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Über Go to Rio

GotoRio  ist die etwas andere Reiseseite im Internet. Sie steht für subjektive Eindrücke und Erlebnisse, und wir, die Autoren, stehen mit unserem Namen zu dem, was wir schreiben. Reisen, Restaurantbesuche, Shoppingtouren sind selbst bezahlt - denn wir sind nicht käuflich.

Praktischer Hinweis: Wenn Ihr in Rubriken suchen wollt, findet Ihr die weiter unten auf der Seite unter dem Stichwort Suchen und Finden!

 

Warum heisst gotorio Go to Rio? Weil wir über alle Orte schreiben - außer Rio.

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Donnerstag
Jul232015

"La Pergola", Rom: Hüte Dich vor kleinen Männern!

In einer anderen Zeit, ich war jung, Schmidt, Wehner, Brandt und Strauß bestimmten die öffentlichen Debatten und die Menschen dachten noch nicht darüber nach, wie man sich politisch korrekt ausdrückt; in dieser Zeit jedenfalls sagte mein Vater immer mal wieder zu mir: „Nimm Dich in Acht vor kleinen Männern“. 

Daran muss ich denken, als ich Ulrich Beck im La Pergola sehe. Ein wirklich kleiner Mann, der – als Deutscher! – das einzige Drei-Sterne-Restaurant Roms führt. Die Auspizien waren also dergestalt, dass ich mich mit Vorsicht bewegte.

Und auch andere Vorzeichen stimmen bedenklich. Das “La Pergola” ist das Hotelrestaurant des Waldorf Astoria in Rom. Dorthin gelangt man am besten per Taxi, vom Petersplatz dauert die Fahrt rund 15 Minuten. Man befindet sich nach der Fahrt weit ab von allem, was an Rom lieb und teuer ist. Anstelle dessen steht man vor dem güldenen Baldachin, der den Eingang zum Hotel überdacht und aussieht, als sei er direkt aus den USA importiert worden.

Von seiner äußeren Erscheinung her sieht das Waldorf Astoria in etwa so aus als hätte man das Krankenhaus Altona kurzerhand auf einen Hügel oberhalb von Rom verlegt. Eine Mauer aus Stein, sehr breit, sehr hoch. Die Inneneinrichtung könnte von Liberace entworfen worden sein, Goldtöne, Messing und Mamor konkurrieren um die Aufmerksamkeit des Gastes. Ganz oben auf dem Hotel befindet sich das “La Pergola”.  

Wer vergoldetes Besteck und Teller mag, seltene Teppiche verehrt oder sich für berühmte Vasen interessiert, für den ist hier das Paradies. Allen anderen hilft es, ihre Fassungslosigkeit mit Hilfe des unglaublichen Blicks auf Rom zu überwinden, der weit ins Hinterland reicht und die sehr amerikanische, sehr schwere, sehr 80er Inneneinrichtung für einen Augenblick vergessen macht.   

Ein weiterer Baustein, der sensible Gemüter sich im Vorhof zur Unterwelt wähnen lassen dürfte, ist die Tatsache, dass dezent aber deutlich Vivaldis “Vier Jahreszeiten” diese Szenerie musikalisch untermalen. Das allein wäre schon schlimm genug. Dass dies aber in einer Endlosschleife passiert, wie wir im Laufe des Abends feststellen müssen, kann nur der grausame Witz eines üblen Musik-Sadisten sein. 

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Dienstag
Jul142015

Die beste Wurst vom coolsten Metzger

Wenn Sie Peter Inhoven beleidigen wollen, dann nehmen sie Senf zu seiner Wurst. Und Recht hat er, beleidigt zu sein. Denn jede Form von Sauce oder Würzung würde das Aroma von Inhovens Produkten nur ruinieren, egal ob es sich um eine Bratwurst mit Whiskey und Honig handelt, mit orientalischen Gewürzen oder Basilikum. Sie alle definieren neu, wie eine Wurst schmecken kann.

Das haben in Düsseldorf bereits viele Menschen gelernt, denen dieser vielleicht coolste aller Metzger in den vergangenen Jahren auf Streetfood-Festivals, Märkten oder Firmenfeiern begegnete. Er sticht heraus mit seinem Pferdeschwanz, dem Hemd mit den Lietzen und den schweren Siegelringen.

Sieht so ein Metzger aus? Andererseits: Warum nicht?

In dritter Generation führt er die Familienmetzgerei Inhoven, die alles andere als gewöhnlich ist. Denn Inhoven bringt eine Leidenschaft und Experimentierfreude mit, die ihn von den weitesten Teilen seines Berufsstands unterscheidet. 

Wunderbar zu beobachten ist dies im Dokumentarfilm “Sausage Man Alter Ego”, den der junge Filmemacher Nick Wolf über ihn drehte. Fast genau vor einem Jahr sahen wir ihn im Rahmen der Premiere in der Düsseldorfer Filmwerkstadt. Irgendwann werde er das Werk auch online stellen, versprach uns Wolff damals. Obwohl das wunderschöne Plakat zu “Sausage Man Alter Ego” seitdem in unserer Küche hängt, vergaßen wir, immer mal wieder zu gucken, ob “irgendwann” endlich da ist, weshalb der folgende Seh-Tipp ein wenig spät kommt. 

Denn: Der Film ist jetzt auf Vimeo – und sollte von jedem geschaut werden, der sich für gutes Essen und leidenschaftliche Berufsausübung begeistert.

Peter Inhoven I The Sausage Man Alter Ego from Nick Wolff on Vimeo.

Foto: Anké Hunscha.

Donnerstag
Jul022015

"Oaxen", Stockholm: Mädesüß und Tupfenfarn

Fragt uns jemand, wo wir das beste Essen unsere Lebens genossen, ist seit sechs Jahren die Antwort eindeutig: im Kopenhagener “Noma”. Ein Jahr nach unserem Besuch setzte dort die große Hysterie ein, mit einem Mal war das “Noma” die Nummer eins weltweit und sein Chef Rene Redzepi ein globaler Star. 

Einerseits brachte er damit die skandinavische Küche auf das Radar der Gernegutesser. Andererseits ist sein Erfolg – und seine medienwirksame Außendarstellung – auch ein Fluch für Köche der Region. Denn natürlich liegt schnell der Verdacht nah: “Der will nur Redzepi nachmachen.”

Auch wir können uns an diesem Abend in Stockholm nicht ganz von diesem Gedanken freimachen. Allein: Es wäre ungerecht gegenüber dem Mann, dessen Restaurant und Team uns an diesem Abend begeistern werden – Magnus Ek und dem “Oaxen Krog”.

Ek startete nämlich schon 1994 sein Restaurant auf der kleinen Insel Oaxen, südwestlich von Stockholm. Schon dort wurde er von den handelsüblichen Gourmet-Diensten gerühmt. Doch der Durchbruch kam 2011 mit dem Umzug an den südlichen Rand von Djurgarden, der grünen Lunge der schwedischen Hauptstadt. Zwei Michelin-Sterne hat Ek sich erkocht und was wir an diesem Juni-Abend serviert bekommen, hat das Potential für drei. 

Das Oaxen teilt sich in zwei Lokale: das legere “Slip” mit einer hohen Glasfassade und das edlere “Krog” im hinteren Teil des werftartigen Gebäudes. Beim Eintreten nicken uns von der sehr offenen Küche die Mannschaft zu, das reduzierte Design erinnert – sorry – nun wirklich an das “Noma”, aber auch an das wundervolle Berliner “Rheinstoff”, denn über dem Tisch hängt eine zentrierte Lampe, die jeden Teller ins richtige Licht rücken soll. Nur: Im “Reinstoff” ist das perfekter gelungen. 

Sechs oder 10 Gänge werden im “Oaxen Krog” geboten, ein À la carte-Menü existiert nicht. Wir wählen – regelmäßige Leser ahnen es – die 10er Version. Ganz nebenbei weist uns der freundliche und fixe Service darauf hin, dass es vorweg noch “some snacks” gebe. 

Some snacks. 

Die Schweden. Hömma, Du, lustig!

Some snacks auf Schwedisch heißt: nochmal 10 Kleinigkeiten. Die zu schildern würde jetzt ein Buch füllen, alle aber waren spannend und lecker, egal ob geräucherte Rote Beete, Schwertmuschel oder Auster. Eine kleine Mutprobe ist auch dabei: gegrillte Garnelen, die so kross zubereitet sind, dass sie mit Schale verspeist werden – nichts für jedermann. 

Dann endlich der erste Gang:

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Montag
Mai252015

"Spitzner im Oer'schen Hof": Sterne-Wette in Münster

Alle paar Jahre begegnet uns ein Restaurant, bei dem wir uns sicher sind: der Guide Michelin wird bald einen Stern über dem Eingang aufgehen lassen. 2008 hatten wir Recht mit dem “Tafelspitz 1876”, drei Jahre später mit dem “Schorn”. 

Nun haben wir wieder so einen Fall. Und wir wetten: Schon bald wird es in Münster ein zweites Sternerestaurant geben – das “Spitzner im Oer’schen Hof”. 

2012 begegneten wir Karl-Nikolas Spitzner zum ersten Mal. Damals führte er das “Am Aasee” und wir schrieben: Dort scheint ein sympathischer, junger Koch um die 30 gerade seinen eigenen Stil und Weg zu finden - ihn dabei zu begleiten macht richtig Spaß.” Aus dem Flachdachbau mit dem spektakulären Blick ist Spitzner kurz darauf ausgezogen. Dort residiert inzwischen der Möchtegern-Edel-Italiener “Il Divino” von dessen Besuch jedem abgeraten sei, der wert auf guten Service und gutes Essen legt. 

Es war ein wenig still um Spitzner, dann übernahm er ein Traditionshaus: den Oer’schen Hof. Schon lange gab es dort ein Restaurant, das sich aber in sehr biederer Art der französischen Tradition verschrieben hatte. Die Zeiten sind vorbei: ohne Ausgeflipptheit pustet das Spitzner-Team frischen Wind durch das traumhafte, alte Gebäude. 

Denn ein schöneres Ambiente könnte sich ein gehobenes Restaurant kaum wünschen: höchste Decken im Erdgeschoss des Ex-Adelssitzes, der im 18. Jahrhundert vom Barock-Stararchitekten Johann Conrad Schlaun konzipiert wurde, im Souterrain ein Weinkeller mit gekalten Wänden und im Obergeschoss noch ein Dachraum. Während die Bomben des Zweiten Weltkriegs in Münster vieles niedermähten, blieb der Oer’sche Hof verschont – und das merkt man ihm an. 

Schon im Februar besuchten wir das “Spitzner” erstmals und dass wir drei Monate später wieder da sind zeigt, wie gut es uns gefallen hat. Damals zeigte uns der Chef, wie gut er weiterhin Fische beherrscht:

Spitzner macht da weiter, wo er am Aasee aufgehört hat:

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Dienstag
Apr282015

London: die Essenz des Marathons

Es ist Sonntag, kurz nach sechs, und der London Marathon läuft. Immer noch. Nach sechs Stunden. Und noch immer ist es – laut. Richtig laut.

Würden wir es nicht selbst hören und sehen, wir würden es nicht glauben. Mit schwersten Beinen arbeiten wir uns die Fußgängerbrücke am Buckingham Palace hoch, hinter uns liegen 5 Stunden und 10 Minuten Marathon, Medaillen und Kleidersack abholen, durch die Menge kämpfen.

Jene, die unter uns auf der Straße eher gehen denn laufen, werden über eine Stunde mehr brauchen als wir. Und doch werden sie in einer Lautstärke bejubelt, die bei anderen Läufen allein der Spitzengruppe gilt. 

Und dass nicht nur am Ziel. Zwei ruhigere Passagen gibt es auf diesen 42,195 Kilometern, zwei Mal vielleicht ein Kilometer mit vereinzelten Passanten am Rand – der Rest ist: Party. Das ist keine Übertreibung. Man kann nicht übertreiben, was sich an diesem Tag abspielt, es ist ein emotionale Stumwelle aus sportlichem Spaß und Fairness, wie sie wohl nur die Engländer auf die Beine stellen können.

Immer wieder wurde in der Vorberichterstattung der englischen Medien erwähnt, was Marathon ausmacht: Dass es die einzige Massensportart ist, in der jeder Anfänger im genau gleichen Wettbewerb antritt, wie die Besten der Welt. Vielleicht gibt es auch kein Land, dass diese bemerkenswerte Tatsache im gleichen Maß betont, wie den Gigantismus des London Marathon 2015 in Sachen Spitzenathleten. In Deutschland, bin ich mir sicher, würde nur über die afrikanische Elite berichtet. 

Die geht in unserer Startzone, der blauen, ins Rennen. Selbstverständlich werden wir sie nie zu Gesicht bekommen. Gereicht hat es aber auf der Marathon-Expo für ein Selfie mit Emmanuel Mutai und dem Zuhören beim Interview mit Weltrekordler Dennis Kimetto. Überhaupt ist das Bühnenprogramm der Expo höchst unterhaltsam. 

Jene blaue Zone bringt einen Vorteil mit sich: Die Tribünen sind prall gefüllt, eben wegen der Elite. Auch noch, als wir an ihnen vorbeilaufen. Die Schallwelle scheint uns Rückenwind Richtung Greenwich zu geben, Sicherlich über zwei Kilometer stehen die Zuschauer dicht an dicht, schreiend, anfeuernd, unsere Namen rufend. 

Hilfreich ist dabei die Organisation. Drei unabhängige Startbereiche gibt es im Greenwich Park, die erst nach einiger Zeit zusammengeführt werden. Innerhalb der Bereiche sind die Läufer nach Leistung aufgereiht (was natürlich heißt, dass wir uns brav am Ende anstellen). Der Weg dorthin wirkt wie bei einem Rockfestival: Menschen in Funktionsbekleidung spazieren den Hügel hinauf, Musik wummert uns entgegen, mehrere Sponsoren-Ballons stemmen sich dem Wind entgegen.

Die Anreise dorthin ist unproblematisch: Unser Hotel liegt an der Victoria Station, von dort braucht der Zug eine halbe Stunde bis Blackheath. Und gleich gibt es Marathon-Feeling: Hunderte Läufer warten vor der Anzeigetafel auf die Gleiszuteilung des Zugs. 

Mussten wir in Paris über eine Stunde warten, bis wir nach dem Startschuss die offizielle Markierung überlaufen durften, geht es in London geradezu rasend schnell. Schon wenige Minuten nach der Startzeit (einen Schuss oder ähnliches hören wir so weit hinten nicht) kommt Bewegung in die Masse, 15 Minuten nach den Eliteläufern sind auch wir auf der Strecke. Am folgenden Tag schreibt ein mitlaufender Kolumnist des “Telegraph”, die schnellsten Zwischenzeiten seien zwischen den überfüllten Toiletten und der Startzone gemessen worden – erreicht von Läufern, die vom flotten Startablauf überrascht wurden. Jener Text steht leider nicht online, dafür ein anderer: “5 things I learnt from running the London Marathon” - eine empfehlenswerte Lektüre für alle, die sich fragen, warum Menschen sich das antun. 

Wie toll so ein Lauftag übrigens sein kann, zeigt unser kleines Staffel-Experiment mit der Facebook-App Riff:

Voll sind nicht nur die Toiletten (eine Austritt-Pause kostet uns 6 Minuten), sondern auch die Strecke:

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