Jeans, Burger und geraubte Sinne
Man soll ja junge Unternehmen nicht schon vor deren Start in Grund und Boden schreiben. Aber trotzdem müssen ein paar Worte verloren werden, finde ich, über eine Idee, die aus Köln kommt. Und die, mit Verlaub, ein wenig verwegen klingt.
Ihr erster Bestandteil sind Jeans. Jene Körperbekleidung, die maßgeblich von ihrem Sexappeal lebt, der ebenso maßgeblich von der Anschmiegung an einen wohlproportionierten Körper lebt. Die bei einem guten Schnitt aus einem Durchschnittshintern einen Knackarsch macht. Bei deren Vorausgeh-Anlegen manch weiblicher Single sich auf den Boden legt, auf dass der Bauch flacher werden. Oder einst gar mancher sich in die Badewanne begab, damit die Blaue besonders eng sitzt.
Zweite Ingredienz der Geschäftsidee sind - Hamburger. Fett triefende Hamburger, deren Belag selbst gestaltet werden kann.
Jeans und Hamburger, das ist wie Köln und Düsseldorf, wie Harry Potter und Lord Voldemort wie Ursula von der Leyen und eine liberale Gesellschaft. Es geht nicht zusammen, es bekämpft sich, es ist nur Platz für eine der Zutaten.
Und doch kündigt sich in Köln nun ein Burger-Restaurant an, das Jeans verkaufen will. Es heißt “Jungle & Jeans”. Vielleicht aber hat es doch eine Marktchance. Denn auf der Homepage heißt es:
“Unsere Gäste werden in eine amerikanische Welt entführt. Schlichte und dennoch eindringliche Farben in Kombination mit der bescheidenen Eleganz der Innenausstattung rauben einem sehr schnell jegliche Art der logischen Wahrnehmung.”
Tja, scheint irgendwie zu funktionieren mit dem Rauben der logischen Wahrnehmung. Wie das aussieht, wird noch nicht verraten - die Lokalität wird gerade umgebaut. Bis dahin gibt es einen RSS-Feed mit Nachrichten. Die oberste handelt heute von Streubomben. In Köln geht halt vieles zusammen, was man nicht zusammen erwarten würde.
(Gefunden im Twitter-Feed von Anke Gröner.)
"Cookies Cream", Berlin: Vegetarische Coolness
Nein, das kann jetzt nicht richig sein. Hier? Niemals ist hier ein Restaurant!
Doch Heiko, unser Tip-Geber führt uns weiter in die düstere Gasse hinter dem “Westin Grand” in Berlin-Mitte. Schmuddelig ist es hier, die Hotel-Mülltonnen waren auf Leerung, abgestillte Kisten, rohe Wände. Überfallenwerdensangst steigt auf. So sehen Ecken aus, an denen unschuldige Menschen entweder erschlagen oder rechtzeitig von Spider- oder Batman gerettet werden. “I need a hero!” röchelt Bonnie Tyler durch das Hirn.

Dann ein Eingang, grell leuchtende Birnen darüber. Und ein Schild. “Cookies Cream” - wird sind angekommen.
Seit Jahren residiert hier schon das “Cookies”, ein Club mit bevorzugt elektronischer Musik. Und seit anderthalb Jahren findet sich im ersten Stock ein Restaurant, das im Namen zusätlich “Cream” bekommen hat. Ein vegetarisches Restaurant, muss betont werden. Manchen stößt das ab. “Ich brauch mein Fleisch”, sagt mancher und wählt dann doch Fisch. Doch Fleisch ist in diesen Tagen ja auch ein Statussymbol, überall machen Edel-Steakhäuser auf.

Vegetarische Restaurants aber sind in Deutschland selten. Und wenn es welche gibt, fliegen sie oft auf traurig niedrigem Niveau. Dabei kann es sogar fleischlose Küche auf Sterne-Niveau geben, wie wir jüngst im “Noma” bei einigen Gängen erfuhren.
Und auch die Karte im “Cookies Cream” verspricht mehr als Bratlinge an Salat.
Rügens Top 10 in einer Woche
Es ist Krise. Und Krise bedeutet oft auch Hektik. Keine Zeit. Für langen Urlaub. Nur eine Woche ist Zeit für Rügen. Das Wetter ist unbeständig. Seien wir effizient. 10 Punkte nur. Eine Liste der To-Do’s auf Rügen.
1) Sellin:
Binz sollte man vergessen, Sellin ist Urlaub! Eine 2.000-Seelen-Perle direkt am Strand. Hier wurde die Wilhelmstrasse als kleiner Pracht-Boulevard liebevoll restauriert. Die weissen Häuser mit ihren verzierten Fronten der Vorbauten erinnern an die Architektur der Südstaaten. Und auch sonst ist von maroden Bauten nichts zu sehen. Dorint restaurierte gleich drei Gebäude und verband sie unterirdisch, und die omnipräsenten Edel-Makler Engel & Völkers haben sich die Sahneschnitte unter den Immobilien direkt an der Seebrücke geangelt. Die Seebrücke verschlägt auch einem Globe-Trotter den Atem. Was ist schon Brighton? Sicherlich ist diese Brücke vor 100 Jahren nicht so schön gewesen. Sie steht ja auch erst wieder seit 10 Jahren.
2) Prora
Dder Ort liegt bei Binz und hat keinerlei Attraktivität - aber dafür historische Schwere: Hitler baute hier im Wahn seine KdF-Ferienanlage. Die ist immer noch nicht abgerissen, selbst russischer Sprengstoff versagte. Aber seine Bestimmung hat sie auch nie wirklich gefunden. Wirklich top gelegen direkt am Strand liess der Gröfaz eine 4,5 km lange Bettenburg für 20.000 potentielle Gäste bauen. Die Kosten des Zweiten Weltkrieges kamen der Eröffnung in die Quere, und so war dieser Koloss jahrzehntelang Kaserne. Seit 1994 sucht das Bundesvermögensamt einen Investor. Es regnet in einigen Häusern seit mehreren Jahren durchs Dach - kein Verkaufsargument.
Betreten kann man sowieso nur einen Trakt in Form eines KdF- und NVA-Museums. Da hat man mit einem Eintrittsticket zwei Mal deutsche Geschichte, die man lieber nicht hätte.
"St. Martins Lane", London: Raumpatrouille West End
Heute lachen wir drüber. Über die Bügeleisen auf dem Kommandopult der “Raumpatrouille Orion”, über ihre Kämpfe gegen die fliegenden Föhne. Doch damals, 1966, als diese noch immer wundervolle TV-Serie das erste Mal lief, schien es, als könne die Zukunft so aussehen.
Vielleicht lachen wir irgendwann einmal auch über die Hotels der Morgans-Gruppe. Jene Häuser, die mit Design protzen wie ein Rap-Start mit seinen Bling-Bling-Ketten. Weil die Morgans uns verkaufen will, dass so, wie sie ihre Herbergen einrichten Coolness zu sein hat. Und was cool ist, kann ja sich ja sehr schnell ändern. Stichwort: Vokuhila.
Derzeit aber sind wir - und wohl jeder, der ein Morgans-Hotel betritt - beeindruckt. Denn egal ob in New York, wo wir im “Royalton” wohnten, in San Francisco oder London: Wer einmal in einem Haus der Gruppe gewohnt hat, erkennt sofort den Morgans-Stil - obwohl das Design unterscheidbar anders ist.
Im Londoner “St. Martin’s Lane”, nur ein paar Schritte von Leicester Square, Covent Garden und jenem Shop des besten aller Streifen-Designers entfernt durfte sich wieder einmal Phillipe Starck austoben. Sein dominierendes Thema: Licht. Buntes Licht.
Surf & Pfingst: Zwischen Backnang und Schottland
Gerade diese langen Wochenenden laden zum belanglosen Rumsurfen auf dem Balkon ein. Weshalb es mal Zeit ist, einfach ein paar Links reinzuwerfen, die uns in den vergangenen Tagen so aufgefallen sind.
Zunächst einmal ein Ausruf: ER BLOGGT! Also, fast jetzt. Er, das ist mein Lieblings-Designer. Der Meister der Streifenhemden. Vorname: Paul, Nachname Smith. Leider sind seine wundervollen Produkte viel zu selten in Deutschland zu bekommen, P&C in Düsseldorf hat eine karge Auswahl, besser bestückt ist da schon Retro, einer meiner Lieblingsläden in Berlin-Mitte (Oranienburger Str. 13 - und anscheinend homepagelos).
Immer aber, wenn ich einen Paul-Smith-Laden sehe, muss ich rein. Nicht nur wegen der Ware: Kein Modelabel richtet seine Shops liebevoller und skurriler ein. Deshalb, Leser, kommst Du nach London, begib Dich zur Floral Street, zum Ur-PS-Laden. Aber sogar der recht frische in Heathrows Terminal 5 ist recht hübsch geraten.

Durch Zufall stieß ich erst jetzt auf das Blog des Meisters. Na ja, des Fast-Blogs. Smith scheint selbst zu schreiben, auf jeden Fall wirkt es nicht, als poliere da eine Presseabteilung die Texte auf. Unter dem Titel I like/did this berichtet er von genau dem: Dinge, die er mag - und Dinge, die er gemacht hat. Leider gibt es keine Kommentarfunktion, was sehr, sehr schade ist. Dafür aber gibt es fast jeden Tag einen Eintrag - sattes Pensum.
Ein ebensolches schlägt auch Lars Schürer an, Chef des Restaurants “Tafelhaus” - nein, nicht dem in Hamburg, es liegt in Backnang. Und Schürer ist auch nicht Ralf Zacherl - er sieht nur ein wenig so aus. Schürer also twittert - fertige Gerichte, aktuelle Angebote und interessante Links. Würden wir nahe Backnang wohnen, die appetitlichen Fotos seiner Kreationen würden uns definitiv zum Besuch locken.
Auch Heinz Grünwald twittert. Allerdings weniger was leckeres, denn was billiges. Reiseschnäppchen, um genau zu sein. Denn Grünwald ist im Auftrag der uns bisher nicht bekannten Reisepreissuchmaschine Checkfelix unterwegs.
Eine Wein-Community gibt es auch mal wieder. Sie heißt Mustlovewine und will vor allem Weinfans und beruflich im Weingeschäft Tätige verbinden. Leider kommt dabei eines zu kurz: der Wein. Es ist viel zu unbequem, dort einen passenden Wein zu finden. Und wieder einmal stellt sich die Frage: Warum ist ein Bereich, der in Sachen Blogs so weiträumig abgedeckt wird, in Sachen Social Networks so mies aufgestellt? Sicher, es gibt Netzwerke - aber so richtig gut gemacht finde ich keines davon. Erst recht nicht in Deutschland. Schade.
Zum Schluss noch ein Heißmacher.

