte Restaurant an einem völlig untouristischen Ort ist Symbol für den nächsten Schritt Mallorcas, weg vom Ballermann und hin zu gehobenem Tourismus. Mehr noch: Die Insel ist kurz davor zu einem Gourmet-Paradies zu werden.

Vor vier Jahren stimmten wir hier schon einmal ein Loblied auf die gastronomische Situation der Ex-Putzfraueninsel an. Nach Jahrzehnten, in denen die mallorcinische Küche fast verschwunden und die Weinbranche der Insel zum Sangria-Zulieferer degeneriert war, gab es ein Aufwachen. Endlich tauchten wieder lokale Gerichte auf den Karten auf und das Niveau der Restaurants insgesamt stieg. Das von uns so geliebte und gelobte “Es Rebost d’Es Baluard” scheint allerdings leider inzwischen geschlossen zu haben. 

Dafür gibt es nun den nächsten, logischen Schritt. Junge, engagierte Köche modifzieren und modernisieren die Klassiker der Insel und schaffen so eine ganz eigene Gastro-Szene, eine hoch spannende noch dazu. 

Einer davon heißt Joan Marc. Nach einer Lehrzeit in verschiedenen Restaurants der Insel übernahm er 2011 den Supermarkt seiner Mutter im Herzen von Inca – und machte daraus ein Restaurant, dessen kühle Ästhetik auch in Berlin-Mitte für Anerkennung sorgen würde. Da stehen Baum-Imitate auf Rindenmulch an den Rändern des Speiseraums, an ihren Ästen hängen Kästen mit Schmuck, den Marcs Schwester in ihrem Atelier im ersten Stock entwirft. 

Die Karte ist klein, was ein gutes Zeichen in Sachen Frische ist. Der Gast darf sich daraus ein drei- oder viergängiges Menü zusammenstellen. Alternativ gibt es eine vom Chef arrangierte 6-Gang-Version, wir entscheiden uns für die Vierer-Ausgabe. Denn angesichts des Preises von 38 Euro glauben wir nicht recht an eine Qualität, wie sie der Ess-Führer “Mallorca geht aus” versprochen hat. Der lobt das “Joan Marc” derart, dass wir bei Foursquare erstmal schauen, ob da nicht ein Kritiker gekauft oder komplett irre ist. Nein: Auch dort nur Lob.

Die offene Küche grüßt mit einer kleinen Krokette - schmackhaft.

Danach der erste Inselklassiker: eine Nudelsuppe mit Rochen. Sie ist deftig, es dominiert der vorzügliche, geröstete Knoblauch. Wer hinterher noch knutschen möchte, sollte dem Kuss-Partner definitiv etwas abgeben. 

Dem von “Mallorca geht aus” versprochenen Sterne-Niveau nähern wir uns aber erst beim zweiten Gang:

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Donnerstag
Mai082014

Wie schmecken Heuschrecken und Mehlwürmer?

“Into the wild” heißt das Motto der diesjährigen Ausgabe von Deutschlands größtem Internet-Kongress, der re:publica. 

Passend dazu gibt es einen Stand mit besonderem Konferenzessen: Heuschrecken und Mehlwürmer. Daniel Fiene und ich haben probiert:

Montag
Apr212014

Paris Marathon: Weckt die Pariser auf!

Jetzt auch noch Migräne. Ne, is klar, das hat ja noch gefehlt. Es ist früher Sonntag Morgen und mein Kopf schmerzt, mein Nacken ist zusammengezogen, mir ist leicht schlecht. 

Das passiert gelegentlich mal, insofern kein Weltuntergang. Nur ist geplant, dass wir in einigen Stunden den Paris Marathon laufen sollen. Und irgendwie passt dieser Migräne-Besuch in eine Vorbereitung, die ohnehin nicht so richtig dolle war. 

Zwei Wochen pausierte jeder von uns wegen Erkältung und einem Darm-Virus. Diesmal gab es bei mir keinen richtig geilen, langen Lauf. So hüpfhüpfhüpfjetztgehtslos-fit ich mich im Herbst vor dem Lauf in Köln fühlte, desto skeptischer bin ich diesmal. 


Immerhin: Ibuprofen Migräne und ein Brioche kriegen mich einiger maßen wieder hin, bevor wir zum Start laufen. Das geht diesmal tatsächlich wortwörtlich, der Start auf den Champs Elysees liegt nur eine Viertelstunde zu Fuß von unserem Hotel entfernt, das Ziel gar noch näher.

Das sei gleich mal lobend erwähnt: Sollten Sie jemals den Paris Marathon laufen und während des Wochenendes komfortabel wohnen wollen, so sei die “Villa Maillot” wärmstens empfohlen. Ein kleines, schlicht gestaltetes Designhotel mit Zimmern, die für Pariser Verhältnisse eine angenehme Größe haben. 

Hier ist man auf Marathonis außerdem vorbereitet: Ob wir laufen würden, fragt der Portier und überreicht uns dann drei Infozettel mit der Startaufstellung, dem Weg zu Start und Ziel sowie einigen Services des Hotels, darunter eine After-Marathon-Massage im sehr kleinen, aber sehr hübschen Spa. Und als wir am Morgen die Lobby betreten. applaudiert die Rezeption und weist uns nochmal den Weg – so geht das mit der Gewinnung von Stammgästen: Die Villa Maillot ist für uns künftig auch für eine normale Paris-Reise definitiv eine Option. 

Wenn Sie also den Paris Marathon jemals laufen, ziehen Sie die “Villa Maillot” in Erwägung. Die Frage ist eher: Sollten Sie in Paris laufen?

Und da kann man geteilter Meinung sein.

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